Mühldorf – Es gibt so Abende, die kann man getrost als „magisch“ bezeichnen. Der Abend mit Werner Schmidbauer und Martin Kälberer im Innenhof des Haberkastens war so einer: unterhaltsam, einfühlsam, humorvoll und mit einer großen Portion musikalischer Lebensfreude. So unterhielt das kongeniale Duo seine Zuhörer. Beim 26. Sommerfestival hatte das Format „Schmidbauer und Kälberer laden ein“ erneut seinen festen Platz; und die Fans sorgten durch Mitsingen, Mitklatschen und Mitfreuen für einen gelungenen Abend.
„Die Lösung heißt
bestimmt nicht Hass“
Schließlich hatte man den Eindruck, dass viele Besucher dem Singer-Songwriter-Duo schon seit Jahrzehnten folgen und beide – das Publikum und das Duo – über die Jahre zwar grau geworden sind, dabei aber ihre Träume und Wertvorstellungen nicht aus den Augen verloren haben.
So sprach Werner Schmidbauer offensichtlich vielen Zuhörern aus dem Herzen, als er meinte, „wir wollen an diesem Abend die ganze Spalterei da draußen vergessen“. Das war beim Titelsong seines aktuellen Albums „Mia san oans“, wo er versucht, Mut zu machen und greifbar zu machen, dass wir alle verbunden sind und es nur gemeinsam schaffen können, die Probleme dieser Welt zu lösen, denn „die Lösung heißt bestimmt nicht Hass“.
Schmidbauer und Kälberer spielten sich mit ein paar ihrer bekannten Lieder erst einmal warm. Darunter auch die Abwandlung des Sting-Klassikers „Fields of gold“ („De Felder hinter Oabling“) oder Martin Kälberers Ausflug ins Instrumentale, wenn er mit seiner „Hang“ die Zuhörer verzaubert. Doch dann stürzen sich die beiden praktisch in einen Generationenkonflikt: Sie haben sich als Gast diesmal Ami Warning eingeladen. Die 29-jährige deutsche Singer-Songwriterin ist die Tochter des Münchner Musikers Wally Warning, mit dem Schmidbauer und Kälberer vor sieben Jahren zusammen gespielt haben. Die 29-Jährige brachte eine Mischung aus Pop, Soul und Reggae auf die Bühne, und sie spielte sich musikalisch mit Schmidbauer die Bälle zu – ganz egal, ob es ein Lied aus der Feder von Schmidbauer oder Ami Warning war. Dabei wurde schnell klar, dass die junge Frau bestens der Bühnenpräsenz von Schmidbauer Paroli bieten konnte.
Im Verlauf des Konzertes verriet sie auch, dass sie Henning May, der Sänger der Kölner Rockband „AnnenMayKantereit“ inspiriert hatte, Texte auf Deutsch zu singen. Zu Beginn ihrer Karriere hatte Ami Warning noch englisch gesungen.
Auch wenn Werner Schmidbauer augenzwinkernd verrät, dass sie lediglich ein paar Mal miteinander geübt haben, harmoniert das Trio ziemlich gut; und kleinere Unsauberkeiten überspielen sie charmant, was ihren Auftritt so sympathisch und menschlich macht.
Überraschung mit
Vater Wally Warning
Zum Ende des Konzertes setzt das Trio sogar noch einen drauf: Wally Warning, der Vater von Ami Warning, betrat, begleitet von großem Applaus, die Bühne und aus dem Trio wurde ein wunderbar harmonisches Quartett, das unter anderem Nelson Mandela huldigte. „Er war einer der Letzten, der auch das getan hat, was er vorher sagte. Das war noch ein Guter“, beschrieb ihn Schmidbauer. Und Wally Warning setzte noch einen drauf, als er sang: „No discrimination in this world“. Er weiß sicher, von was er da sang.