Argentinischer Tango trifft europäische Kammermusik

von Redaktion

Facundo Barreyra und sein Ensemble entführen das Publikum im Mühldorfer Kulturschupp’n nach Buenos Aires

Mühldorf – Zum zweiten Mal trat Facundo Barreyra mit seinem Ensemble im Mühldorfer Kulturschupp’n auf: „Ich bin zum zweiten Mal hier, ich bin zu Hause“, begrüßte Barreyra das Publikum.

Die fünf Musiker auf der Bühne harmonierten perfekt. Regine Nosske und Martin Franke an den Violinen, Facundo Barreyra auf dem wohl typischsten Tangoinstrument, dem Bandoneon, einer Art Ziehharmonika, Christopher Zack auf der Bratsche und Elizabeta Crnojevic bildeten das wundervolle Quintett.

Facundo Hernán Barreyra lehrt an der städtischen Musikschule Schlagzeug und ist auch bei der Sommerakademie der Lehranstalt vertreten. An diesem Abend verband Barreyra argentinische Tangomusik mit argentinischer Volksmusik und traditioneller europäischer Musik, so wie sie Streichquartette spielen. In seiner Geburtsstadt Buenos Aires hatte er bei einem Orchesterbesuch die Idee, Tango für Streicher und Bandoneon neu zu arrangieren. Daraus ist eine spannende Mischung aus Leidenschaft, purer Lebensfreude und tiefsinniger Wehmut entstanden. Mehr als 20 Kompositionen waren zu hören – Tangos, Walzer und Milongas.

Letzteres hat in Südamerika mehrere Bedeutungen – es sind damit eine Tanzveranstaltung, der Tanz selbst und die Musik zu dieser Tanzveranstaltung gemeint. Eine im Programm gespielte Milonga trug den Titel „Nocturne“.

Die Creme de la creme der südamerikanischen Tangokomponisten war bei dem Abend im Kulturschupp’n vertreten, allen voran Astor Piazzola, aber auch Lucio Demare oder Julian Plaza.

Die Truppe hatte sichtlich Spaß beim gemeinschaftlichen Musizieren: Die Musiker lächelten sich an, freuten sich und feuerten sich gelegentlich gegenseitig an.

Facundo Barreyra erzählte zwischen den einzelnen Stücken kleine Geschichten. Ein Stück hat er für seinen ukrainischen Freund Vladimir komponiert. Sie kommunizieren via Internet. Eines Tages teilte Vladimir seinem Freund Facundo mit, dass die Tango-Gemeinde in seiner Stadt eine Milonga plane. „Ist das nicht gefährlich?“, fragte Barreyra. Die Antwort: „Doch, aber ohne Tango sind wir schon tot.“

Auch für seine Frau Lisa hatte er ein Stück im Repertoire, dazu sang er auf Spanisch, man hört „corazon“, „amor“ oder“ te quero“, also „Herz“, „Liebe“ oder „ich liebe dich“. Ein Lied hat Facundo komponiert, als in Argentinien ein Held starb: Diego Armando Maradona, einer der besten Fußballspieler der Welt – eine sehr traurige Melodie.

Zum Schluss gab es als Zugabe nochmal ein Stück für Facundos Gattin: Da sie aus Köln kommt, heißt es „Die rheinische Milonga“. So endete nach zwei Stunden ein bezaubernder Abend, bei dem man sich durchaus vorstellten konnte, einen Abend in Buenos Aires und nicht in Mühldorf zugebracht zu haben.Hans Rath

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