„Kurtsgeschichten“ eines Märchenerzählers

von Redaktion

Ein besonderer Abend im Atelier „Clar“

Mühldorf – Andere Veranstalter würden sich die Haare raufen: Nicht so im Atelier Silke von Clarmanns. Kurzfristig hatte das angekündigte Musikerduo krankheitsbedingt seinen Auftritt absagen müssen. Doch keineswegs als Notlösung wandte man sich an einen Bekannten, der mit seinen Erzählungen schon einmal einen Abend im Atelier gestaltet hat. Und so genoss das Publikum zwei Stunden lang die kurzweiligen Geschichten des Pollingers Kurt Lehner.

Drei Märchen zum Thema „Mond“ hatte er in seinem Zauberkoffer, der gefüllt war mit Requisiten wie Glöckchen, kleinen Figuren, Bildern und einem Bettchen für die erkrankte Prinzessin Eleonore, die in der ersten Erzählung die Hauptrolle spielte und unbedingt den Mond besitzen wollte. Lehnert bot den Marschall, einen Zauberer und sogar den Hofnarren auf, doch leider konnte ihr letztlich nichts helfen: Er leuchtet immer noch vom Himmel. Die zweite Geschichte entführte in ein dunkles Moor, in dem gruselige Hände von schrecklichen Frauen nach Eindringlingen griffen. Doch der Mond – ganz in Grün und in einen Umhang gehüllt – half nicht nur einem jammernden Mann, sondern überwand die gesamte Gespensterwelt. Eine alte Frau erzählte schließlich allen von dieser Rettung im Moor, worauf der Vollmond am Himmel wieder sichere Wege ausleuchten konnte.

In der dritten Geschichte war wieder eine Prinzessin die Hauptperson. Sie wollte partout nicht heiraten, allenfalls einen, der ihr eine blaue Rose brachte. Sämtliche Versuche und Tricks eines Soldaten, eines Kaufmanns und eines Alchemisten nützten nichts – bis die Melodien einer Musikerin die gendernde Prinzessin so verzauberten, dass sie sich in die Frau verliebte und gleichsam als Hochzeitsgeschenk von ihr sogar eine weiße Rose annahm.

Das Publikum spendete so eifrig Beifall, dass eine Zugabe nach Japan entführte. Dort wollte ein Mönch einen unglücklichen Apotheker mit einem Glöckchen aufheitern, das er in dessen Kirschbaum hängte. Ein Bote, der es zurückbringen sollte, verfiel dem Klang ebenso wie ein weiterer Lakai und zu diesem Dreiertanz meinte der Erzähler unter dem Schlussbeifall der Zuhörer: „Und wenn sie nicht gestorben sind, tanzen sie noch heute!“ Erika Fischer

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