Scharfzüngige Satire

von Redaktion

HG. Butzko mit geschliffenem Polit-Kabarett im Mühldorfer Haberkasten

Mühldorf – Premiere für HG. Butzko im Haberkasten: Der Kabarettist war erstmals mit einem Soloprogramm in Mühldorf zu Gast. Butzko will nicht nur spielen. So zumindest prophezeite es der Titel seines aktuellen Programms. Es war einerseits amüsant, stimmte andererseits aber auch nachdenklich, da seine Pointen fast ausnahmslos auf der politischen und gesellschaftlichen Realität fußen.

Zutreffende Klischees?

Der vielfach prämierte Kabarettist bedient sich auf den ersten Blick gewisser Klischees, um sein Publikum zu gewinnen. Doch die Hartnäckigkeit, mit der er auf so manchem Stereotyp beharrt, hat die Folge, dass man früher oder später darüber nachzudenken beginnt, ob er nicht tatsächlich treffend den Charakter unserer Zeit beschreibt.

Eine seiner markanten Bühneneigenschaften ist es, seine Sätze nicht gleich zu vollenden und so das Publikum zum Spekulieren über die Pointe zu animieren. Das funktionierte auch im Lauf des Abends immer besser. Aufgelöst wurde es dann meist doch noch ganz trocken mit einer nicht selten unerwarteten Wendung. Je länger er im Haberkasten auf der Bühne stand, desto besser harmonierte er auf diese Weise mit dem Publikum. „Er spricht meine Generation einfach an!“, schwärmte beispielsweise Monika Fesl in der Bühnenpause. Doch von der Präzision und Geschwindigkeit, der zumindest großteils ohne Skript vorgebrachten Zusammenhänge, dürfte sich auch so manch jüngerer Zeitgenosse eine Scheibe abschneiden.

Genau die sind aber nicht selten die Opfer von Butzkos Humor, wobei er zwischendurch immer wieder selbstkritisch herausstellt, dass es just seine Generation sei, welche „die Jungen“ erst in so eine prekäre Situation gebracht habe: mit dem „Sandra-Maischberger-Diplom von der Markus-Lanz-Akademie“ sei man nicht besser als in den sozialen Medien fortgebildet. Messerscharfe Pointen gab zu Hauf, wenn der Kabarettist beispielsweise mit zahlreichen Fakten klarstellte, dass Putin für das Aufhetzen der Menschen in der Ostukraine verantwortlich sei, nur um dann hinzuzufügen, dass er deswegen ironischerweise sogar froh gewesen sei, drei Jahre lang von Olaf Scholz regiert zu werden. Auch der neue Kanzler Friedrich Merz bekam sein Fett bei Butzko schon weg: Es sei eine echte Zeitenwende, dass Leute heutzutage keine Erfahrung mehr mitbringen müssten und alles im „learning by doing“ geschehe. Schließlich habe Friedrich Merz noch nicht einmal eine Provinzgeschäftsstelle von BlackRock geleitet.

Covid, politische Persönlichkeiten, die AfD, die Letzte Generation, die FDP, die Medien oder die Formel 1: Für fast alles und jeden hatte der gebürtige Dürener einen treffenden Kommentar im Gepäck, der auch einen Angriff auf die Zuschauer bedeutete: mitdenken erforderlich beim „Moralverkehr auf dem Gedankenstrich“.

Auch Revolutionäre werden älter

Ein Bonmot zog sich im Übrigen wie ein roter Faden durch den Abend, nämlich das vom 20-jährigen Revolutionär mit Herz, der mit 40 Jahren nicht in allen Fällen das Vorhandensein grauer Masse im Schädel belegen kann. Es wurde auch der 60- und gar der 80-Jährigen gedacht; aber wer es genauer wissen will, dem sei der Künstler, der immer mal wieder auch im südlichen Bayern zu sehen ist, wärmstens ans Herz gelegt. Vielleicht ja auch mal wieder in Mühldorf.

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