Ein Psychothriller im Haus der Kultur

von Redaktion

Theatergastspiele Fürth sorgen mit dem Stück „Black Mountain“ für ein intensives Erlebnis

Waldkraiburg – Es war keine leichte Kost der Theatergastspiele Fürth, die in Waldkraiburgs Haus der Kultur dem Publikum geboten wurde. Mit dem Thriller „Black Mountain“ des britischen Autors Brad Birch wurde es vor Fragen nach Schuld, Verantwortung und Identität gestellt. Getragen haben diesen Abend die zwei jungen Schauspieler Luise Oevermann als Rebecca und Alexander Milz als Paul. Ausdrucksstark und mit intensiver Körpersprache verstärkten sie die sehr emotionale Atmosphäre. Geheimnisvoll, fordernd und bedrohlich tauchte zudem Helen auf (Mirja Henking). Sie brachte Pauls Vergangenheit ins verwirrende Spiel.

In einer Holzhütte unterhalb der Berglandschaft des „Black Mountain“ versuchen Rebecca und Paul, ihre Beziehung zu retten: Hier, an diesem abgelegenen Ort, wollen sie einen Neuanfang wagen mit getrennten Schlafzimmern, weg von Erinnerungen und Fehlern in der Vergangenheit. Ihre Regeln: Sich gegenseitig zuhören, fair und ehrlich sein – was von Rebecca recht bestimmend und fordernd umgesetzt wird.

Eines lernen beide sehr schnell: Man kann nicht immer davonlaufen, besonders nicht, als Helen, eine von Pauls Affären, auftaucht. Was sie im Schilde führt, wird recht bald deutlich: Sie will eine gemeinsame Zukunft mit Rebeccas Freund. Diese Dreier-Konstellation wird jedoch gestört von merkwürdigen Tatsachen: eine verschwundene Axt, ein blutiger toter Vogel, Geräusche aus der Duschkabine und schemenhafte Menschen in der Ferne.

Je weiter der Abend fortschreitet, desto mehr und intensiver erfasst das Gruseln die gespannt wartenden Zuschauer. Es kommt zu konfliktbeladenen Dialogen, Bemühungen um Annäherung und Abwehrversuchen – dabei erweisen sich ihre Alltäglichkeiten als durchaus glaubhaft. Dies wird noch unterstrichen durch eintönige Musiklaute auf einer imaginären Bergtour zum „Black Mountain“, von dem teilweise aufdringliche Echostimmen widerhallen.

Als Helen als angebliche Nachbarin auftaucht und sich eine Freundschaft der beiden Frauen beim Song „Hello my friend“ anbahnt, wird die angedeutete Idylle gestört durch eine Motorsäge der Holzfäller im nahen Wald und Pauls Kampf mit der Mückenplage. Und immer geheimnisvoller und bedrohlicher dazwischen Helen, was eine Versöhnung mit Rebecca unmöglich erscheinen lässt. Dies unterstreichen die immer wieder wabernden Dunstschwaden, was einen älteren Besucher in der Pause zum Bekenntnis veranlasste: „Eine etwas nebelhafte Sache!“

In der kargen Bühnenumgebung wurde das Publikum anschließend immer wieder zum stillen Zeugen eines Machtkampfs, der sich langsam zuspitzte. Dies unterstrichen flackerndes Licht, zuckende Blitze, furchterregende Dunkelheit und grelle Taschenlampen, was bei den Protagonisten – wie sicher auch bei dem einen oder anderen Besucher – Angst suggerierte.

Die großteils doch etwas älteren Zuschauer fragten sich gegen Ende sicher oftmals, was nun Realität, was Fiktion sei, was die Spannung des Stücks noch einmal deutlich erhöht hatte. In „Black Mountain“ wurde das Publikum zum stillen Zeugen eines menschlichen Kampfes, weil das, was im Kopf herumspukt, oft unausgesprochen bleibt. Es erzählte von Personen mit den menschlichen Grundmustern von Angst, Kontrolle und Verdrängung.

Dieser Eindruck wurde bestätigt durch den recht lange anhaltenden Applaus am Ende. Er bewies, dass man soeben hochaktuelles Theater gesehen hatte, weil es Fragen nach Verantwortung und psychischer Gewalt stellte, die heutzutage dringlicher denn je sind. Dies spielte wohl auch beim Resümee eines recht jungen Besuchers eine wichtige Rolle: Er sprach von einem „Superstück“, das Beziehungen der jungen Generation, verkörpert durch die Schauspieler, mehr als deutlich widergespiegelt habe. Erika Fischer

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