Mühldorf – Wieder einmal war Jürgen Kierner mit seinen „Brettlspitzen“ nach Mühldorf gekommen, dieses Mal anlässlich des Sommerfestivals. Alte Bekannte hatte er dabei: die bezaubernde Marion Schieder, den „einzigartigen“ Roland Hefter, SPD-Stadtrat aus München, Tom und Basti, „2 Granitfelsen“ aus dem Bayerischen Wald, also echte „Woidler“, sowie die Couplet AG. Letztere besteht aus Frontfrau Bianca Bachmann (geboren in Mühldorf, aufgewachsen in Waldkraiburg), Jürgen Kierner selbst und den beiden Musikern Bernhard Gruber (Ziach) und Bernhard Filser (Gitarre).
In seiner Begrüßung äußerte sich Jürgen Kierner wie folgt: „Die Zeiten sind hart und trumpisch. Darum braucht es die Brettlspitzen (…). Unser Erfolgsrezept ist eine Mischung aus Wirtshausliedern, Satire, Couplets und Sketchen.“
Skurriles Lied über
Fahrt nach Mühldorf
Das erste Lied kündigen Tom und Basti an. Und da heißt es: „Gebürstelt, geschneuzt und gewaschen und drei Kreuzer in der Taschen“: Dann geht die Fahrt zum Auftritt los, kurz darauf folgen eine Alkoholkontrolle, ein Reifenplatzer und Probleme mit dem Navi („Willkommen in Berlin!“). Dennoch haben die beiden es rechtzeitig nach Mühldorf geschafft.
Und sie präsentieren die beste Lösung, um einen runden Geburtstag zu feiern: die Garage, wenn es im Wirtshaus zu teuer ist und zu Hause zu viel Arbeit macht. So kann man den 60. Ehrentag von Onkel Egon feiern, doch dann eskaliert das Geschehen, bis die Polizei das Fest wegen überhöhter Lautstärke beendet.
Marion Schieder kommt aus der Oberpfalz – unüberhörbar – und freut sich, dass sie in Oberbayern auf die Bühne gelassen wird. Mit Kennerblick sagt sie über die Pärchen im Publikum: „Sie wollte her, er musste mit.“
„So schön wie du“ ist ihr erstes Lied: Ihr Mann singt es, wenn er frühmorgens selig, das heißt betrunken, schräg an der Schlafzimmertür lehnend, von seinen Kegelknaben zurückkehrt. Auch „Ludwig, lass das Wackeln mit den Ohren“ gibt sie gekonnt wieder. Ludwig ist der Mann von Lilo und er hat keine Fehler: immer fleißig, niemals geizig, er spielt nicht, raucht nicht, trinkt nicht und schielt auch nicht zu anderen Frauen hin. Sein einziges Manko: Er wackelt mit den Ohren und kann es einfach nicht abstellen.
Roland Hefter startet mit „As Leben is eh scho schwer – und jetzt kommst du daher“ über allerhand missliche Situationen im Leben: Die Mama stört ihn bei seinem allerersten Rendezvous. Auf dem Oktoberfest muss er bieseln, die Toilette ist überfüllt. So muss er illegal urinieren, bis die Polizei kommt. Er aber hätte noch drei Mass zum Bieseln intus gehabt. Und er hat auch die „Genderpolizei“ dabei, die ihn wegen „grober Sprachfahrlässigkeit“ verhaftet. Hefter: „Damit hatte ich vor zwei Jahren Ärger, ich wurde als Nazi beschimpft – ich!“ Eine wichtige Erkenntnis aus dem Lied: „Das Getränk ‚Russ(en)‘ gibt es nicht mehr, das heißt jetzt Weizen-Limonaden-Europäer(innen)-Mix.
Die Couplet AG startet mit etwas Deftigem: „Haben Sie heute schon geschnackselt und sich damit auch hormonell befreit?“ Diese Frage wird einem Rassisten gestellt, der in der U-Bahn Schwarzafrikaner beschimpft, einem Drängler an der Supermarktkasse und einer rechten Bundestagspartei, die lieber schnackseln sollte als völkische Parolen zu verbreiten. Mit einem weiteren Couplet geht es nach Wien, wo es ja an jeder Ecke einen Würstelstand gibt: „Mir san nur klaane Würstel.“
Ein großes Plus bei den „Brettlspitzen“ ist es, dass die einzelnen Mitwirkenden immer wieder abwechselnd auf die Bühne kommen. So geht es bei Tom und Basti mit „Der alte Woidler und sein Gspusi“ weiter. Es ist das älteste Lied, das sie kennen – so alt, dass Basti ohne seine Ziach auftritt, die war damals noch gar nicht erfunden. In diesem Lied ist alles alt, jedes Substantiv ist mit dem Adjektiv „alt“ versehen. Im „Gärtnerstolz“ ist Tom unter die Gärtner gegangen. Nachdem er Basti zum Gartenzwerg degradiert hat („mit Schaufel, mit Laterne oder mit einer Angel“), bekommt er vom ganzen Dorf Spenden für seinen Garten: „Der Willi hat an Chili, die Christine eine Aubergine. Der Kajetan bringt Majoran und die Valerie den Sellerie.“
„Es gibt ein Leben
vor dem Tod“
Roland Hefter setzt mit einem Klassiker fort: „So lang‘s no geht, so lang geht es weiter, werden wir nicht gescheiter“, heißt es da. Beispiel gefällig? Am Marienplatz spricht ihn eine ältere Frau an, die er als Mama seiner Jugendfreundin Susi identifiziert. Leider ist es jedoch die Susi selbst, wie sich herausstellt. In „I dad’s macha“ wird appelliert, immer etwas zu machen. War es nicht erfolgreich, hatte man wenigstens Spaß dabei: zum Beispiel dem Chef die Meinung sagen, einen Kaffee im Hotel Sacher in Wien trinken oder mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug springen. Irgendwann ist ja alles vorbei. Das wichtige Fazit: Es gibt ein Leben vor dem Tod.
Die Couplet AG nimmt mit dem Lied „Unser Nachbarsbua heißt Uhu Pattex Schmidt. Er durfte schon als Sperma zum Klimakleben mit“ die Klimakleber auf den Arm. Und die „Bofrost-Kinder“ haben alle denselben Vater, den Bofrost-Mann: „Der bringt Tiefkühlpizza und Sardellen, manchmal aber auch Samenzellen.“
Am Ende des Programms kommt traditionell das Lied „Oh wie herrlich ist das Leben“ (von Bernhard Gruber komponiert), bei dem alle Künstler noch einmal auf die Bühne kommen. Die Zuschauer singen beim Refrain mit: „Oh wie herrlich ist das Leben, oh wie schön ist diese Welt. Wir verkaufen die Schwiegermutter und versaufen ihr Geld.“ Ein gelungener Abend mit bester komödiantischer Unterhaltung geht zu Ende. Wer noch nicht genug hat – die „Brettlspitzen“ kommen am 26. Januar 2026 mit ihrem Jubiläumsprogramm in den Haberkasten.