Mühldorf – Woher er, Musikdirektor André Philipp Gold, sie nur immer alle herholt, die durchwegs jungen Vokal- und Instrumental-Musiker, die sich mit seinem Chor, den er selbst, nicht von ungefähr, „cantus aurumque“ (Gold-Gesang) taufte, so gut vereinen lassen! Das Orchester mit dem rätselhaften Namen „AroC Quartett“, das aus mehr als vier Instrumenten – Violinen, Viola, Cello, Oboen, Fagott und Orgel – besteht, kommt aus dem Raum Salzburg/Berchtesgaden, wie quasi auch die Solo-Stimmen, die sich während des Konzerts aus der Chorgemeinschaft schälten. Der knabenhafte Sopran der gebürtigen Taiwanerin Pi-Ru He dürfte die am weitesten Entfernte sein, die allerdings derzeit in Augsburg eine Gesangsausbildung absolviert. Tenor Robert
Rathwallner ist, wie die hervorragende Altistin Sophie Allen, dem Mozarteum entsprungen und Samuel Andre Pörnbacher ist Südtiroler.
Dass ausgerechnet dieser kraftvoll auftrumpfende Bassist, der am wenigsten zu singen hatte, seine drei Notenzeilen aus Johann Sebastian Bachs Kantate zum 3. Advent-Sonntag nicht so hinbekam wie der Komponist (und wohl auch der Dirigent, der dicht neben ihm halb saß, halb stand) es gern gehabt hätte, ist schon lustig. „Bist du, der da kommen soll, Seelenfreund im Kirchengarten?“, hatte der Bass zu fragen. Der Eingangschor tröstete ihn über seinen Schmiss hinweg, wenn er zuvor schon riet: „Ärgre dich, o Seele, nicht!“ Das muss man Pörnbacher lassen: Er war mit jedem Wort verständlich. Was für den klangschön agierenden Robert Rathwallner auch gilt, nicht aber für den gemischten Chor (mit, das sei betont, einem exzellenten Herren-Anteil). Von ihm gab es, zumal in Georg Philipp Telemanns „Hosianna dem Sohne Davids“, allzu Schrilles und Angestrengtes zu hören. Dagegen war Johann Christoph Friedrich Bachs appellatives „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ausgefeilt, insbesondere der Schluss von Teil 3: „Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat je gehört solche Freude“. Ja, das zu vernehmen war wirklich ein Labsal. Da passte Inhalt zur gelieferten Form: „Des sind wir froh, io, io, io!“
Hierfür war der nachhaltig gespendete Schlussapplaus gerechtfertigt. Er galt nicht zuletzt dem großartigen musikalischen Leiter des Konzerts, das tags zuvor in der Tittmoninger Stiftskirche St. Laurentius generalprobiert wurde – hoffentlich vor etwas mehr Publikum als sich zu dem Termin in der Frauenkirche einfand. Bis zum nächsten „cantus-aurumque“-Angebot ist es noch gut ein Vierteljahr hin: Sonntag, 22. März, 17 Uhr, „Johannes-Passion“ von Thomas Selle, Aula des KuMax, Burghausen. HANS GÄRTNER