Federnd-feierlich in den Frühling

von Redaktion

Barocke Klänge mit dem Ensemble Lux Sonorum in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus

Mühldorf – Welches Orchester spielt hier? Diese Frage mag sich der eine oder andere zufällig ins Konzert Gekommene gestellt haben. Tatsächlich bildeten die drei Trompeter Peter Weber, Michael Margott und Martin Zwiefelhofer zusammen mit Organist Martin Nyqvist und Paukist Tom Wagner eine solche klangliche Einheit, erzeugten eine solche homogene Klangdichte, dass der Eindruck eines großen Klangkörpers entstand.

Schon beim feierlichen Auftakt, dem Concerto Grosso des erzgebirgischen Komponisten Gottfried Heinrich Stölzel (1690 bis 1749), war die Stärke des Ensembles zu hören. Neben der Homogenität, dem absoluten Unterordnen in Satz und Ausdruck, begeisterten die vier Musiker mit einer Interpretation der Barockwerke, die nicht protzig-bräsig, sondern vielmehr federnd-frühlingshaft klang, ohne an Würde zu verlieren. Weich und ohrenschmeichelnd war die Pauke, prägnant, aber nie zu präsent erklangen die Trompeten, dazu kam das „Orchester“ der Orgel, die den ureigenen Klang des Ensembles vervollständigte.

Auch in der Programmgestaltung ging das Quintett sehr eigen vor: So begann das Konzert mit dem weniger bekannten Werk von Gottfried Heinrich Stölzel, darauf folgte das Orgelkonzert op. 4, Nr. 2 von Georg Friedrich Händel, mit viel Sinn für dynamische und klangliche Details interpretiert von Martin Nyqvist.

Strahlend erklang danach das Concerto Grosso in D- Dur von Georg Philipp Telemann. Hier war das besonders akzentuierte Ensemblespiel eine Freude für das Publikum, das in der festlich geschmückten Kirche die Ostertage mit Barockmusik ausklingen ließ.

Umso mehr stieg spürbar die Spannung, als Martin Nyqvist seine Improvisation zu „Christ ist erstanden“ vortrug: Da entstanden Klangkaskaden, gefolgt von techno-gleichen Bässen, da wechselten Pianissimostellen zu Explosionen. Und immer wieder zwischendurch gleichsam eine deutlich hörbare musikalische Linie der Beständigkeit, Lebenshilfe, auch in der Unsicherheit der Zeit. So kam die Osterbotschaft ganz nah an das Publikum heran, das nach der abschließenden Toccata per il „Deo Gratias“ von Giambattista Martini ein in jeder Hinsicht herausragendes Konzert erlebt hatte.

Ulrike Zöller

Artikel 6 von 6