Mühldorf – So ein Theaterstück hat man in Mühldorf lange nicht gesehen: „Die Vögel“, im 5. Jahrhundert vor Christus vom griechischen Komödiendichter Aristophanes geschrieben, feierte jetzt im Kulturschupp’n seine Premiere. Und die war äußerst gelungen. Doch der Reihe nach:
Es war schon immer der Wunsch von Regisseur Christopher Luber, diesen Klassiker auf die Bühne zu bringen, doch nie hatte dies geklappt: „Immer wieder kam etwas dazwischen“, so Luber. Nun hat es doch gepasst: Zusammen mit Co-Regisseur Mike Sobotka und der Regieassistenz von Ehrenvorsitzender Magdalena Eckmans brachte man „Die Vögel“ zur Aufführung.
Große Nester
im Bühnenbild
Wie Marianne Zollner in ihrer Begrüßung mitteilte, waren die Arbeiten bereits im Januar angelaufen, gab es doch viel zu tun: Die Bühne war noch nie so groß, alle Seitenräume wurden entkernt, um eine möglichst große Aktionsfläche zu schaffen. Die Nester der Vögel sind riesig, um für menschliche „Vögel“ geeignet zu sein.
Im rechten Vogelnest sitzt als Specht verkleidet Franz Nadler mit der Gitarre. Er zeichnet für die musikalischen Inhalte verantwortlich, die vom Kinderlied bis zum Rap reichen. Nadler hat selbst Lieder komponiert. Auch im linken Vogelnest spielen verschiedene Vögel ihre Rolle. Die Nester sind handgemacht, Vorsitzende Marianne Zollner beherrscht das Korbflechten. Zusammen mit Irmi Auer hat sie zuhause und in den Innauen Birken- und Weidenholz und sonstiges Schnittgut zusammengetragen. Tanzlehrerin Brigitte Largeteau hat mit dem Ensemble die Tanzszenen perfekt einstudiert.
Enttäuschte Athener
gründen neue Stadt
150 vergnügliche Minuten nahmen ihren Anfang. Die beiden Hauptdarsteller Schlauberger (Bianca Schamper in einer Männerrolle) und Schönhoff (Lukas Eder) sind zwei Athener, die von ihrem Leben in Athen desillusioniert sind und anderswo eine neue Stadt gründen wollen. So ist der erste Akt „Zwei steigen hinauf, um der Welt zu entkommen“ betitelt.
Die beiden Menschen gelangen in das Reich der Vögel, wo sie auf den deren König, den Wiedehopf, dargestellt von Gitti Köllhofer, treffen. Die beiden überzeugen den Wiedehopf, eine neue Stadt zu gründen – zwischen Himmel (dort, wo die Götter residieren) und Erde (das alte verkommene Athen), quasi im luftleeren Raum. Die Nachtigall (Christina Reichl) wird beauftragt, die Vögel zusammenzurufen. Mit glockenklarer Stimme erledigt der Vogel dies, Christina Reichl singt eine Arie aus der „Zauberflöte“.
So kommen sie angeflattert: Der Hahn, verkörpert von Christoph Rottach, der Waldrapp, den Rita Pickert gibt. Matthias Niemann ist ein Schuhschnabel, Jörg Luber der Geier. Anita Wisgalla spielt die Rauchschwalbe, Bernhard Kneißl einen Papagei, der immer wieder für Lacher sorgt, weil er mit Papageienstimme Gesagtes nachspricht, wie es halt Papageien so machen. Eule, Pfau und Sperber sind auch mit von der Partie, Brigitte Dohse, Gabi Heinrichs und Petra Winkelmann geben ihr Bestes. Den Kuckuck mimt Alexander Quaiser, den Hakengimpel Gaby Stolz.
Auch die Erschafferin der unwiderstehlich schönen Kostüme ist im Reigen der Vögel vertreten: Holle Nadler spielt eine Schnepfe. Die Vögel stimmen der Stadtgründung zu, die Stadt wird auf den Namen „Wolkenkuckucksheim“ getauft. „Ein Reich aus Luft wird geboren“, heißt dann eben auch der zweiten Akt.
Die neue Stadt ist fertig, Schlauberger und Schönhoff übernehmen die Macht. Vor allem Schlauberger dominiert das Geschehen – die Menschen in Athen werden eingeschüchtert, weil Vogelschwärme die Sonne verdunkeln würden, wenn sie der Stadtgründung nicht zustimmten. Den Göttern sollte wiederum ihre Nahrung entzogen werden, in dem keine Opfer mehr verbrannt würden, ernährten sich doch die Götter durch deren Rauch.
Böses ahnen lässt allerdings der Titel des drittem Aktes: „Der Staat der Vögel stürzt ab“. Denn nicht nur Erdenbürgern und Göttern geht es schlechter, sondern den Vögeln selber auch: Schlauberger regiert nahezu autokratisch. So werden den Vögeln bei den geringsten Vergehen die Federn ausgerissen.
Doch sowohl die Götter auf dem Olymp als auch die Menschen hungern. Es gibt Verhandlungen, der Barbarengott (Gaby Stolz) vertritt die Belange der Menschen, die Götter haben Herakles (Matthias Niemann) und Prometheus (Christoph Rottach) geschickt. Selbst Jesus Christus (Jörg Luber) sitzt in der Delegation. Eine Ehe zwischen Schlauberger und der Zeustochter Basilea soll den Konflikt lösen.
Nun folgt ein Meisterwerk der Technik: Basilea erscheint nicht selbst, sondern wird als nackter Frauenkörper via Beamer auf die Bühne projiziert. Die Hochzeit wird geschlossen, ein Hochzeitsmarsch ertönt. Beim Kinderlied „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ singen die Zuschauer singen mit.
Dann schlägt
der Blitz ein
Jetzt gibt es aber im wahrsten Sinne des Wortes einen Donnerschlag. Schlauberger wird durch den Blitz von seiner vermeintlichen Verheißung Basilea getötet. Die Vögel feiern, weil damit ihre alte Ordnung wiederhergestellt ist und die Machtspiele und die Grausamkeiten ein Ende haben. Es bleibt die ewige Frage, ob der Mensch jemals dazu fähig sein wird, die Welt zu verbessern. Die Eitelkeit, die Machtgier und das Streben nach Besitz und Geld lässt dieses Vorhaben auch hier scheitern.
Die Darsteller liefern eine überzeugende schauspielerische Leistung ab. Die farbenprächtigen Vogelkleider wurden von Traudl Frost, Holle Nadler, Bianca Schamper und Lore Sonnleitner geschneidert. Holle Nadler hat wunderbare Vogelmasken entworfen und Petra Winkelmann hat beim Schminken der Darsteller wahre Höchstleistungen vollbracht.
Die Techniker Steven Einwanger, Claus Köhler und Benedikt Korbacher setzten das Stück ins rechte Licht und sorgten für spektakulären Helikoptersound, Donner und Blitz.
Weitere
Aufführungen
Wer das unbedingt sehenswerte Stück selber erleben will, der kann an folgenden Terminen in den Kulturschupp’n kommen: Freitag, 3., Samstag, 4., und Sonntag, 5. Oktober, sowie Freitag, 10., und Samstag, 11. Oktober. Gespielt wird jeweils um 19.30 Uhr.