Verzaubernde ladinische Klänge

von Redaktion

Ganes singen in ihren Lieder über Tradition, Magie und Umweltbewusstsein

Mühldorf – Die ladinische Gruppe Ganes trat zum wiederholten Male in Mühldorf auf. Dass die Südtiroler Formation hier in der Region eine treue Fangemeinde besitzt – das bewies der ausverkaufte Haberkasten, der nahezu aus allen Nähten platzte.

Ganes – das sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen. Sie singen wunderbar und spielen mehrere Instrumente wie Geige, Gitarre, Zither oder Flöte. Die beiden Schwestern kommen aus La Val, einem Dorf in den Dolomiten, und gehören zu den 30000 Südtirolern, deren Muttersprache Ladinisch ist. Diese Sprache ist für Nicht-Ladiner nahezu unverständlich, nicht einmal der Titel der Lieder erschließt sich einem, und so erzählen die Schwestern vor jedem Lied, worum es darin jeweils geht. Mit dabei war ihre „Kusine aus Ostfriesland“, Natalie Plöger, am Kontrabass und der Gitarrist Raffael Holzhauser.

Brauchtum
und Sagenwelt

Es geht in den Liedern von Ganes viel über Brauchtum in Südtirol, aber auch über Mystisches wie Hexen und Zauberer. Und sie beschäftigen sich mit dem Zusammenkommen in der „L’osti“, in der Osteria, im Dorfwirtshaus, wo man sich nach einer langen Arbeitswoche am Sonntag nach der Kirche zum geselligen Beisammensein trifft.

Die Künstlerinnen hatten ihr achtes Album mitgebracht, es heißt „Vives“. Das Wort kommt aus dem Ladinischen und hat mit Leben zu tun, man verwendet es in der Heimat von Ganes zum Anstoßen.

Im ersten Lied geht es um den Tanz am Samstagabend, bei dem die jungen Männer aus dem Dorf genau wissen, mit welchem schönen Mädchen sie tanzen wollen. Diese wissen das nicht und oft heiratet der Bursche dann auch eine andere.

Auch die Geister sind im Dorf nachts unterwegs, wie es im nächsten Lied heißt. Sie treffen sich am alten Friedhof und gehen später auch ins Wirtshaus. Zuvor aber grillen sie und jedes Mal landet eine Hexe auf dem Grill, so singt das Quartett in etwas gruseliger Manier. Nach dem Mahl werden die Knochen der verspeisten Hexe aufgestellt und sie wird zu neuem Leben erweckt.

Die Plastikschildkröte hat Ganes weiterhin im Gepäck, die „Tartaruga de plastica“. Sie steht für die Umweltverschmutzung durch Plastikabfälle – auf dem Land und im Meer und symbolisiert einen Protest dagegen.

„Mi legn“ ist eine Hymne an die Bäume, wie Natalie erzählt: „Die Bäume blühen und werden grün. Sie verbreiten gute Laune und ein Gefühl davon, dass es wieder aufwärtsgeht, auch in schweren Zeiten. Vielleicht habt ihr auch so einen Baum im Garten, unter dem ihr gerne sitzt.“

Mit einer ladinischen Hochzeit hat „La sonsela“ zu tun, laut Elisabeth ist der Star weder die Braut noch der Bräutigam, sondern „die Schwester des Bruders der Braut, also die Sonsela. Sie macht sich für den Abend hübsch und lässt es krachen, es wird ihr Abend“.

Eine Pause gibt es an diesem vergnüglichen Abend im Übrigen nicht, mit jedem weiteren Lied steigen die Stimmung und ebenso die Temperatur im Saal. Auch auf der neuen CD befindet sich wieder ein Jodler, der „Jodler da La Val“, beginnend mit einem Flötensolo von Marlene, bei dem man sich in die irischen Highlands versetzt fühlt. Dann wird gejodelt, was das Zeug hält.

Die ersten Sonnenstrahlen

„Aicia“ ist das langsamste Lied im Konzert, es bedeutet „Liebkosung“ oder „Streicheleinheit“ und beinhaltet die Zeit, in der nach langen dunklen Winternächten wieder die ersten Sonnenstrahlen daherkommen.

Zugaben gibt es drei an der Zahl, eine davon der italienische Partisanensong „Bella ciao“. Eine andere Zugabe war zum Mitsingen, im Refrain hieß es „Mo co pon pa ma“, was immer auch das bedeuten mag. Am Ende des Abends ging man gut gelaunt nach Hause und freute sich schon auf den nächsten Zwischenstopp von Ganes in Mühldorf.

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