Musikalische Botschaft vom Frieden

von Redaktion

Klarinettist Giora Feidman zu Gast in Waldkraiburgs Haus der Kultur

Waldkraiburg – Wie von ihm gewohnt, kommt er durch eine Hintertür Klarinette spielend auf die Bühne, zwar etwas gestützt von seinen Begleitern, jedoch hellwach und ins Publikum grüßend: der 89-jährige Giora Feidman, weltbekannter Klarinettist und Weltverbesserer. Anfang Januar 2026 tritt er in der Hamburger Elbphilharmonie auf, „und dazwischen meist sechs Konzerte in der Woche, und jetz bei eich und is schee, I tell you“, ergänzt er in seinem unverwechselbaren jiddisch-deutschen-englischen Sprachenmix.

Neues Album „Revolution of Love“

Die Musikstücke an diesem Abend stammen alle aus seinem jüngsten Album „Revolution of Love“, komponiert von Majid Montazer. Schon bevor sich der Meister setzt, intoniert er zusammen mit seinem einfühlsamen Klavierbegleiter Vytis Sakuras „Hevenu shalom alechem“, seine Friedensbekräftigung, die auch sofort von vielen im Saal angenommen wird, und man stimmt gemeinsam an: „Wir wollen Frieden für alle!“

Mit dieser Botschaft geht Feidman gerade auch in der heutigen Zeit keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. So reiben ihn die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern in seinem Land regelrecht auf: „Das sind doch Leute wie du und ich!“

Nach einer typischen etwas melancholischen Klezmer-Melodie, dieser jiddischen Soul-Variante, folgt aus dem neuen Album ein friedlich stimmendes Stück, teils stakkatoartig, teils mit fließenden Läufen und langgezogenen Schlusstönen. Dann der „Sound of soul“, ähnlich stark, begleitet vom sich immer wieder zurücknehmenden Klavier. Dazwischen erfährt man von Feidman, dass er in Argentinien geboren ist, wohin seine Eltern schon 1905 wegen eines Pogroms ausgewandert waren.

Er kehrte 1956 ins neu gegründete Israel zurück und obwohl ihm die brutale Vergangenheit der NS-Zeit bekannt war, wuchs ihm ausgerechnet Deutschland ans Herz: „Fast ein Wunder, dass Deutsche und Juden zu einer Familie zusammengewachsen sind. Sie und ich sind doch nicht am Desaster der Vergangenheit beteiligt. Warum sollten wir dafür büßen?“ und er zeigt stolz seinen 2024 erworbenen deutschen Pass.

Anklänge an seine argentinische Heimat kommen auf, als er mit „Por una Cabeza“ einen Tango erklingen lässt. Beim folgenden „Hallelujah“ von Leonard Cohen wird im Saal zunächst verhalten, dann immer kräftiger mitgesungen, was Feidman „really beautyful“ findet.

Auf seinen Reisen lernte er viele große Komponisten wie Leonard Bernstein kennen und dabei schlug er auch eine Brücke zwischen Klezmer und moderner Musik. Es entstanden Begleit- stücke zu Filmen wie Josef Vilsmeiers „Comedian Harmonists“ oder zu „Schindlers Liste“. Zu gerne plaudert er immer wieder mit dem Publikum, und als er nach dem „Persischen Walzer“ auch dessen Komponisten Montazer auf die Bühne holt, stellt er ihn vor: „Die Welt kann ein Paradies sein: Hier steht ein Moslem glücklich neben einem Juden.“

„Freundschaft
und Happiness“

Nach seinem Solostück „Light in the Darkness“ erklingt die fröhlich stimmende „Melody of Life“. Respekt zollt er seinem Pianisten, der das gleichnamige Stück solo vorträgt. Danach folgt ein flotter echter Klezmer und Feidmans Frage: „Warum immer wieder Kriege, die Trillionen von Dollars kosten? Warum israelische Kämpfe heute und morgen wieder? Musik ist die ideale Kombination von ‚Freundschaft und ‚Happiness‘.“

Nach diesen beiden Stücken als Zugabe nach dem Mammutprogramm ohne Pause dann „Hava Nagila“: „Lasst uns glücklich und fröhlich sein!“ Dazu lässt Feidman zuerst den gemischten Saal-Chor, dann die Frauen allein singen – und bei den Männern bricht er rasch ab. Große Begeisterung im Publikum, das erst nach einem zweiten „Hava Nagila“ allmählich ans Nachhausegehen denkt.

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