Wenn Rock und Pop auf Profis der Manege treffen

von Redaktion

„Rock The Circus“ sorgt mit Spitzenartistik für Top-Unterhaltung im Haus der Kultur in Waldkraiburg

Waldkraiburg – Was haben AC/DC, Queen, Pink Floyd, eine fesche Messerwerferin und der stärkste Mann der Ukraine gemeinsam? Bei „Rock The Circus“ lautet die Antwort: eine ganze Menge. Denn was auf den ersten Blick wie eine ziemlich kühne Mischung klingt, erwies sich im „Haus der Kultur“ als mitreißendes Gesamtkunstwerk – rasant, kraftvoll, sinnlich und mit einer großen Portion Showgespür.

Das artistische
Handwerk sitzt

Die Grundidee von „Rock The Circus“ ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Die pulsierende Energie eines Rockkonzerts wird mit der Faszination hochklassiger Zirkusartistik verbunden. Heraus kommt kein traditioneller Zirkusabend und auch kein gewöhnliches Konzert, sondern eine Show, in der solides artistisches Handwerk auf hohem Niveau mit viel „Light and Sound“, professioneller Tanzperformance und starkem Livesound zusammengeführt wird. Und genau das funktionierte hervorragend und sorgte für Begeisterungsstürme.

Schon früh war klar: Hier geht es nicht um ein paar lose Nummern, die zwischen Rockklassikern platziert werden. Vielmehr griff an diesem Abend vieles ineinander. Die Songs waren auf die Darbietungen abgestimmt, die artistischen Beiträge fügten sich stimmig in die Dramaturgie ein, und so entstand tatsächlich jener Eindruck, den die Show verspricht: Hier wächst zusammen, was zusammengehört.

Im Zentrum stand dabei die Musik. Eine hervorragende Band präsentierte Rock-Hits mit Druck, Gefühl und großer Bühnenpräsenz. Vor allem aber verliehen Elena Necchi und Jakopo Sarno dem Abend stimmliche Klasse. Beide überzeugten mit starken Stimmen, Ausdruck und Charisma. Ihre Auftritte hätten für sich genommen schon einen Konzertbesuch gerechtfertigt. In Verbindung mit der Artistik aber entstand eine zusätzliche Spannung, die den Abend immer wieder auf ein neues Niveau hob.

Einer der ganz großen Hingucker war Denys Ilchenko, der nicht umsonst als stärkster Mann der Ukraine bekannt ist. Was er auf der Bühne zeigte, war im wahrsten Sinn des Wortes stark. Ilchenko jonglierte mit Lkw-Reifen, ließ Menschen um sich kreisen und wurde zum lebenden Karussell für gleich sechs Personen – und das mit einer Leichtigkeit und einem Lächeln, die den Eindruck fast noch verblüffender machten. Diese Mischung aus Kraft, Kontrolle und spielerischer Präsentation machte seine Auftritte zu einem Höhepunkt des Abends.

Ganz anders, aber nicht minder beeindruckend, präsentierte sich „Ciclester“ auf dem BMX-Rad. Er war gewissermaßen der „Running Gag“ der Show und sorgte mit feinem Gespür für Timing und Komik immer wieder für Lacher. Doch hinter der Comedy steckte großes artistisches Können. Was auf den ersten Blick locker und fast beiläufig wirkte, war in Wahrheit präzise gearbeitet, hochkonzentriert und von beeindruckender Körperbeherrschung getragen. Gerade diese Verbindung aus Humor und Virtuosität machte seine Darbietung so stark.

Für einen besonderen Nervenkitzel sorgte die Top-Artistin Eyerusalem Hadush: Dass ein menschlicher Körper sich so verbiegen und verrenken kann, ist für den „Normalbürger“ wohl unvorstellbar. Als hätte sie kein Knochenskelett, bewegte, schlängelte und verbog sich die Artistin – als sie dann aus einer kniffligen Verrenkung heraus mit einem mit den Füßen gespannten Bogen sicher ins Ziel traf, gab es donnernden Applaus und Bravo-Rufe.

Einen anderen Ton schlug die „Gomonov Knife Show“ an. Die alte Zirkuskunst des Messerwerfens bekam hier eine moderne, knappe und durchaus hocherotische Verpackung. Das war effektvoll inszeniert, spannungsgeladen und nichts für schwache Nerven. Auch hier zeigte sich, wie auch bei den Auftritten weiterer Artistik-Profis, dass „Rock The Circus“ traditionelle Zirkuselemente nicht einfach reproduziert, sondern in eine zeitgemäße Form übersetzt, ohne den Respekt vor dem handwerklichen Kern zu verlieren.

Überhaupt lag darin eine der großen Stärken des Abends: „Rock The Circus“ setzt nicht allein auf Effekte, sondern auf echtes Können. Bei aller Rasanz, bei allem Lichtzauber und bei aller rockigen Wucht bleibt die Basis immer solides artistisches Handwerk. Risikobereitschaft, Präzision, Körpergefühl, Disziplin und Timing – all das war auf der Bühne jederzeit spürbar. Gerade deshalb wirkte die Show nicht beliebig, sondern überzeugend.

Dazu kam eine professionelle Tanz- und Musikinszenierung, die den Abend optisch zusammenhielt und immer wieder für Schwung sorgte. Die Übergänge waren flüssig, das Tempo hoch, die Bilder stimmig. Mal donnerte der Rock, mal wurde es gefühlvoller, dann wieder spektakulär. Langeweile hatte an diesem Abend keine Chance.

Ohne Nostalgie,
aber mit Respekt

Und das Publikum? Das kam zunächst aus dem Staunen und dann aus dem Klatschen kaum mehr heraus. Immer wieder gab es spontanen Applaus, sichtliche Begeisterung und am Ende das klare Gefühl, dass dieser Abend weit mehr war als nur eine bunte Nummernrevue. Er war der Beweis dafür, dass Zirkus in dieser Form eine echte Zukunft haben kann: ohne Nostalgie, aber mit Respekt vor der Tradition; modern inszeniert, aber handwerklich fundiert; publikumsnah, temporeich und generationenübergreifend verständlich. Ein Abend mit Wucht, Witz, Risiko und Gefühl – der Besuch hat sich gelohnt.

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