Salmanskirchen – „Ja, ja – omei, oimei“: Vom ersten Augenblick an hatte Helmut A. Binser mit seinem neuen Programm „Ha?“ das Publikum im ausverkauften Festzelt der Schützengesellschaft auf der Reise durch die Absurditäten seines Lebens und des alltäglichen Wahnsinns unter seine Fittiche genommen. Wohl sicher auch, weil Kabarettist Helmut A. Binser so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – also für das Ohr im wohlklingenden bayerischen Dialekt, vermischt mit oberpfälzischer Mundart.
Im Dauerbeschuss torpediert der Oberpfälzer das Zwerchfell der restlos begeisterten Gäste, die von ihm zu dauerhaften Lachanfällen getrieben wurden. In oberpfälzischer Mundart füllte er scharfzüngig nicht nur das Festzelt der Salmanskirchner, sondern auch die verschiedenen Themenbereiche.
Absurditäten
des Alltags
Natürlich war auch Salmanskirchen unter Beschuss. Voller Vorfreude auf das Innenleben im Salmanskirchner Schloss verbrachte Binser seine Wartezeit dann doch im Feuerwehrhaus. Auch dass Stammtische in so einem kleinen Dorf ein wichtiges Kulturgut sind: Wo sonst soll man die Neuigkeiten, die es gibt, erfahren? Thematisiert wurde auch der stehengelassene Schornstein der Molkerei und vieles mehr.
Außerdem berichtete Helmut A. Binser aus seinem Rundinger Leben, einem Landstrich des östlichen Freistaats. Egal ob er selbst, seine Freunde und Familie oder das gesamte Dorfgeschehen: In seiner Vita schwelgend startet er in der Kindheit, damals als Mitglied in einer kriminellen Vereinigung, in der Schülersprache „Bande“ und von den Lehrern „Malefiz-Tracken“ genannt. Zu dritt seien sie gewesen, Präsident Done (aus dem später „Three-Finger-Done“ wurde), dessen Vertreter Engelbert, wegen seiner schlechten Zähne auch „Stonehenge“ genannt, und er als Stellvertreter des Vize. Alle mit dem Ziel, Wasserbomben zu werfen.
Vor allem begeistert er auch ganz einfach mit seinen vielen kurzweiligen Alltagsgeschichten. Virtuos bedient er sich seines Dialekts, dabei braucht er seinen Körper nicht mal einzusetzen, um seinen Pointen Nachdruck zu verleihen. Die Sprache macht‘s. Nichts von großer globaler Politik oder Gesellschaftsproblemen, Binser entführt sein Publikum in die Absurditäten des eigenen Rundinger Alltags.
Kurzer Weg in die
Schwarzarbeit
Zum Beispiel mit dem gesellschaftlichen und ausschweifenden Stammtischleben beim Steidlwirt, dem durch die Umwandlung in ein Speiserestaurant mit veganen Bratwürsten ein wichtiger, für deren Gäste wirtschaftlich wichtiger Faktor wegzubrechen droht. Schließlich komme man durch die dort anwesenden Personen zu Schwarzarbeit. „Der eine hat Eternitplatten, die entsorgt werden müssen, ein Zweiter eine Wiese, die aus Umweltgründen nicht mehr gemäht werden darf und ein Dritter einen Bagger.“
Neben seinen abstrusen Erlebnissen sind es vor allem die Personen, denen er auf der Bühne sehr schräge Charaktere verleiht und die einfach unverzichtbar sind. Stets dabei ist immer Metzger „Bolzen-Berti“, Gorbatschow (wegen eines nicht mehr vermeidbaren Hiebs mit einer Schaufel so genannt), der Autohändler Wawrowitz und dem Steidlwirt-Paar Sepp und Liesl. Nicht fehlen dürfen der Jäger Willi und der die gelbe BVB-Zipfelmütze tragende Büscherl Franz.
Binser ist auch der Frage um die dörfliche Tradition des Maibaumaufstellens nachgegangen und hat dessen Ausführung skurril bis in Kleinste detailliert geschildert. Ein kurzweiliger Abend mit Dauergrinsen und Lachanfall-Attacken: Das Publikum unterstrich ihre Heiterkeit mir viel Applaus. Besonders, als der Oberpfälzer seine mit Gitarre oder Steirischen begleitenden Gesangskünste zum Besten gab. Mit urkomischen Liedern, eingeleitet durch einen Stimmungswitz, jagte er das Publikum an den oberen Rand des Stimmungsbarometers.
Service-Mo
fürs Dixi-Klo
Mit tiefer Stimme singt er im Country-Stil „Wenn ma ned dawischt werd‘, is ma‘s a ned g‘wen.“ Ein anderes Lied folgte für jemand mit einem „Scheißjob“. Im englisch-deutschen Kauderwelsch intonierte er mit „Service-Mo fürs Dixi-Klo“ seinen „Dixi-Driver-Blues“. Auf den Werkzeug-Song über die Makita folgte das „alkoholfreie Bier“. Bevor Helmut A. Binser in der frenetisch geforderten Zugabe in maschinengewehrartiger Geschwindigkeit den Zungenbrecher sang, über die vielen Orte, in denen er schon mal aufgetreten ist.
Es war ein Abend mit voller Breitseite auf die Lachmuskeln durch aneinanderreihende Pointenvolltreffer des Künstlers und ein Publikum, das ihn mit langanhaltendem Applaus von der Bühne in Salmanskirchen entließ.Rita Stettner