Wenn der Baum das Verkehrsschild frisst

von Redaktion

Vielfalt in Material, Technik und Inhalten kennzeichnet Ausstellung im Haberkasten

Mühldorf – Es ist auf jeden Fall eine sehenswerte Ausstellung, die derzeit im Haberkasten zu sehen ist: „Unter uns und über uns“ ist sie betitelt und bringt sechs Künstler gemeinsam unter das historische Dach. Sie zeigen Kunst, die berührt und die sich ergänzt, so gegensätzlich sie auch sein mag.

Die Vernissage bot den zahlreichen Gästen einen facettenreichen Einblick in die unterschiedlichen künstlerischen Positionen, Techniken und vielleicht auch Gedanken und Gefühle, von denen die Künstler angetrieben werden.

Ein Kunstwerk, so fragil wie die Erde

„Lokalmatadorin“ Gusti Markefka, eine der bekanntesten Glaskünstlerinnen Deutschlands und auch international anerkannt, beeindruckt mit filigranen Glasobjekten, die durch Licht und Farbe eine besondere Wirkung entfalten. Ihre Installation „Der Planet Erde“ ist etwas ganz Besonderes, denn die Künstlerin zeigt schon durch ihr Material, das sie der Erde sehr verbunden ist – Glas besteht aus Material wie Quarzsand, Soda, Pottasche und Kalk, all das ist in der Erde zu finden. Doch noch wichtiger ist ihr eine andere Gemeinsamkeit zwischen ihrer Kunst und der Erde: Beide sind fragil und damit immer in Gefahr, zu Bruch zu gehen. „Unser Planet muss mit Respekt behandelt werden“, fordert Gusti Markefka – und wenn man sich die Zeit nimmt, um sich in diesem räumlich und inhaltlich großen Werk zu versenken, dann kann, ja muss man ihr Recht geben.

Ihre Tochter Silke Markefka geht einen anderen künstlerischen Weg: Sie zeigt ausdrucksstarke Gemälde, die sich mit Erinnerung und Intimität auseinandersetzen. Es sind großformatige, kräftige Bilder. Mit einer Ausnahme kommt Acryl zum Einsatz. Man muss sich Zeit nehmen für die Werke, denn immer wieder entdeckt man Neues.

Ein echter „Hingucker“ sind die Bilder des Fotografen Nikolai Vogel, oder, um es anders auszudrücken: Man muss genau hinschauen, um sie erfassen zu können, denn Vogel arbeitet für diese Ausstellung mit einer Polaroid-Kamera, und da ist das Format nun einmal vorgegeben – es hilft nichts, man muss nahe heran an die Werke, die an den raumtragenden Säulen des Ausstellungssaales befestigt sind. Vogel hat den Blick für ein gutes Motiv. Da entdeckt er irgendwo ein altes Verkehrsschild, achtlos in einen Baumstamm genagelt. „Sackgasse“ ist darauf zu lesen, aber nicht mehr lange: denn der Baum hat begonnen, mit seinem Stamm um das Schild herum zu wachsen, er frisst es geradezu auf, in ein paar Jahrzehnten könnte er das Schild verdaut haben. Und auch die anderen Motive sind überraschend und vor allem einmalig, denn nach dem Druck auf den Auslöser kann nichts mehr verändert werden.

Anette und Walter Germscheid präsentieren keramische Arbeiten, die zwischen Abstraktion und figürlicher Darstellung pendeln. Walter Germscheids Plastiken laden ein, zumindest kurz einmal hinzufassen – manche wirken so organisch, als seien sie lebendig. Anette Germscheid ist mit maskenähnlichen Köpfen vertreten, die ein wenig aussehen wie Aliens oder Götzenbilder aus der Vorzeit. Es ist schwer, den Blick von ihnen abzuwenden.

Großformatige Holzskulpturen

Martina Kreitmeier aus Niederbayern zeigt großformatige Skulpturen aus Holz und Bronze, die durch ihre Präsenz und Formensprache beeindrucken. Kreitmeiers Werke aus Holz sind oft im öffentlichen Raum zu finden, da allerdings dominieren sie ihr Umfeld, mal abstrakt, mal konkret, aber immer interessant – das gilt auch für ihre Ausstellungsbeiträge im Haberkasten. Sechs Künstler, sechs Weltsichten, und alle sind es wert, gesehen zu werden, mit den Augen, aber auch mit dem Bauchgefühl, das sich fast schon zwangsweise einschaltet in dieser Ausstellung.

Bis 18. Mai

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