Musikalischer Hochgenuss mit der Opera Romana

von Redaktion

Gelungene Inszenierung von Giacomo Puccinis „La Bohème“ im Waldkraiburger Haus der Kultur

Waldkraiburg – Mit einem Riesenaufgebot an Instrumenten, Kulissen, Kostümen und hervorragenden Sängern gastierten Orchester und Chor der Opera Romana aus dem rumänischen Craiova im Haus der Kultur. Solisten, die an verschiedenen Häusern tätig sind, präsentieren auf ihren Tourneen vor allem italienische Werke – so auch an diesem Abend.

Wohl eine der bekanntesten Opern der Musikliteratur stand auf dem Programm: Giacomo Puccinis „La Bohème“. Von den ersten Tönen an war das Publikum begeistert von der Stimmgewalt der Solisten, der Präzision der Choreinlagen und der großartigen Begleitung des Orchesters.

Die Handlung dreht sich um das Leben, Lieben und Leiden eines Freundequartetts, das im Pariser Künstlerviertel Quartier Latin am Weihnachtsabend in Geldnot in der kalten Mansarde sitzt. Um den Raum etwas zu erwärmen, verbrennt der Dichter Rodolfo (Alfonso Zambuto) zusammen mit dem Maler Marcello (Enrico Marruca) seine Manuskripte. Philosoph Colline (Joan Toma) kehrt ergebnislos vom Pfandhaus zurück, nur der Musiker Schaunard (Joan Cherata) hatte Erfolg: Er bringt etwas Essbares mit, was die gedrückte Stimmung in Ausgelassenheit umschlagen lässt. Als der Hauswirt die rückständige Miete fordert, setzen ihm die Freunde Wein vor, werfen ihn hinaus und wollen im Café Momus weiterfeiern. Nur Rodolfo bleibt zurück. Als eine ihm unbekannte Hausbewohnerin erscheint (Tamara Kalinkina) und ihn um Feuer für ihre Kerze bittet, bietet er der vom Treppensteigen Erschöpften ein Glas Wein an. Bei der Suche nach deren verlorenen Zimmerschlüssel berühren sich ihre Hände, Rodolfo stellt sich vor, und auch sie nennt ihren Namen („Si, mi chiamano Mimi“ – „Man nennt mich nur Mimi“), und er schließt sie in seine Arme. Im zweiten Akt herrscht fröhliches Weihnachtstreiben. Im Café Momus treffen die Freunde Musette (Viktoria Romanova), ehemalige Freundin von Marcello, in Begleitung ihres reichen Verehrers Alcinoro.

Als sie für ihn ihr Walzerlied („Quando nien vo“ – „Mein Verlangen nach dir macht mich glücklich“) zum Besten gibt, flammt die Liebe zu Marcello wieder auf, man verlässt das Café und Alcinoro muss die Zeche bezahlen. Vor winterlicher Kulisse erscheint im dritten Akt Mimi, vom Husten geplagt, und bittet Marcello und Musette um Rat, erzählt von Rodolfos Eifersucht und dass er sie verlassen habe. Als der aus der Schenke kommt, hört Mimi in ihrem Versteck, dass Rodolfo von ihrer Krankheit weiß, er ihr aber nicht helfen könne. Im letzten Akt wollen in der Mansardenwohnung Rodolfo und Marcello ihre schmerzlichen Liebeserfahrungen überwinden. Da erscheinen auch Schaunard und Colline und man zelebriert ein üppiges Mahl. Als Musette bittet, die schwerkranke Mimi heraufzuholen, schickt Marcello nach Medizin für ihren eingetauschten Schmuck, während Collin seinen Mantel im Leihhaus versetzt. Nun allein, erleben Rodolfo und Mimi noch einmal die glücklichen Momente ihrer Begegnung. Als die Freunde zurückkehren, schläft Mimi erschöpft ein und Rodolfo wendet sich Trost suchend den Freunden zu: Ihre schmerzvollen Gesichter verraten ihm: Mimi ist tot!

Im Publikum herrschte momentane Stille und erst allmählich kam der Applaus zurück, der während der vier Akte immer wieder zu hören war und steigerte sich kräftig, als nach und nach die Sänger wie auch Chorleiter Florian Zamfir und Adi Bar Soria als Chef des Orchesters dazukamen. Man war überzeugt: Die Opera Romana hatte die unkonventionelle, künstlerische und arme Lebensweise der Bohème überzeugend umgesetzt. Erika Fischer

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