Mühldorf – Es gibt Konzertabende, an denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass hier nicht einfach jemand Gitarre spielt, der das eben gut kann. Manuel Randi ist so ein Fall. Der Musiker, der unter anderem mit dem Herbert-Pixner-Projekt seit Jahren große Erfolge feiert, zeigte beim Konzert im Haberkasten, warum er zu den Ausnahmegitarristen gehört, die man nicht einfach nur hört, sondern erlebt. Was er auf die Bühne brachte, war weit mehr als ein virtuoser Saitenabend. Es war eine musikalische Weltreise, elegant, leidenschaftlich und mit einer Selbstverständlichkeit gespielt, als gäbe es zwischen Flamenco, italienischer Folklore, Bossa Nova, Rock, Disco und lateinamerikanischen Farben überhaupt keine Grenzen.
Seine Musik kennt
keine Grenzen
Vielleicht ist genau das der Satz, der für Manuel Randi erfunden wurde: Musik kennt keine Grenzen. Er spielt sich durch Länder, Stile und Stimmungen, als stamme er immer genau von dort, wo das gerade gespielte Stück zu Hause ist. Ein Weltbürger der Musik also – und einer, der selbst schwierigste Stücke mit einer Leichtigkeit und Eleganz vorträgt, wie man sie nur selten hört.
Das Erstaunliche daran: Selbst nach den technisch anspruchsvollsten Passagen wirkt Randi nicht angestrengt, sondern so frisch, als sei er gerade entspannt vom Strand gekommen, um an der Strandbar noch schnell einen Drink zu nehmen und nebenbei ein paar Weltklasse-Läufe auf der Gitarre einzustreuen. Schon in der ersten Hälfte des Konzerts wurde klar, wie breit sein musikalischer Horizont ist. Titel wie „Per Te“, „Una notte a Sanremo“, „Alumbao“, „Per una carezza“ oder „Swinging in Spain“ waren nicht einfach Programmpunkte, sondern Stationen einer Reise, auf der sich mediterrane Wärme, rhythmische Präzision und große Spielfreude zu einem stimmigen Ganzen verbanden. Da war nichts geschniegelt-virtuos um der Virtuosität willen. Randi spielte mit Herz, mit Witz und mit einem feinen Gespür dafür, wann Musik schwelgen darf und wann sie zupacken muss.
Dass dieser Abend so stark wurde, lag freilich nicht nur an ihm allein. Mit Marco Stagni am Kontrabass und E-Bass sowie Mario Punzi an Percussion und Schlagzeug hatte Randi zwei musikalische Könner an seiner Seite, die weit mehr waren als bloße Begleitung. Die drei sind hörbar zusammengewachsen, sie bilden einen echten musikalischen Dialog. Immer wieder entstand der Eindruck, als würden die Instrumente miteinander sprechen, sich antreiben, sich necken und dann wieder ganz organisch zu einer einzigen Klangbewegung verschmelzen. Von leisen, lyrischen Momenten bis zu feurigen rhythmischen Ausbrüchen hatte dieses Trio alles im Angebot, und alles hatte Klasse.
Ausflug in
die Italo-Disco-Welt
Nach der Pause wurde es dann „hammerhart“. Randi tauchte tief ein in jene Italo-Disco-Welt, die in den 1980er- und 1990er-Jahren um die Welt gegangen ist, und zeigte dabei, dass auch diese oft unterschätzte Musik in den richtigen Händen elektrisieren kann. Dazu kamen harte Rockfarben, satte Grooves und eine Lust am Ausprobieren, die den Saal endgültig mitriss. Das war keine gefällige Wohlfühlmusik mehr, sondern ein Abend, der Fahrt aufnahm und den Haberkasten spürbar zum Kochen brachte. Man merkte dem Publikum an, wie gern es sich auf diese Mischung einließ: mitwippen, mittanzen, mitklatschen – all das stellte sich beinahe von selbst ein.
Gerade diese stilistische Offenheit macht Manuel Randi so besonders. Er beherrscht nicht nur verschiedene musikalische Sprachen, er spricht sie auch glaubwürdig. Bei ihm klingt südamerikanische Leichtigkeit nicht nach touristischer Postkarte, italienische Leidenschaft nicht nach Klischee, Rock nicht nach Ausflug und Flamenco nicht nach Zitat. Er nimmt jedes Genre ernst und verwandelt es doch in etwas Eigenes. So entsteht jener unverwechselbare Randi-Sound, der virtuos ist, aber nie kühl, und mitreißend, ohne sich anzubiedern.
Ein zusätzlicher Höhepunkt wartete ganz am Ende, als mit Yinet Rojas ein Überraschungsgast auf die Bühne kam. Die Sängerin und Gitarristin, vielen Freunden der Weltmusik auch durch „CubaBoarisch 2.0“ bekannt, erwies sich als starke Musikerin mit warmer Stimme und großer Ausstrahlung. In ihrer Präsenz lag jener Zauber der Karibik, von dem man oft liest, der aber an diesem Abend tatsächlich zu hören war. Gemeinsam mit Randi setzte sie dem Konzert noch einmal ein besonderes Glanzlicht auf.
Drei Jahre lang
um Konzert bemüht
Wie dieses Konzert überhaupt in Mühldorf zustande kam, erzählte Andrea Müller vom Kulturamt der Stadt bei der Begrüßung mit entwaffnender Ehrlichkeit: Drei Jahre lang, sagte sie, sei sie Manuel Randi wegen eines Konzerttermins nachgelaufen, jetzt habe sie ihn endlich überredet – und freue sich „ganz narrisch“. Diese Freude teilte das Publikum sichtbar. Der starke Applaus, die Begeisterung im Saal und die spürbare Lust am Mitgehen waren dafür der beste Beweis. Und vielleicht darf man nach diesem Abend noch einen kleinen Wunsch hinterherschicken: Andrea Müller könnte ruhig bald wieder damit anfangen, Manuel Randi nachzulaufen. Das Publikum im Haberkasten freut sich sicher, wenn er sich noch einmal einfangen lässt.