Zwischen Kühen und Markus Söder

von Redaktion

Franken-Star Matthias Walz bringt den Mühldorfer Haberkasten zum Kochen

Mühldorf – Matthias Walz ist einer der Stars von „Fastnacht in Franken“, der quotenstärksten Sendung aller dritten Programme in Deutschland. Bei diesem Publikumsrenner liest Matthias Walz regelmäßig der versammelten Politprominenz die Leviten. Auch kürzlich mussten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger oder die Grünenchefin Katharina Schulze „dran glauben“.

Beim Auftritt von Matthias Walz im Haberkasten war dieser so voll besetzt, dass die fleißigen Bedienungen nur schwer ein Durchkommen fanden.

Auftritt im
grünen Anzug

„Servus, Gruezi und Hallo“ hieß es dann zu Beginn, in seinem markanten grünen Anzug, im schwarzen Hemd und in blauen Sneakers betrat der Künstler die Bühne. Seine Haartolle war wie immer steil nach oben frisiert und der Wackeldackel durfte auch nicht fehlen. Applaudiert das Publikum, dann setzt Walz dessen Kopf in Bewegung – und das tat er an diesem Abend häufig.

Matthias Walz kommt aus dem Landkreis Main-Spessart, über den kann man in einem Computerlexikon lesen: Es ist der kuhärmste Landkreis Bayerns. Es gibt dort nur 1.500 Stück Milchvieh. Dazu der Kabarettist: „Man muss dort nicht seinen Urlaub verbringen.“ Er wusste auch, dass es im Landkreis Mühldorf 31.662 Kühe gibt. Gute Vorbereitung, Herr Walz!

Über die Anwesenheit von Bürgermeister Michael Hetzl zeigte sich Matthias Walz überrascht und er verwickelte ihn auch in ein kurzes Gespräch über die Wahlen am 8. März, garantierte ihm bei vier Bewerbern um das Amt zielsicher eine Stichwahl.

Weiter ging es mit einem Rückblick über das Jahr 2025: Es war ein Sch…jahr: Kriege in der Ukraine, in Gaza und im Jemen, Klimakrise, Donald Trump („der „Orangene“ ist zurück“) und dann kam auch noch er: „Der Killerwels vom Brombachsee“. Walz hat deswegen schon die Mauer in seinem Garten erhöht, er wohnt in Karlstadt am Main, und dahin könnte das Untier – über Umwege – auch schwimmen.

Hubert Aiwanger hat es nicht geschafft, in den Bundestag in Berlin einzuziehen: „Ich hätte ihn gerne in Berlin gesehen. Aber was willst du in Berlin, wenn dich schon in Bayern keiner versteht?“ Der Spitzname für ihn: „Der Selbstlautschänder von Niederbayern“. Werden dem Hubsi Fragen gestellt, zum Beispiel, ob er ein Impfgegner oder ein Populist sei, werden diese mit einem original von Aiwanger gesprochenen Satz beantwortet: „Im Gegenteil, ich bin Landwirt.“ Ein passender Song dazu: „Erzähl doch keine Märchen, Hubsi Gonzalez“ nach der Melodie von „Speedy Gonzalez“.

Markus Söder kommt mit den neuen, von Brüssel verordneten Flaschendeckeln nicht zurecht, entweder er hat sie im Gesicht oder Cola light auf der Hose. „Das geschah jedoch nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, es ist auch ein Intelligenztest“, so der Kommentar von Matthias Walz.

Der ausgezeichnete Klavierspieler machte mit einem Lied weiter: „Betreutes Feiern“. Dabei laden Claudia und Ulf ein. Die Gäste dürfen die Schuhe anbehalten, denn die Gastgeber haben rustikales Parkett und Claudia hat Einwegüberschuhe besorgt. Judith und Michael haben ein Gesellschaftsspiel dabei, das ist „so was von zum Lachen“, wichtig ist ‚quality time‘. Es gibt Bärlauchpesto, Claudia hat am Ende des Abends auch Tupper da. Alle sind sich einig, das muss bald wiederholt werden.

Zurück in
die 80er-Jahre

Ein Rückblick auf die 80er-Jahre folgt, laut einer Umfrage das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen: „Ich weiß noch viel von den 80er-Jahren – leider. Natürlich war nicht alles schlecht – aber viel“, meint Walz dazu. „Wir hatten auch Drogen – Ahoi-Brause, Ed von Schleck und Brauner Bär. Für mich klingt das wie ein schlechter Klamauk-Erotik-Film mit Karl Dall: ‚Brauner Bär und das Lustschloss von Ed von Schleck‘. In einer Gastrolle: Flutschfinger. Die Amis hatten Reagan, wir in Deutschland sauren Regen. Jeder kannte Rosis Nummer (32168), das Dschungelcamp hieß Wackersdorf und Karl der Käfer wurde nicht gefragt. Modern Talking quälte unsere Ohren und in Köln wurde Mutter Beimer geboren. Ozonloch hat keinen interessiert, mit Tiroler Nussöl einbalsamiert, hat Sonnenbaden Spaß gemacht, mit Lichtschutzfaktor Minus 8.“ Der „Despotenwalzer“ kritisiert die weltweite Zunahme der Autokraten und endet mit der bitterbösen Pointe, als die Bedienung Champagner aus dem Lager holen will, weil der aus ist und die Despoten lachen: „Wegen dem Champagner (man beachte den fränkischen Genitiv!), da muss doch niemand ins Lager und wenn doch, dann ist er bestimmt nicht gleich wieder da.“ Es geht weiter mit dem Autoland Deutschland: „Neulich habe ich auf der B27 bei Tüngersheim, das kennt ihr vielleicht, einen Hasen totgefahren, er ist mutwillig mit mir kollidiert, es hat ihn im Radkasten rumgedreht wie in einer Waschmaschine und ich habe ihn auch noch mitgeschleift. Das passiert dir mit einem amerikanischen SUV nicht, Objekte bis zur Größe eines Bernhardiners merkst du gar nicht. Kleintiere wie Hunde, Katzen, kleine Bären werden in den Asphalt hinein tätowiert, das ist eine saubere Sache. Erst bei Kuhgröße oder Elchen sagt man einmal hoppala.“

Nach der etwas zu langen Pause begrüßt Walz: „Willkommen zur zweiten Hälfte, sind ja fast alle noch da.“ Frauen werden dem Künstler zufolge in deutschen Schlagern als Sexobjekt missbraucht, Beispiele dazu gefällig? „Laila“, „Lass mich in deinem Wald der Oberförster sein“ (gesungen von Tony Marschall, der singenden Klobürste aus Baden Baden) oder „Im Wagen vor mir“ von Henry Valentino. Auch das zwiespältige Verhältnis zwischen Franken und Bayern wird beleuchtet: „Früher war Bayern der Boss und Franken der kleine Depp. Heute ist es umgekehrt. Franken schenkte der Welt die Jeans (Levi Strauss), das MP3- Format und die Röntgenstrahlen. Die sollten eigentlich Frankenstrahlen heißen.“

Demnächst
in Traunstein

Am Ende fordert das Publikum eine Zugabe: „Da trefft ihr mich aber jetzt unvorbereitet.“ Sie beginnt dann doch: „Mein nächster Auftritt ist am 28. Februar im Nuts in Traunstein – wenn ihr Freunde bestrafen wollt, schenkt ihnen Tickets.“ Dann zieht Matthias Walz das grüne Sakko aus und eine rote Glitzerweste über: „Während Corona habe ich mir ein zweites Standbein aufgebaut – ich bin jetzt auch Alleinunterhalter Walter.“ Dazu hat er sich ein Rhythmusgerät besorgt und es gibt Einspielungen, zum Beispiel von Kanzler Merz: „Da machen wir heute Rambo Zambo.“ Walter hat Witze im Repertoire: „Warum braucht Robin Hood ein Deodorant? Er verteilt es unter den Armen.“ Alle Lieder, beispielsweise „Mendocino“, „Ich hab ein knallrotes Gummiboot“ und „Highway to hell“ klingen bei Walz wie bei den Flippers. Nur die Flippersongs – die hören sich wie die Amigos an. Dann endet nach knapp drei Stunden ein herrlicher Abend, bei dem man sich bestens unterhalten hat. Matthias Walz hat alles gegeben und man freut sich auf ein Wiedersehen mit dem sympathischen Kabarettisten. Vielleicht in Traunstein.

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