Mühldorf – Einen furiosen Auftritt hat die Combo „Che Sudaka“ im Haberkasten abgeliefert. Rund 150 Gäste hüpften, klatschten und sangen zu den mitreißenden Songs und Interpretationen der südamerikanischen Musiker. Mit ihrem Programm „Wir sind Licht“ tragen sie aktuell ihr „Street Acoustic Set“, wie Sänger Kachafaz es bezeichnete, also ihre Straßenmusik, auch weiter in den Norden Europas: Zum Glück haben sie zwischen Augsburg, Linz und Wien in Mühldorf Halt gemacht.
Gegründet wurde die Band im Jahr 2002 von den beiden Brüdern Leonardo Gabriel (Leo) und Marcos Alejandro (Kachafaz) Fernández-Stracquadaño sowie John Jairo Pineda Castro (Jota) und Sergio Adrián Morales Cleves (Che) in Barcelona. Ihre Musik wird als Mischung aus Cumbia, Ska und Punk beschrieben, wobei Letzterer, wenn man die Darbietung im Haberkasten betrachtet, sich zweifellos als dehnbarer Begriff verstanden wissen will. Die drei Künstler – Gitarrist und Sänger Jota war im Haberkasten nicht dabei – bemühten sich redlich, doch eine Handvoll betagterer Abokunden widerstand im teilbestuhlten Saal den rasanten Rhythmen bis zuletzt. Der Rest musste gut eineinhalb Stunden lang schier tanzen, weil die sonoren Calypso- und Reggae-Offbeats gar keine andere Möglichkeit zuließen. Zu hinreißend waren die südamerikanischen Klänge, unter denen auch spannende Interpretationen bekannter Welthits, wie des „Banana Boat Songs“ von Harry Belafonte, des „Englishman in New York“ von Sting oder des „Redemption Song“ von Bob Marley waren. Mehrheitlich gab es aber die eigenen Songs der Band zu hören, für deren gesellschaftskritischen Inhalt sie weltweit gefeiert werden: gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, gegen übertriebene staatliche Gewalt und für mehr Menschlichkeit.
Sänger, Gitarrist und Akkordeonspieler Cheko erklärte beispielsweise vor dem Song „Serás feliz“ („Du wirst glücklich sein“), dass es das Anliegen der Musiker sei, eine positive Haltung und Optimismus zu verbreiten. „Wir wollen die Herzen verbinden und wie schaffen wir das? Indem wir gemeinsam singen!“, so der gebürtige Kolumbianer, der bei einem anderen Song auch mal eine Marimba de Chonta spielte; ein xylofonartiges Instrument, das ein wenig wie eine Steeldrum klingt und von der kolumbianischen Pazifikküste stammt, wie der Künstler erklärte.
Ihre Songs seien als „Stoßgebet an den Himmel“ zu verstehen, so Cheko, damit die Menschen die Schönheit unseres Planeten erkennen könnten. In gesellschafts- und selbstkritischeren Titeln geht es beispielsweise darum, welche Probleme Menschen bekommen können, wenn sie keine Papiere bei sich tragen.
Die Absicht, ein weltgesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen, gepaart mit der ungebremsten Spielfreude, stand beim Konzert im Haberkasten im Mittelpunkt. Von Beginn an suchten die Musiker den direkten Kontakt zum Publikum und schufen eine dichte, fast familiäre Atmosphäre im Saal. Das Konzept ging auf, denn obwohl das Publikum bunt gemischt war, ließen sich am Ende praktisch alle mitreißen. Der Haberkasten erwies sich als passender Ort für die internationale Livemusik, denn zwischen tanzbaren Rhythmen und nachdenklichen Texten entwickelte sich ein Konzertabend, der weit über reine Unterhaltung hinausging. Musik wurde als verbindendes Element verstanden als Einladung zum Mitmachen, Mitdenken und Mitfeiern. Peter Becker