„Mühldorf, deine Deiche, deine Strände, dein Nachtleben“

von Redaktion

Kabarettist Tobias Mann widmet sich im Haberkasten höchst amüsant den Fragen nach Fälschung und Realität

Mühldorf – Gut besucht war der Haberkasten beim Auftritt des Kabarettisten, Sängers und Musikers Tobias Mann. Insidern war der Mann aus Rheinhessen kein Unbekannter, war er doch erst vor Kurzem als einer von drei Akteuren bei Michael Altingers „Brettlboden“ aufgetreten.

Nun war er mit seinem knapp zweieinhalbstündigen Programm „Real/Fake“ erneut zu Gast. Musikalisch startete der Abend mit dem Queen-Song „Bohemian Rhapsody“, der mit der Zeile „Is this the real life?“ beginnt und mit „Dreams are my reality“ von Richard Sanderson – was schon mal das Thema festzurrte. Dann legte der Künstler mit aktuellen Themen richtig los.

Es ging zum Beispiel um Künstliche Intelligenz. „Ist die hier bekannt?“, wollte Mann wissen: „Manche haben schon Probleme mit der natürlichen Intelligenz. Die KI löst alle Probleme des Menschen. Was aber, wenn die KI entdeckt, dass der Mensch das Problem ist?“

Donald Trump bot selbstverständlich eine willkommene Zielscheibe: „Der macht so viel Unsinn. Benennt den Golf von Mexiko in ‚Golf von Amerika‘ um und lässt sich von den Saudis ein Luxusflugzeug schenken. Der wirkt auf mich wie Onkel Jürgen, der bei einer Familienfeier nach dem dritten Grappa auf dem Tisch tanzt – nackt.“

Trump umgebe sich mit Dilettanten: Seine Bildungsministerin organisierte früher Wrestling-Veranstaltungen. Und die „Tech-Bros“ – Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg – stünden hinter Donald Trump – mit Grubenlampen auf dem Kopf, um in seinen Enddarm zu steigen. Dort sei viel los.

Zu den Mars-Besiedelungsplänen von Elon Musk meinte der Kabarettist: „Ein toller Plan. Auf dem Mars gibt es weder Sauerstoff noch Wasser. Aber wohl bald Ladesäulen. Wie wäre es, wenn Trump und Musk schon einmal losgehen?“

Auch die Wahl des neuen Papstes Leo XIV. hat Tobias Mann verfolgt: „Plötzlich schwebte weißer Rauch über dem Petersplatz. Auf dem Balkon wurde der Vorhang zurückgezogen und ich hatte schon Angst, dass er jetzt hervortritt – Markus Söder als Papst Bic Mac I.“

Auch über die neue Regierung wusste der Künstler bestens Bescheid: „Beim Koalitionsvertrag fühlt man sich stark an die AGBs von Microsoft erinnert, weniger an Sebastian Fitzek. Am Schluss steht ganz klein: ‚Er kann Spuren von SPD enthalten‘.“

Der Verkehrsminister Patrick Schnieder komme aus der Eifel – dort gebe es keinen Verkehr. „Dorothee Bär organisiert jetzt Söderchens Mondfahrt. Und in Landwirtschaftsministerium sorgt jetzt ein Metzger für frisches Blut. Das ist gut für den blutleeren Kanzler Friedrich Merz. Julia Klöckner ist die neue Präsidentin des Bundestags – das zweithöchste Amt im Land. Das ist so, als wenn Dieter Bohlen die Berliner Philharmoniker dirigieren würde.“

Zwischendurch griff Tobias Mann, der sich selbst auch als „links-grün Versiffter“ tituliert, auch mal zur Klampfe. Für „Ich bin einfach zu nett für diese Welt“ verwendete er die schwarz-weiße Gitarre: Sinngemäß möchte er böse Dinge tun, bei Rot über die Ampel gehen oder jemand in den Kaffee pinkeln, was bei Starbucks schlecht rüberkomme. Kurz gesagt: Er möchte die Stradivari unter den Arschgeigen sein. Mit dem Rap „Alles muss binär sein“ ging es in die Pause.

„Danke, dass Sie dageblieben sind“, so wurde der zweite Teil eröffnet. Es folgte ein lustiges Lied, das Tobias Mann auf der rot-weißen Gitarre spielte: „Du bist ein fleischgewordener Podcast“.

Das Programm ging über zu rheinhessischen Speisegewohnheiten: „Vegan“ nehme darin keine dominierende Rolle ein. Auf dem Volksfest gebe es neben Currywurst auch den beliebten Nierenspieß: „Man stelle sich das vor – man isst ein Organ, das für die Reinigung des Körpers zuständig ist“, so Tobias Mann. Der kann auch Hubert Aiwanger imitieren – so gut, dass wirklich keiner versteht, was er meint. Aus dem richtigen Leben gegriffen halt.

Tobias Mann erstellte mit Chat GPT, in dem er die vier Begriffe „Nierenspieß“, „Hexe“, „Söder“ und „Vampir“ vorgab, ein einminütiges Comedyprogramm und spielte es dem Publikum vor, ebenso wie eine tagesaktuelle Mühldorf-Hymne: „Mühldorf, meine Liebe, du hast mich fasziniert, deine Deiche, deine Strände, dein Nachtleben pulsiert. Und dein Glück ist – dass du nicht Töging bist.“ Es stimmte fast alles mit der Hymne. Und die Botschaft von Tobias Mann durfte selbstredend nicht fehlen: „Wir brauchen mehr Liebe in einer Welt voller Hass!“

Als Zugabe gab es ein Lied, Tobias Mann spielte auf dem Flügel: „Warum muss jedes Werkzeug einen Motor haben?“, eine Art Song für Heimwerker. Es heißt darin: „Satan kam auf die Welt, um die Menschheit wegzuraffen – darum hat er den Laubbläser erschaffen.“

Und der Abend näherte sich dem Ende, Tobias Mann zitierte den deutschen Künstler Jonathan Meese: „Ein Kunstwerk ist erst fertig, wen es der Künstler ertragen kann“. Schlusssatz des Künstlers: „Ich konnte den Abend wegen Ihnen ertragen.“

Der Abend war sehr gelungen – unterhaltsam, lustig, intelligent, ein Feuerwerk von Pointen prasselte auf das Publikum ein. Man darf sich auf ein baldiges Wiedersehen freuen. Hans Rath

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