Mühldorf – Die Gruppe „Dreiviertelblut“ ist in Mühldorf keine unbekannte Formation, ist sie schon des Öfteren in der Innstadt aufgetreten. Sebastian Horn, den charismatischen Sänger der Band, kennt man von den „Bananafishbones“. Auch Gerd Baumann ist sehr populär, schrieb er doch zum Beispiel die Filmmusik für „Wer früher stirbt, ist eher tot“, den Kinoerfolg von Markus H. Rosenmüller. Er singt und spielt die Gitarre. Dominik Glöbl beherrscht seine Trompete und ebenso das Flügelhorn. Flurin Mück heißt der Schlagzeuger, Luke Cyrus Goetze musiziert auf Steel-Gitarre und normaler Gitarre. Benny Schäfer bedient den Kontrabass, die reguläre Klarinette und die Bassklarinette verantwortet Florian Riedl.
Neue Songs
mit im Gepäck
Kürzlich ist „Prost Ewigkeit“ erschienen, das fünfte Album der Gruppe. Dieses beinhaltet zwölf brandneue Titel, davon spielte die Formation in Mühldorf acht Lieder.
Ohne Vorgruppe und ohne lange Mätzchen legte die Band fulminant los und hatte sofort die Besucher im ausverkauften Innenhof des Haberkastens überzeugt: Heute gibt es „geiles Leben“ pur. „Nichts außer Licht“ – ein Liebeslied stand am Anfang, da heißt es: „Du bist der Himmel voller Lichter, die Discokugel in meinem Gesicht, du bist alles, was mir fehlt in meiner Geschicht.“
Älter ist „Wos übrig bleibt“, ein Song über Farben. Sebastian Horn wurde wurde dazu durch die Frage eines seiner fünf Kinder inspiriert, die lautete: „Warum ist das Gras grün?“. Er referierte dann über Chlorophyll (ist grün, weil darin die Chloroplasten sind). Den Rest verstanden nur anwesende Biochemiker. Auch neu ist „Palmkatzerl“. Dazu verriet der Frontmann der Gruppe einen Liebeszauber: „Stecke drei Palmkatzerl in die Tasche der Person, die du liebst, der dadurch entstehende Liebeszauber wird nie wieder gebrochen. Aber Vorsicht, ich habe es ausprobiert!“
Es gab auch ernstere Momente im Konzert, dafür stand das Lied „Woana“, ein Lied über den Tod. „Heute musst du sterben, heute ist es vorbei“ heißt es da. Auch darauf brachten Sebastian Horn zwei seiner Kinder, die Zwillinge Gustav und Mathilda. Er erzählt: „Gustav hatte als kleines Kind immer eine fürchterliche Mittelohrentzündung. Also schnitten wir eine Zwiebel durch, drückten sie ihm aufs Ohr, Skimütze auf, Schal drüber. Mein Gott, hat der gestunken und geschwitzt. Mathildas Kommentar: ‚Gustav, wenn du stirbst, dann bist du wieder ganz gesund.“
Der Trick mit
dem Zündkabel
Mit dem „Liedeslied“ geht es weiter, hier bewies Dominik Glöbl sein Können mit einem wunderbaren Trompetensolo. Eine Überleitung zum „Dackelmo“ ist die Geschichte vom Zündkerzensteckerkabel-Nackel-Trick: Zunächst zum Trick. Sebastian Horn erzählte, dass er als Jugendlicher Folgendes gemacht habe, wenn er das Herz eines schönen Mädchens erobern wollte und diese mit dem Mofa ins Freibad gefahren sei. Dann habe er das Zündkerzensteckerkabel gelockert und angeboten, die junge Maid heimzufahren. Meist habe es für eine Rendezvous mit dem hilfsbereiten Retter gereicht.
So funktionierte es auch bei dem etwas skurrilen Lied vom „Dackelmo“: „Jeden Tag geht der Dackelmo am Laden der dicken Oma mit dem grünen Mofa vorbei – wirklich jeden Tag. Einmal will er den oben erklärten Trick anwenden, wobei ihn die dicke Oma ertappt. Jetzt stehen jeden Tag zwei Paar Schuhe im Flur und unter der Bettdecke schauen 20 kalte Zehen heraus. Die beiden haben sich ineinander verliebt.“
Nach einer Pause wurde der Abend mit „Irgendwann“, einem Lied über Gerüchte fortgesetzt – irgendwann hat irgendwer irgendwo irgendetwas gemacht. Gerd Baumann meldete sich anschließend zu Wort: „Wastl wurde in der Pause auf seinen schönen Pullover mit der Katze angesprochen.“ Sofort ertönte aus dem Publikum der Ruf „Ausziehen“, was Sebastian Horn mit seinem Pulli auch tat. Und was trug er darunter? Ein T-Shirt mit einem Kätzchen. Es folgt „Auf’m Mond“ – mit Countdown und Raketenstart wie in Houston bei der NASA. Nun folgten, wie von Gerd Baumann avisiert, nur noch Liebeslieder, denn: „Wir sind alt und milde geworden“, meint Baumann dazu. „Frei“ und „Immer weida“ seien hier genannt.
Immer wieder gab es auch Solo-Einlagen einzelner Künstler, neben Dominik Glöbl auf der Trompete zeigen auch Florian Riedl auf dem Bass-Saxofon und Schlagzeuger Flurin Mück ihre hohe Kunst.
Der „Deifedanz“ stand am Ende eines begeisternden und unterhaltsamen Programms: „Wenn du mit dem Teufel tanzt, dann brauchst du gute Schuhe.“
Obwohl mit 22 Uhr das gesetzte Zeitlimit erreicht war, gab es abschließend noch zwei wundervolle Zugaben: „Gemma hoam“, was verneint wird, man trinkt lieber noch ein Getränk, weil morgen schon alles vorbei sein kann. Und die guten alten „Hollerkiacherl“ werden ganz zum Schluss serviert. Sebastian Horn abschließend: „Ich weiß nicht, wie oft wir da waren in dem wunderschönen Haberkasten. Jedes Mal sind wir glücklich nachhause gefahren – ich hoffe, ihr jetzt auch.“
Tiefgründig
und skurril
Mühldorfs Kulturreferentin Claudia Hungerhuber, die unter den Konzertbesuchern war, zeigte sich begeistert: „Das Konzert von Dreiviertelblut war wieder einmal ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Musik mitreißend und experimentierfreudig. Die Texte tiefgründig und zum Teil gewohnt skurril. Ein Abend voller Atmosphäre und besonderer Momente.“
Dem bleibt nur wenig hinzuzufügen – das Konzert von Dreiviertelblut war ein tolles Erlebnis.