Besser geht a cappella nicht

von Redaktion

„LaLeLu“ brauchen keine Instrumente – Umjubelter Auftritt im vollen Haberkasten zum 30-jährigen Bestehen

Mühldorf – Die Zuschauer im brechend vollen Haberkasten hatten es wohl alle genau gewusst – besser geht a cappella nicht, besser kann man nicht unterhalten werden. LaLeLu hatte auf der Jubiläumstour zum 30-jährigen Bestehen in der Kreisstadt Station gemacht.

Was ist eigentlich „a cappella“? Es handelt sich dabei um Musik, die ausschließlich durch Gesang oder durch Erzeugung von Geräuschen, jedoch ohne jegliche Musikinstrumente gemacht wird. Hinter „LaLeLu“ verbergen sich Sanna Nyman, Jan Melzer, Tobias Hanf („Ich hab in Mühldorf ein Geschäft von mir entdeckt“) und Frank Valet.

Die Vier legen einen fulminanten Start hin: „Wir feiern 30 Jahre“ mit der Melodie von „Bridge over troubled water“, gefolgt von einem Lied von Enrique Iglesias „Hero“. Es heißt „Grüner wird es nicht“. Ein Taxifahrer bleibt bei einer roten Ampel stehen und fährt nicht weiter. Ihm wird ein Besuch der Fahrschule empfohlen. Ebenso der Frau, die mit 30 km/h hinter einem Traktor herfährt. Nachdem der Mann sich ans Steuer gesetzt hat, landet man im Straßengraben: Er fährt sonst nur Roller und muss auch in die Fahrschule.

Sanna Nyman kommt aus Lahti in Finnland, ihr Vater ist Finne, die Mutter deutsch. In „Die spinnen, die Finnen“, erklärt sie Eigenarten ihres manchmal etwas skurrilen Heimatlandes: So bedeutet das Wort „Kalsarikännit“, sich alleine in Unterhose zuhause zu besaufen. Beim Frauentragen trägt der Mann seine Frau über 250 Meter – und der Gewinner bekommt so viel Bier, wie die Frau wiegt. „Hui, da flitzt der Finne aber schnell.“ Die Finnen lieben ebenfalls ihre Sauna und sie sind „sisu“ – unkaputtbar. Im Deutschen würde man heutzutage „resilient“ sagen.

Besonders gelungen ist „Junge Oper einmal ganz anders“. Hier sollen jüngere Menschen für die Oper begeistert werden und so wird Ballermann-Prosa mit Klassikern aus der Oper vermischt – zur Oper „Der Bierkönig“. Zur „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach gibt es folgenden Text: „Ich hab Zwiebeln auf dem Kopf, ich glaub ich bin ein Döner. Baguette macht fett, Sushi macht wuschi, nur Döner macht schöner.“ „Schatz, geh doch mal Bier holen, du bist schon wieder hässlich“, gibt es zu einer Melodie aus Mozarts „Zauberflöte“. Der Hit von Gottlieb Wendehals „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse“ wird mit einem Lied aus den „Carmina Burana“ von Carl Orff verquickt.

Ein Höhepunkt sind die Parodien prominenter Zeitgenossen von Tobias Hanf, anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Formation haben sich zahlreiche Prominente zum Gratulieren eingefunden und äußern sich mit für sie typischen Formulierungen: Helmut Kohl feiert sich als „Kanzler der Einheit“, der frühere Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gibt zum Besten: „Wer meine Bücher nicht gelesen hat oder wer die ‚Buddenbrooks‘ nicht auswendig kann, der hat auf einer Bühne nichts verloren.“ Gerhard Schröder ist auch da: „Wenn Sie zu LaLeLu gehen, ist das ungefähr so, wie Friedrich Merz ins Stadtbild passt.“ Willy Brandt gibt sich die Ehre. Jürgen Trittin, der Erfinder des Dosenpfands, und Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler und Kinderbuchautor. Edmund Stoiber spricht eher stockend: „Ich habe, ich werde, wäre ich 2002 Kanzler geworden, dann wäre uns diese Frau mit den herabgezogenen Mundwinkeln, die Pastorentochter aus der Uckermark, erspart geblieben.“ Markus Söder liefert ein „Servus aus Mittelfranken“. Und dann weiter: „Ich werde ab 2029 die nächsten 16 Jahre das Kanzleramt okkupieren und dann ziehe ich 2045 ins Schloss Bellevue.“ Karl Lauterbach: „Ich möchte auf ein Virus hinweisen: LLL 95 ist positiv für Herz, Zwerchfell und auch für die Verdauung. LLL-Fans leben zehn Jahre länger als andere Menschen. Wenn ich wieder Gesundheitsminister werde, gibt es LLL auf Krankenschein.“ Auch sportaffine Personen sind gekommen. Reiner Calmund sagt: „LaLeLu ist wie ein Vier-Gänge-Menü. Am besten sind die frittierten Ochsenhoden auf Erdbeerbett“. Jogi Löw meint: „LaLeLu ist als Team unschlagbar. Sie können das Tempo wechseln.“ Peter Maffay: „Hallo Freunde! Ich bin in einer Krise. LaLeLu ist 30, ich bin 76. Und es war Sommer. Und sie ist mittlerweile 91.“ Rudi Carrell: „Ich habe am laufenden Band tolle Frauen kennengelernt: Heidi Kabel, Inge Meysel, Brigitte Mira.“ Jorge aus „Let’s dance“ grüßt traditionell: „Hola, chicas!“ Jan Melzer resümiert: „Wenn ich die Orginale im Fernsehen sehe, dann denke ich: Wie schlecht die den Tobi parodieren.“

Tobi ist im Übrigen der Bass, so passt seine Parodie von Max Raabe wunderbar. Und Sanna und Frank geben das dazugehörige Palastorchester. Jan Melzer gibt dann gegen Ende des sehr lustigen Abends noch Herbert Grönemeyer zum Besten. Leider geht der unterhaltsame Abend dann doch seinem Ende entgegen. „Eine schlechte Nachricht: Das ist das letzte Stück. Die gute Nachricht: Es dauert sehr lange.“ Es schließt sich eine Vielzahl von A-cappella-Liedern an.

Als Zugabe gibt es das Geburtstagslied „LaLeLuja“, das die Melodie von Leonard Cohens „Halleluja“ nutzt. „1995 fing es an, auf einer Semesterparty, dann oh Mann, waren wir der Höhepunkt in jedem Musikhochschuljahr. Jedes Jahr war für uns ein LaLeLu-Jahr“. Für die Besucher des Haberkastens war es ein LaLeLu-Abend, den sie so bald nicht vergessen werden.

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