Mühldorf – Frühling, Fröhlichkeit, Fachkompetenz, Freude: Wenn sich so viele „F“ treffen, muss eine besonders famose Person dahinterstecken: Selbstverständlich ist es nicht, dass geballtes Wissen, handfester Charme, ausgewogenes Gefühl für Text und Musikrhythmus aufeinandertreffen. Die „Kulturfreunde Mettenheim“ hatten Franziska Wanninger, bekannt als bodenständig intelligente Kabarettistin, zu einer Lesung ihres Buchs „Der famose Freistaat“ eingeladen, das die im Landkreis Altötting aufgewachsene studierte Germanistin (Zulassungsarbeit über Gerhard Polt) mit dem Kabarett-Kollegen Martin Frank publiziert hatte.
Wer eine dröge Lesung befürchtete, den belehrte die herb-quirlige Autorin eines Besseren: Da sprudelten die sorgsam recherchierten Fakten über Ober- und Niederbayern, Schwaben und Franken nur so heraus, gewürzt mit eigenen Anekdoten, aber auch mit Gedichten und Aphorismen. Da präsentierte sie beispielsweise einen Vortrag über den Ursprung der Bayern, einen komplizierten Sachverhalt, so nonchalant und selbstverständlich, dass man sich kurze Zeit überlegt, wie viel der Schülerschaft daran verloren gegangen ist, dass sich die angehende Lehrerin doch dem Kabarettgeschäft zugewandt hat. So aber hatte das Mettenheimer Publikum einen unterhaltsamen Abend, lernte die drei Bedeutungen des Wortes „oi“ für die Niederbayern kennen oder die vielen fränkischen mundartlichen Varianten für den Satz „Ich wollte ihr tragen helfen“. Bayern hat so viele Widersprüche und Aspekte – und Franziska Wanninger ist angetreten, Bayern ganzheitlich darzustellen. Inklusive wunderbar sensibler Texte aus eigener Feder und der ihres dichtenden Onkels. Dass der sympathische bayerische Bühnenmusiker Florian Burgmayr die Texte musikalisch passgenau mit griabig-widerspenstigen Akkordeonblueslandlern oder Tubaminiaturen illustrierte, vervollständigte den Genuss am famosen Infotainment im Mettenheimer Kulturhof. Ulrike Zöller