Mühldorf – Es ist ein Höhepunkt im Rahmen der Mühldorfer Sommerakademie: Das Akademiekonzert der Dozenten beweist immer wieder eindrucksvoll, dass die Unterrichtenden der Akademie nicht nur Wissen und Können gerne an ihre Schüler weitergeben, sondern auch selbst große Freude daran haben, auf der Bühne zu stehen und zu konzertieren.
Dass die Ansprüche, die sie an sich selbst stellen, bei der Zusammenstellung des Programms immer sehr hoch sind, bewies auch das diesjährige Konzert im Haberkasten: Zu hören gab es wichtige Werke, dargeboten wurden sie auf hohem Niveau.
Wer kennt Ralph Vaughan Williams? Der britische Komponist, er lebte von 1872 bis 1958, wurde weltweit berühmt für sein Konzertwerk „The Lark Ascending“, in dem er den Flug einer Lerche hinauf in den Himmel musikalisch umsetzte – noch heute ist dies übrigens das meistgespielte Musikstück in auf klassische Musik spezialisierte Radiosender im Vereinigten Königreich. Sein Werk ist deutlich umfangreicher, was ihn zu einem der prägenden Komponisten in seiner Heimat machte. In der Zusammensetzung mit Stefan Vesovic (Klavier), Elisabeth Weber (Violine), Florian Richter (Viola), Jan Ickert (Violoncello) und Frithof-Martin Grabner (Kontrabass) war beim Akademiekonzert das Klavierquintett in c-Moll zu hören und das entpuppte sich als feines Meisterwerk: Veröffentlicht wurde das zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffene Musikstück erst in den 1990er-Jahren von der Witwe des Komponisten.
Die Musiker ließen sich auf Williams ein, es war ihnen förmlich anzusehen, dass sie um den Wert des Klavierquintetts wussten – auch wenn der Einfallsreichtum des Komponisten durchaus herausfordernd ist. Die in Gefühlen schwelgende Komposition war an diesem Abend im Haberkasten in den besten Händen, schwelgend, voller Sehnsucht, aber auch garniert mit guten Einfällen – das Können der Musizierenden verschmolz mit den Intentionen des Komponisten.
Als Kontrapunkt stand dann Astor Piazollas unsterblicher Konzerttango „Soledad“ auf dem Programmzettel, was nicht verwunderlich war, denn wenn man in den Reihen der Dozenten einen so hervorragenden Bandoneon-Virtuosen hat wie Facundo Hernan Barreyra, dann ist Piazolla fast schon eine Pflicht. Und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht: Schon die ersten Klänge entführten auf einen anderen musikalischen Kontinent, Sehnsucht ist das prägende Element von „Soledad“, was nichts anderes bedeutet als „Einsamkeit“, die Wehmut dieses Gefühls war förmlich mit den Händen zu greifen. Barreyra spielt hier die Musik seiner Heimat. Die Musiker, die mit ihm auf der Bühne standen, jetzt ergänzt um Ludmilla Kogan am Flügel, waren kein Beiwerk, sondern der unverzichtbare Rahmen – der lange Applaus und die Bravo-Rufe waren absolut gerechtfertigt.
Noch einmal ein Kontrastprogramm: Das „Forellenquintett“ von Franz Schubert war der würdige Abschluss. Anja Kleinmichel am Klavier war maßgeblich dafür verantwortlich, dass dieses schon so oft gehörte Quintett eine eigene Note bekam im Haberkasten, sogar die Variationen zum „Forellenlied“ klangen gelungen frisch – schön war das, ganz ohne Frage, und dieses Urteil kann für den ganzen Abend gelten.Gerd Kreibich