Mettenheim – Karl Valentins einzigartiger Humor begeistert bis heute. Das zeigte sich auch in Mettenheim, wo die Besucher fein ausgewählte Bühnenschätze des Münchner Volkssängers und Komödianten, aber auch die bravouröse Darbietung der Künstler des im Jahr 2000 gegründeten „Valentin-Karlstadt-Theaters“ mit viel Applaus honorierten.
Während Bele Turba als Mitbegründerin des Theaters schon von Anfang an die Liesl Karlstadt mimt, stieß Johann Anzenberger als Karl Valentin erst 2020 dazu. Entgegen der Meinung einiger Valentin-Anhänger, man könne Valentin und Karlstadt nicht nachspielen, beweisen Turba und Anzenberger das Gegenteil. Ihnen gelingt es bestens, das legendäre Gespann auf der Bühne wieder lebendig zu machen, dabei aber stets ihre eigene Individualität zu bewahren. Man merkt sofort, wie viel Freude sie daran haben, in ihre Rollen zu schlüpfen und ihre schauspielerischen Fähigkeiten sowie ihre Vorliebe für Absurditäten in diesem Genre auszuleben.
Namen wie „Wrdlbrmpfd“ oder „Rembremerdeng“, Wörter wie „Klau- und Maulenseuche“ und „Isopropyl-propenyl-barbitursaures-phenyl-dimethyl-dimethyl-amino-pyrazolon“ oder sinnvoller Schmarren wie „Halt dir amoi die Ohren zua, dann schau i, ob i di riach“ machen nicht nur dem Publikum Spaß. Das lacht sich schief, nicht nur beim berühmten Sketch des „Buchbinder Wanninger“, sondern auch bei den kürzeren Szenen, etwa dem „Aquarium“, wenn Valentin wieder „die Dummheit plagt“, oder dem „Weltuntergang“, wo „40 Mitesser auskommen“ und „die Frau ihre Krampfadern als Ringelnattern verkauft“.
Spritzig und unterhaltsam überzeugen auch die musikalischen Couplets wie „Der Maskenball der Tiere“, der alle Zuschauer zum Mitsingen animiert, oder „Die Loreley“, bei der sich Anzenberger mit Langhaarperücke im weißen Hemdchen präsentiert. Man begleitet sich selbst, meist auf der Ukulele, aber auch auf dem Akkordeon.
Nah am Original und voller Turbulenzen ist der Einakter „Der Theaterbesuch“. Die Zuschauer der ersten Reihe gehen quietschend in Deckung, wenn beim Essen das Sauerkraut durch die Luft fliegt und die nervenaufreibende Suche nach dem „Kragenknöpferl“ beginnt.
Nicht weniger turbulent, skurril, ja beinahe tragisch dann das letzte Stück „Im Schallplattenladen“: Ein Kunde verlangt eigentlich bloß eine „runde dunkelschwarze Platte mit Schall“, doch führen ein valentinesker „irrtümlicher Tum“ und das Misstrauen gegenüber „biegsamen Platten“ schließlich zur Demolierung des halben Ladens.
Das Publikum im Kulturhof amüsiert sich prächtig und lacht Tränen. Den Meister des scharfsinnigen Blödsinns hätte es gefreut. „Ich will ja nur, dass die Leute lachen“, war sein bescheidenes Anliegen. Im Kulturhof ging dieser Wunsch in Erfüllung und wurde am Ende mit „Die oidn Rittersleut“ als Zugabe gekrönt.
Martina Lamprecht