„Glasperlenspiel“ bringt Mühldorf zum Tanzen

von Redaktion

Konzertabend im Innenhof des Haberkasten mit Hits, Botschaft und Luft nach oben

Mühldorf – „Glasperlenspiel“ – das ist das Duo aus Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg, das vor zehn Jahren mit dem Riesenhit „Geiles Leben“ durchgestartet war. Nun kamen die beiden anlässlich ihrer „Sommer Show“ zum Mühldorfer Sommerfestival auf die Freilichtbühne im Haberkasten-Innenhof. Die Zwei – seit 2006 ein Paar und mittlerweile auch verheiratet – kommen aus Stockach im südlichen Baden-Württemberg und benannten sich nach einem Roman von Hermann Hesse.

Bevor die beiden richtig loslegten, gab es als „Support“ Jacob Elias. Früher hieß so etwas im Übrigen „Vorgruppe“. Mit einem Schlagzeuger an der Seite sollte er das Publikum in Stimmung bringen. Er selbst spielte auf dem Keyboard und sang. Gerade hat er sein erstes Album „Wachstumsschmerzen“ herausgebracht. Seine wiederholten Fragen, ob es den meist jungen weiblichen Fans denn gut gehe, wurden lautstark bejaht. Die Einladung ans Mühldorfer Publikum zu seinem ersten Konzert wird wohl wenig Interesse nach sich ziehen – das findet in Hamburg statt. Aber ein gewisses sängerisches Potenzial ließ Jacob doch bereits erkennen.

Der Besuch dieses Gastspiels hatte durchaus Luft nach oben. Es waren nur geschätzte 250 Gäste gekommen. Bei Christina Stürmer zwei Tage zuvor waren es in etwa 1000 Fans gewesen.

Kurz nach 20 Uhr beendete Jacob Elias seinen Auftritt. Die beiden Stars des Abends ließen ihr geschätztes Publikum dann bis 20.35 Uhr warten, ehe sie endlich die Bühne betraten. Solche künstlichen Pausen sind überflüssig, vor allem mit dem Wissen im Hinterkopf, dass das Konzert aus Gründen des Lärmschutzes um 22 Uhr zu enden hat.

„Ich will, dass wir Spaß haben, dass Ihr richtig abgeht. Tanzt – dance like nobody’s watching, als ob niemand zuschaut. Macht Ausdruckstanz oder mit den Armen die Windmühle.“ So eröffnete Carolin Niemczyk den Abend. Sie sang die meisten Lieder, jedoch meist von Daniel unterstützt, der im Hintergrund für den Sound sorgte. „Nie vergessen“ und „Ich bin ich“ sind ältere Songs.

Aus der neuen CD „Licht und Schatten“ waren natürlich auch Lieder am Start, zum Beispiel „Royals and Kings“. Da geht es um die Freiheit der beiden, sie brauchen keinen Roll’s Royce und kein Schloss, sondern nur sich selbst. Oder „Nächte ohne Fotos“: Wilde Nächte, die man mit Surfen auf dem Einkaufswagen und Liegen auf dem Autodach durchfeiert, um den Sternen ein bisschen näher zu sein.

Daniel fordert das Publikum auf: „Wir wollen in die Zeitung kommen und euch alle springen sehen. Wir wollen in der Zeitung lesen, dass wir in Mühldorf ein Erdbeben ausgelöst haben. Wir zünden jetzt die Eskalationsstufe 1“. Es folgen immer wieder Sequenzen ohne Gesang, nur mit Discomusik und Lichtshow.

Eine Botschaft haben die beiden auch im Gepäck: „Die Welt braucht gerade jetzt mehr Liebe und Respekt.“ Die ist wohl der Bezug zur momentanen Weltlage. Culcha Candela ist eine bekannte Band aus Berlin, die Hip-Hop, Reggae und Rap im Programm hat. Zusammen mit dieser Gruppierung hat „Glasperlenspiel“ „Wir schaffen das“ aufgenommen, ein positiver Song nach dem Motto „Alles wird gut, wir stoßen an aufs Leben“.

Mittendrin ist Carolin dann eine Viertelstunde verschwunden. Gönnt sie sich eine Pause? Daniel allein spielt auf seinem Synthesizer harte Beats und schleudert grelle Lichtblitze ins Publikum, das mittlerweile tanzt und klatscht. Das ist die angekündigte „Eskalationsstufe 2“. Gegen 21.45 Uhr gibt es den letzten Song des Konzerts, „Echt“, einen sehr bekannten Titel. Dazu wird eine La-Ola-Welle ausgelöst. Als einzige Zugabe wird zehn Minuten lang der wohl bekannteste Erfolg des Duos gespielt: „Geiles Leben“. Pünktlich um 22 Uhr ist das Konzert beendet, das man dann doch wohl etwas nachdenklich verlässt. Etwas mehr hätte man sich doch erwartet – mehr Lieder und weniger Pausen zum Beispiel.Hans rath

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