Töging – Wer am Freitagabend in der „Kantine“ in Töging war, spürte es sofort: Hier lag Musik in der Luft, und zwar eine ganz besondere: Die legendäre Boogie-Woogie-Night zog wieder zahlreiche Musikbegeisterte an – und wurde einmal mehr zu einem musikalischen Fest der Extraklasse. Mit von der Partie war Lokalmatador Christian Gumbiller, der sich mit viel Gefühl und Spielfreude an die Tasten setzte und gleich für beste Stimmung sorgte. Sein Spiel machte deutlich: Da ist einer, der seine Leidenschaft in der Musik gefunden hat. Lässig saß er auf der Klavierbank, wenn er loslegt, dann musste er nicht lange überlegen, die Finger fanden die Tasten von allein und das gab seinem Boogie-Woogie die Leichtigkeit, für die es die Liebe zur Musik ebenso braucht wie die Erfahrung, die mit den Jahren kommt.
Gumbiller zur Seite stand Peter Heger, längst als Bayerns Boogie-Woogie-König bekannt, der mit seinem energiegeladenen Spiel das Publikum begeisterte. Heger hat sich intensiv mit Boogie-Woogie beschäftigt – diese Begeisterung teilt er mit dem Publikum und das tut er gerne. Und er ist auch auf der Bühne ein „Team-Player“, wie im Duett mit Christian Gumbiller zu hören war: Da saßen zwei an den Klaviaturen, die sich verstehen und blind aufeinander verlassen können.
Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Axel Zwingenberger – eine echte Legende am Klavier. Seit Jahrzehnten gilt er als einer der weltbesten Boogie-Woogie-Pianisten, der es wie kaum ein anderer versteht, die Energie und den Drive dieser Musikrichtung auf die Bühne zu bringen. Mit Stücken seiner neuen CD ebenso wie mit Klassikern aus Boogie-Woogie, Swing, Blues und Ragtime bewies er einmal mehr, dass er seinen guten Ruf nicht umsonst verdient.
Zwingenberger steht dabei in der Tradition der großen Boogie-Woogie-Pioniere wie Albert Ammons und Pete Johnson, deren virtuose Spielfreude den Stil in den 1930er-Jahren in den USA populär machte. Seine eigenen Kompositionen sind klassischer Boogie-Woogie, zeitlos wie die seiner Vorbilder.
Charakteristisch für den Boogie-Woogie sind die rollenden Basslinien der linken Hand und die improvisierten Melodien der rechten Hand, die zusammen einen unwiderstehlichen Groove erzeugen. Axel Zwingenberger beherrscht dies, wie auch seine „Kollegen“ an diesem Abend, so hervorragend, dass man gar nicht anders kann, als mit den Füßen zu wippen, mit den Fingern zu schnippen oder auch beides zeitgleich.
Für eine besondere Überraschung sorgte dann noch Uli Pflugbeil, der kurzerhand aus dem Publikum auf die Bühne kam. Zusammen mit Gumbiller, Heger und Zwingenberger zauberte er ein Finale, das man so schnell nicht vergisst: Vier Pianisten an zwei Flügeln, die sich die musikalischen Bälle zuspielten und das Publikum in der voll besetzten Kantine restlos begeisterten.gerd kreibich