Wie eine einheimische Tangokapelle

von Redaktion

„Zoria Trio“ eröffnet die Reihe der Kammerkonzerte in Tögings Carl-Orff-Saal

Töging – Mit einem ausgesprochen kontrastreichen Musikprogramm begann die Reihe der Kammerkonzerte 2026 in Tögings Musentempel. Organisatorin Elke Grimm kündigte bei der Begrüßung der Gäste ein musikalisches Erlebnis an, das vier Komponisten aus unterschiedlichen Epochen und Stilwelten zusammenführt.

Als vortragende Künstler dazu kündigte sie das „Zoria Trio“ an. Dieses besteht aus der Cellistin Irena Josifoska, dem Flötisten Tommaso Pratola und dem Pianisten Viktor Soos. Jeder dieser Musiker ist bereits Mitglied eines großen Philharmonieorchesters und Träger großer internationaler Musikpreise.

Viktor Soos, der als einer der herausragendsten Pianisten seiner Generation gilt, war in anderen Besetzungen schon öfter in Töging zu hören. Am 27. September wird er mit der Cellistin Josifoska als Duo erneut auftreten. An diesem Abend begann das Trio eine Reise durch die Vielfalt der Musik mit dem viersätzigen „Trio für Pianoforte, Flöte und Violoncello“ von Carl Maria von Weber. Bei diesem bewegten, aber doch immer sehr harmonischen Stück wurde bereits die Virtuosität der Instrumentalisten deutlich. Bei allen häufigen Tempiwechseln, abrupten Pausen und Einsätzen zeigte sich, dass sie ihr Musizieren auch selbst verinnerlichten. Ihre emotionale Tiefe gaben sie deutlich mit den Bewegungen zu erkennen, mit denen sie die Melodien aus ihren Instrumenten zauberten. Langanhaltender Beifall war der Dank des begeisterten Publikums.

Mit dieser Spielweise brachten sie anschließend das 100 Jahre später von Philippe Gaubert komponierte „Trois Aquarelles“ zum Vortrag. Dieses vom Impressionismus geprägte Werk begann mit einem „klaren Morgen“, der Sonnenaufgang und erwachende Natur erkennen ließ, aber durchaus auch an Montagmorgen erinnerte. Der sich musikalisch anschließende Abend hatte auch Novemberliches. Ebenso die sich anschließende Serenade brachten die drei Künstler in einer Weise, die die Besucher mitfühlen ließ. Auch in diesem Musikgenre scheinen die Interpreten zu Hause.

Nach einer kleinen Pause ging das Konzert zunächst südamerikanisch weiter. Aus Astor Piazollas „Jahreszeiten“ erklangen der Winter und Frühling, wobei beim Frühling die Tangoelemente besonders deutlich hervorstachen. Ein Land, das sich auf der südlichen Halbkugel über 20 Breitengrade erstreckt, gibt einem einheimischen Komponisten viele Themen zur Gestaltung einer Jahreszeit. Was Piazolla auch tat und das „Zoria Trio“ wie eine einheimische Tangokapelle gekonnt wiedergab.

Auch Nikolai Kapustin schrieb ein Trio für Flöte, Cello und Klavier. Wie Cellistin Irena Josifoska vorher versichert hatte, war jede Note von Kapustin komponiert und aufgeschrieben. Dennoch wirkte das Trio bei den drei Sätzen Allegro molto, Andante und Allegro giocoso (heiteres Tempo) wie eine Jam Session, die gerade fröhlich vor sich hin jazzte.

Sie taten das auf allerhöchstem Niveau. Auch bei diesem anspruchsvollen kapustinschen Werk wirkten sie heiter und unbefangen. Als Zugabe gewährte das Trio das Liebeslied des Orpheus aus Willibald Glucks Oper, wobei Soos die melodieführenden Instrumente Flöte und Cello „nur begleiten durfte“. nz

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