Schwindegg – Sechs Tage Feuerwehrfest zum Jubiläum von „150 Jahre Freiwillige Feuerwehr“ gingen mit dem Kabarettabend in die letzte Runde. Wie ein Magnet zog Martina Schwarzmann das Publikum an. Von nah und fern waren die Zuschauer gekommen und strömten ins Festzelt. 1600 waren geplant, zum Schluss waren es mit den Feuerwehrlern, die im Zelt arbeiteten, rund 1900 Leute, die das Zelt füllten. „I spui für alle“, verkündete sie in ihrem ersten Lied und setzte das in ihrem Programm „Martina Schwarzmann macht was sie will“, auch gleich in die Tat um.
Pointenfeuerwerk
bis der Saal kocht
Mit ihrem Humor – trocken und treffsicher – erfasst sie alle. Sie freut sich, „im gepflegten Bierzelt“ auftreten zu können, und erinnert sich an ähnliche Auftritte, etwa an Regen beim Trachtenfest. Sie schlüpft in verschiedene Rollen, etwa die vom Vorstand vom Trachtenverein, „I hol jetzt an Bagger und hau an Kanal durch.“ Der Schriftführer eilt hinterher und ruft: „Da brauch ma a Genehmigung.“ Der Vorstand drauf: „Da brauch ma nur an Bagga!“
Erzählung reiht sich an Erzählung, Pointe an Pointe, bis der Saal kocht. Alles lacht, pfeift, applaudiert. Der Charme ist, dass Martina Schwarzmann das alles gut kennt, scharf beobachtet und schwungvoll vorträgt. Das Saufen ab 9 Uhr morgens, den Umzug, bei dem alle dann versuchen, in einer Linie zu gehen. Aber auch den Urlaub, den das halbe Dorf nimmt, um mitzuhelfen. Ob Klimawandel oder Edeka-Umzug, sie ist stets aktuell und weiß, was die Leute bewegt. „Bei uns im Dorf ist Edeka ein sozialer Treffpunkt. Die harten Sachen werden nur bei Edeka gequatscht, zwischen Chips und Schnaps.“ Applaus – und sie hat wieder getroffen. Sie hat vier Kinder und kann leidvoll berichten von Klassenabschiedsfesten, gelangweilten Zugezogenen und nervigen Whatsapp-Gruppen. Das Publikum grölt. Zwischen die Geschichten setzt die Kabarettistin ihre Lieder. „Wenn da Mensch amoi ausstirbt“, in Moll beruhigt den Saal und stimmt nachdenklich. Alles ist so schön, ohne Menschen und Gott fragt sich: „Vielleicht war da Mensch doch a dumme Idee.“ Sie wendet sich gegen den Plastikmüll, der rumliegt und schildert sich selbst als „Ökoterrorist“. Ihr Spezl Karl bei Edeka jammert über die Hitze und „wenn das so weitergeht, werd ich mein Auto nimmer waschen dürfen“. „Des is a Angst, die ich noch nie ghabt hab“, sagt sie verdutzt und das Publikum lacht schallend.
Ihre Geschichten sind Knaller, aber sie gründen tief und hallen nach, ob Generationenkonflikt mit Papa und der bösen Schwiegermutter oder Beziehungen, die sie schlagfertig beendet. Er: „Tu was für deine Haxn, dass schee ausschaut.“ Sie: „Die Haxn hab i zum Geh und dann bin i ganga.“ Martina Schwarzmann ist nicht umsonst ein Garant für Stimmung und gute Laune und aus der Kabarettwelt nicht mehr wegzudenken.
Im Laufe der Jahre
wird sie immer besser
Humorvoll nimmt sie Stellung zu Zeitthemen. Vater: „Wenn i Indianer und Eskimo nimmer sagn darf und i triff’s?“ „Papa, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit?“ Mit Wortwitz spricht sie über ihre Kinder, die sie lustig findet, wenn die Kleine von einem Lied erzählt, „und draußen vor der großen Stadt stehen die Minuten sich die Füße platt“.
Es ist ein kurzweiliges Programm mit Martina Schwarzmann. Sie kann über sich selber lachen und hinter der burschikosen Fassade schlägt ein warmes Herz. Vor allem aber wird sie eines im Laufe der Jahre – immer besser, wie ein guter Wein.