Derber Humor und leise Zwischentöne

von Redaktion

Comedian Maxi Gstettenbauer erstmals in Mühldorf zu Gast – Haberkasten ausverkauft

Mühldorf – Der aus Bayern stammende Maxi Gstettenbauer fühlte sich am Dienstagabend im ausverkauften Haberkasten sichtlich wohl. Der inzwischen in Nordrhein-Westfalen residierende Comedian war zum ersten Mal in der Kreisstadt zu Gast. Meike Borchard vom Kulturamt musste den aus dem Fernsehen bekannten Künstler nicht lange vorstellen: Mit seinem aktuellen Programm bot er den mehr als 200 Zuschauern humoristische Stabilität in einer „maximal instabilen Welt“.

Publikum mit
lässigem Timing im Griff

Zu Beginn dauerte es eine kurze Weile, bis Gstettenbauer mit seinem Publikum warm wurde: Dass Hunde Kindern vorzuziehen sind, fand noch nicht jeder witzig. Dass Friedrich Merz eine Hassfigur sei, die sogar in einem Etablissement nach einer Quittung verlangen würde, fanden hingegen schon mehr zustimmungsfähig. Der erste große Applaus folgte der Pointe, dass in Bayern insofern noch alles im Lot sei, weil hier noch der Dorfpädophile am Sonntag die Predigt halten würde. Ab da hatte Gstettenbauer mit lässigem Timing und dem charmant-entspannten Bühnencharakter das Publikum in seine humoristische Gedankenwelt gezogen. Ob Spielplatzkonflikte zwischen überambitionierten Vätern, peinliche Konversationen beim Kinderschwimmen oder das Dilemma mit der inneren Stimme von intelligenten Zeitgenossen: Gstettenbauer navigierte derb, aber souverän durch ein breites Themenfeld.

Mit einer nachhallenden Kritik an der Bewältigung der Corona-Pandemie regte Gstettenbauer wiederum zeitweise zum Nachdenken an, genauso, wie mit der selbstironischen Beschreibung von Alltagsproblemen seiner Berufsgruppe: ADHS, Depressionen – viele Comedians hätten ein hartes Brot zu verdienen. „Ihr wollt keine glücklichen Künstler!“, lautete das Fazit eines Gedankenexperiments, in dessen Zentrum auch der Kollege Torsten Sträter stand. Das Argument entbehrt keineswegs einer gewissen Logik, denn unbestreitbar kommt auf der Bühne aktuell am besten derjenige an, der sich selbst zum Idioten macht.

Besonders stark waren auch jene Momente, in denen der Comedian über bewusst gesetzte Bedenkpausen zu völlig abstrusen Wendungen oder aber Übertreibungen kam, die das Publikum regelmäßig toben ließen.

Gstettenbauer berichtete von seinem Leben zwischen Gaming und Familienalltag, vom Erwachsenwerden, das nie so richtig gelingen will und von der scheinbaren Unmöglichkeit, inmitten dauernder Krisen „stabil“ zu bleiben. „Früher hat man gesagt: Die Zeiten ändern sich. Heute sagt man: Die Zeiten machen mich fertig“, witzelte er.

Comedy mit
klugen Beobachtungen

Der Haberkasten erwies sich dabei als idealer Rahmen für Gstettenbauers Bühnentempo: nahbar, familiär und akustisch perfekt für seine Mischung aus energischen Passagen und stilleren, fast nachdenklichen Momenten. Gerade diese leisen Zwischentöne sorgten für besondere Wirkung – und machten deutlich, dass Gstettenbauers Comedy nicht nur oberflächlich unterhalten will, sondern auch kluge Beobachtungen liefert.

Das Publikum feierte den Comedian am Ende mit lang anhaltendem Applaus und forderte eine Zugabe, die allerdings angesichts der vorausgegangenen beinah zwei Stunden kurz ausfiel. „Stabil“ zeigte sich als Programm, das humorvoll den Finger in die Wunden des Alltags legt, ohne dabei den Optimismus zu verlieren. Ein gelungener Abend im Mühldorfer Kulturkalender.

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