„Noch ist Luft in der Gruft“

von Redaktion

Die Couplet AG mit ihrem ebenso bissigen wie derben Programm im Haberkasten

Mühldorf – Seit 30 Jahren gibt es sie, die Couplet AG. Gründer der Formation ist Jürgen Kirner. Für die passende musikalische Begleitung sorgen Bernhard Gruber, der von Anfang an dabei ist und Bernhard Filser, der seit 2013 mitmischt. Vierte im Bunde ist seit 2009 Bianca Bachmann, in Mühldorf geboren und in Aschau am Inn und Waldkraiburg aufgewachsen.

Ein „Couplet“ ist ein satirisches Lied mit Reim und Refrain, das es sowohl in Wien und Paris als auch in Bayern gab. Bekannte bayerische Coupletsänger waren Karl Valentin, Adolf Gondrell („Ein Münchner im Himmel“) und der Weiß Ferdl mit dem unsterblichen „Im Wagen von der Linie 8“.

Bunte Mischung aus drei Jahrzehnten

Couplets gab es denn reichlich im Programm „Favoriten – 30 Jahre Couplet AG“, einer bunten Mischung aus den vergangenen 30 Jahren – heute würde man sagen das „Best of“. Aber auch immer wieder Sketche, meist von Bianca Bachmann und Jürgen Kirner sehr lustig präsentiert.

Berni Filser schätzt anfangs das Alter des Publikums im vollen Haberkasten wohl richtig ein: „Ein zielgruppengerichteter Motivationsspruch für euch: Hinter jedem Rentner steht eine Frau, die sich wünscht, dass er wieder in die Arbeit geht.“

Die Sketche waren häufig sehr aktuell. Franz Josef Strauß sei ihm, so Jürgen Kirner, im Traum erschienen und hab ihm erzählt, dass Elon Musk jetzt auch Flaschen sammle. Vom Pfand wolle er Grönland kaufen. Volle Flaschen seien dagegen für Donald Trump wichtig: Er wolle die Kohlensäure haben – für sein Gehirn, damit wenigstens etwas blubbere.

Zwischendrin tritt immer wieder einmal Berni Filser auf, in ein rosarotes Sakko gekleidet. Er ist jetzt Influencer und hat schon 37 Follower, wie er berichtet. Zu Bernhard Gruber meint er: „Dafür bist du zu alt“. Dessen Entgegnung: „Nein, noch ist Luft in der Gruft.“

Sketche betreffen auch die Überalterung unserer Gesellschaft. Ein Werbespot für ein Seniorenheim wird auf der Bühne gespielt: Im Haus Abendrot wird das Abendbrot serviert. Und es heißt im Couplet: „Jedem Opa, den Sie geben, schenken wir ein neues Leben“. Gruber intoniert dazu auf der Mundharmonika „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Auch eine bekannte Werbekampagne des BR bekommt ihr Fett ab. Bernhard Gruber tritt als Cowboy auf und sagt: „Ich bin der Robbie – das ist mein Swingerclub. Da bin i dahoam.“ Auch als Günni präsentiert er sich: „Ich bin Günni vom Wertstoffhof. Im Container – da bin i dahoam“. Oder Jürgen Kirner als Ministrant Dieter: „Beim Herrn Pfarrer schaue ich gerne die Filme an – da bin i dahoam“.

Klassiker dürfen im Programm natürlich auch nicht fehlen: „Haben sie heute schon geschnackselt“, „Mein Mann wohnt jetzt im Keller“ oder „Gilbert, der Rammler“ zählen dazu. Bei diesem Couplet schlüpf Bianca Bachmann in ein Hasenkostüm.

Auch an den Bauern arbeiten sich die Künstler ab – in „Landliebe“. Da heißt es im Refrain eines alten Bauernehepaars: „Lass uns am Abend müde sein, dann fallen die Äuglein zu. Dann haben wir endlich voneinander jeder seine Ruh“. Neue Pläne werden geschmiedet – entweder wird ein Swingerclub gebaut oder aus dem Schweinestall wird ein Wallfahrtsort. So kann die Hackschnitzelheizung abbezahlt werden.

Das Promipaar Robert und Carmen Geiss fehlt ebenfalls nicht, es ist „Das schönste Paar der Welt“. Er stellt fest: „Frauen können Männer so was von in den Urin treiben“ Sie verbessert. „Das heißt Ruin, du Depp“. Weiter heißt es von den beiden Bernhards: „Weil auch das schönste Paar der Welt, optisch rasend schnell verfällt, drum spart für Botox euer Geld.“.

Sie steht
auf Bierbäuche

Bianca Bachmann singt im Anschluss: „Mich juckt es von Kopf bis Zeh, wenn ich einen Bierbauch seh“. Ihre Opfer findet sie bei diesem Couplet im Stüberl, im Haberkasten wagt sie sich in das Publikum und macht reichlich Beute. Das „Ü50- Klassentreffen“ dient zum Checken der Mitschüler „auf Bauch, Figur und Haar“. Letzteres ist oft gefärbt, aus Renate ist Fritz geworden.

Zugaben gab es zum Schluss drei an der Zahl: „Söder rektal“ – dabei handelt es sich um ein Zäpfchen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen bitte bei der Couplet AG nachfragen“. Dann folgt „Wir sind alle Kinder vom Bofrost-Mann“, der eben nicht nur Tiefkühlkost ausliefert. Am Schluss steht das altbekannte „Oh wie herrlich ist das Leben, oh wie schön ist diese Welt. Wir verkaufen unsere Schwiegermutter und versaufen ihr Geld“.

Das begeisterte Publikum spendete lang anhaltenden Applaus.

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