Mühldorf – Wer ist Robert Palfrader? Diese Frage mussten sich die etwa 400 Zuschauer, die zu dessen Solo-Programm „Allein“ gekommen waren, im voll besetzten Haberkasten nicht stellen. Für die anderen eine kurze Aufklärung von ihm selbst: „Ich heiße Robert Heinrich Palfrader und wurde am 11.11.1968 in Wien geboren – nach vorausgegangenem ungeschützten Verkehr meiner Eltern, der hoffentlich lustvoll war.“
Der österreichische Kabarettist, Schauspieler und Autor wurde bekannt durch die Verkörperung der fiktiven Figur des Kaisers Robert Heinrich I. in der Satire-Show „Wir sind Kaiser“. Eine philosophische Anmerkung des Künstlers: „100 Millionen Spermien machen sich auf den Weg. Aber nur eines wird befruchtet. Wäre da bei Palfrader nicht mehr drin gewesen?“ Alles lacht, der Kabarettist darauf: „Schauen Sie doch selbst in Ihren Spiegel!“
Des Kabarettisten Meinung zur Religion: „Für mich sind alle Religionen gleichberechtigt, ich halte sie alle für deppert.“ In Wien machte der Künstler für das österreichische Fernsehen eine Straßenumfrage mit dem Thema „Warum heißt das Christkind Christkind?“ Eine Antwort: Weil es das Kind von Christen ist.
Wenn bei seinen Darbietungen einmal niemand lacht, was vorkommt, wenn auch sehr selten, tröstet Palfrader sich selbst: „Oider, was hast du erwartet, du bist in Bayern.“ Immer wieder ist Österreich und vor allem Wien Palfraders Thema. Im vierten Bezirk hatte seine Mutter einen für die österreichische Hauptstadt so typischen Würstelstand. Er trifft in der Kärntner Straße einen Bettler, einen Mann ohne Beine, der um eine Spende bittet: „Ich habe kein Bargeld dabei und hole welches vom Geldautomaten. Laufen Sie nicht weg! Als ich zurückkomme, sehe ich, wie der Bettler das modernste I-Phone in der Hand hält. Ich gehe weiter, er ruft mir nach, er werde mich in meinen Allerwertesten treten.“
So fein drückt sich Palfrader aber nicht aus, seine Sprache ist doch eher ordinär und voller Fäkalausdrücke, aber das gehört wohl zum Programm. Auch gegen die deutschen Nachbarn, die „Piefke“ zieht Robert Palfrader vom Leder. „In ganz Österreich, vom Bodensee bis zum Neusiedler See gibt es einen Konsens: Piefke = Ar….“. Doch die Piefke mögen seinen österreichischen Dialekt. Ein Regisseur sagte einst zu ihm: „Robert, sage noch einmal O-i-d-a!“
Oft arbeitet der Künstler in Wien und muss abends noch mit dem Auto nach Wien fahren: „Ich würde ja gerne mit dem Zug fahren, aber das kann man ja bei Euch in Deutschland nicht. Im Auto hör ich ‚Radio Maria‘ (das gibt es wirklich!), ein Taliban-Radiosender des Vatikan. Die beschreiben dort sogar einen Diavortrag.“
Palfrader fürchtet sich vor der Künstlichen Intelligenz: „Ich habe gelesen, dass die KI in fünf Jahren einen Intelligenzquotienten von 1.500 haben wird. Für die im Publikum mit IQ unter 100: Das ist viel.“ Weiter geht es: „In zehn Jahren wird es keine Lkw-, Bus- oder Taxifahrer mehr geben. Da mache ich mir schon Sorgen um Leute, die weniger intelligent sind. Ich mache mir Sorgen um Sie!“ Die meisten lachen, einigen bleibt das Lachen auch im Halse stecken. Man darf sich schon fragen, ob dies bissige Satire oder doch wohl eher Publikumsbeschimpfung ist. Aber er nimmt sich auch gerne selbst auf den Arm: „Meine Oma war so schön, dagegen verblasste sogar Romy Schneider. Und dann ich: In zwei Generationen zum Gammelfleisch.“
Einen Freizeit-Tipp hat er noch zum Abschluss parat: „Geht doch einmal in einem Red-Bull-Leipzig-Trikot in den Bayernblock in der Allianz-Arena und jubelt. Ich besuche euch dann auf der Intensivstation.“ Die Zugabe ist eine Werbung für ein Buch, das er geschrieben hat: „Ihr wart ein Zucker-Goscherl-Publikum. Ein Tipp für euch: Ich habe einen Roman geschrieben. Ein namhafter Autor beurteilte ihn als gut. Dessen Namen will ich nicht verraten. Das würde mir Daniel Kehlmann nie verzeihen.“
Die Gäste im Haberkasten fühlten sich nach dem zweistündigen Kabarettprogramm gut unterhalten, ihnen hat Robert Palfrader Spaß gemacht.