Waldkraiburg – Eine angenehme Überraschung erwartete die Besucher des Irish Spring Festivals: Wegen Reparaturarbeiten fand die Musikshow im Großen Saal statt. Begrüßt und humorvoll eingeführt von Moderatorin Siri Svegler, war es Eleanor Shanley mit ihrer klaren, kräftigen Stimme, die zusammen mit Ultan Conlon und dem beschwingten „m‘Eireannach Ban“ den Abend eröffnete. Und schon beim „Tanz zu den Papierrosen“ begann man im Publikum mitzuklatschen.
Im Gegensatz dazu konnte man beim „Lied von den Wildgänsen“ ins Träumen geraten. Ein traditionelles schottisches Volkslied, schon 1792 entstanden, ist „Lady Mary Ann“, in dem die zarte Liebe der Jugend beschrieben wird. Im Walzertakt ging es weiter mit „Sliabh Russel“, einem lebhaften traditionellen Tanz, dem das bekannte „Dirty old Town“ folgte: Das schmutzige Dublin wird darin besungen.
In den „Hard times“ wiederum kam deutlich zum Ausdruck: „Alles, was ich will, ist, einfach wieder aufzuwachen!“ Begleitet von Ultans Gitarre stimmten beide Interpreten den Dudelsack-Song an, dem das flotte „One Four Four“ folgte. Um ein Abgetriebenwerden auf der irischen See ging es, bevor bei „Take a Dream“ das nüchterne Speichern auf dem PC vorgespielt wurde. Kontrastprogramm dazu das Lied von einem schönen Mädchen: „Bonnie Lass Of Fyvie“. Mit den „Nordlichtern am Polarkreis“ verabschiedete sich das großartige Duo Eleanor und Ultan und schuf Platz für Conor Mallon aus Nordirland, der mit seiner Uilleann Pipe zusammen mit drei Mitspielern sofort bei „McPhereson‘s Rant“ mit dunklen Verliesen bestach und die Stimmung weiter anheizte. Dabei verstand er gekonnt, seine Pipe auch gegen eine zarte Flöte einzutauschen und rhythmisch zusammen mit der Snare Drum, einer mit Fell bespannten vibrierenden Trommel, und den beiden Gitarren stakkatoartig zu beginnen und dann fließend weich zu enden.
Dies war für Steptänzerin Lenka Fairy die Aufforderung, ihr Können zu zeigen, was vom Publikum mit Beifall und Bravorufen belohnt wurde. Das steigerte sich noch, als der Mann an der Trommel, der stets etwas im Hintergrund stand, zu seinem rasanten Solo ansetzte, in das die drei anderen Instrumente mit einfielen und die tiefen Töne des Dudelsacks die Besucher in die Pause entließen.
Nur hochzufriedene Kommentare des sachkundigen Publikums, vorwiegend im beginnenden Rentenalter, waren zu hören. Den zweiten Teil begann Sängerin Jona Fyte zusammen mit Keyboarder und E-Gitarrist und sie verriet: „Unsere Sprache ist zwar schwer zu verstehen, aber die Songs stecken voller Lebensfreude, selbst wenn es sich um eine Hinrichtung handelt.“
In „Parnell’s March“ ging es dann um das irische Frei- heitsbewusstsein und das mehrstrophige „Tarbolton“ handelte von einem kleinen schottischen Ort. „Sailor‘s Bonnet“ dagegen beschrieb die bittere Beziehung zu einer freiheitsliebenden Person und auch in dem sehr besinnlichen „Eileen Og“ von den Dubliners liebt ein schönes Mädchen ausgerechnet einen, der sie ignoriert.
Für viele zu früh nahte das Ende, angekündigt von Eleanor Shanley. Und es war ein wunderbarer Ausklang mit „Still I love him“, einer treuen Frau, die trotz widriger Umstände zu ihrem Geliebten steht. Traditionell schottisch schließlich, nach endlosen Beifallsbekundungen verschiedener Art, das Abschiedslied „The parting Glass“. Mit ihm hätte so mancher Besucher des Irish Spring Festivals – wenigstens symbolisch – gerne auf den großartigen Abend angestoßen. fis