Wenn die gute alte Zeit quicklebendig wird

von Redaktion

„Caty and the Choogle Rockers“ feiern im Haberkasten den Sound von Creedence Clearwater Revival

Mühldorf – Es gibt Musik, die altert nicht. Sie bekommt höchstens Patina, ein bisschen mehr Geschichte, ein paar Erinnerungen mehr – und wenn sie gut gespielt wird, steht sie plötzlich wieder hellwach im Raum. Genau das war im Haberkasten zu erleben, als „Caty and the Choogle Rockers“ die Bühne übernahmen und den Geist von Creedence Clearwater Revival nicht einfach nachspielten, sondern mit eigenem Zugriff, viel Kraft und hörbarer Leidenschaft neu aufleben ließen.

Der Haberkasten wurde an diesem Abend zur passenden Kulisse für eine Musik, die man heute mit gutem Recht als die gute alte Zeit echter handgemachter Rockmusik bezeichnen darf: keine auf Hochglanz polierte Computerware, kein Klangnebel aus Hall und Effekten, sondern Stimme, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Saxofon, Rhythmus und Energie. Dass ein Großteil des Publikums schon im gesetzten Alter war, spielte dabei keine Rolle – im Gegenteil. Es wurde mitgesungen, geklatscht, getanzt und gestampft, dass es eine Freude war. Man merkte schnell: Diese Lieder stecken vielen nicht nur im Ohr, sondern längst im Herzen. Schon mit „Born on the Bayou“, „Green River“ und „Suzi Q“ war die Richtung klar. Ein Hit folgte auf den anderen: „Down on the Corner“, „Who’ll Stop the Rain“, „Run Through the Jungle“, „Bad Moon Rising“, „Looking Out My Backdoor“ oder „Have You Ever Seen The Rain“ und viele andere – es war eine Playlist, die kaum Wünsche offenließ. Schon vor der Pause war das Publikum ein großer Chor, in dem einfach mitgesungen wurde. Es war, als hätte die Band eine Tür geöffnet in eine Zeit, in der Songs noch mit wenigen Takten ganze Lebensgefühle aufrufen konnten: Aufbruch, Straße, Sehnsucht, Protest, Sommer, Jugend – und diese unverwüstliche Mischung aus Rock, Blues, Country und Soul, die CCR einst so unverwechselbar machte.

Doch „Caty and the Choogle Rockers“ begingen nicht den Fehler, ihre großen Vorbilder bloß imitieren zu wollen. Sie kopierten nicht, sie verbeugten sich. Und gerade das machte den Abend stark. Die Band nahm die Songs ernst, ließ ihnen ihren rauen Kern, gab ihnen aber einen eigenen Ton. Die Beats hatten jenen Druck der 60er- und 70er-Jahre, bei dem Musik noch aus Händen, Kehlen und Verstärkern kam. Zugleich klang der Abend nie museal. Diese Musik wurde nicht ausgestellt, sie wurde gespielt. Das ideale Aushängeschild dafür war Katharina „Caty“ Fischer. Sie brachte nicht nur eine sympathische, offene Bühnenausstrahlung mit, sondern vor allem eine Stimme, die für Rock’n’Roll und Soul wie gemacht scheint: rauchig, kraftvoll, melodisch und mit jener sinnlichen Wärme, die dieser Musik gut ansteht. Sie schob die Songs nicht in den Vordergrund, sie füllte sie aus. Mal bissig, mal bluesig, mal mit breitem Lächeln – aber immer so, dass man ihr jedes Wort glaubte.

Auch die Musiker hinter ihr verdienten sich den kräftigen Applaus. Gerhard Schuhbeck und Dominik Meindl an den Gitarren sorgten für Druck, Farbe und die nötige Erdung zwischen Swamp-Rock, Country-Riffs und Rock-’n’-Roll-Schub. Woife Fischer am Bass hielt das Fundament stabil und federnd, Daniel Kreitmeier am Schlagzeug trieb die Stücke präzise und kraftvoll voran. Thomas Hagn setzte mit Saxofon, Backing Vocals und Percussion zusätzliche Akzente. Technisch war das durchgehend stark, vor allem aber war bei jedem Akkord zu hören: Diese Musiker spielen nicht Dienst nach Vorschrift. Sie stehen mit Leidenschaft hinter dem, was sie tun.

So wurde aus einem Tribute-Abend mehr als nur Nostalgie. Natürlich lebten Erinnerungen auf. Natürlich hörte man bei „Have You Ever Seen The Rain“ oder „Bad Moon Rising“ die eigene Vergangenheit mit. Aber die Band zeigte zugleich, warum diese Songs bis heute funktionieren. Sie haben klare Melodien, starke Refrains, ehrliche Energie – und sie brauchen keine Verkleidung. Wenn sie so gespielt werden wie an diesem Abend, dann reicht das völlig. Am Ende blieb das Gefühl, einen rundum gelungenen Konzertabend erlebt zu haben. Einen Abend, der sich gelohnt hat, weil er nicht nur bekannte Lieder lieferte, sondern Stimmung, Gemeinschaft und Spielfreude. „Caty and the Choogle Rockers“ machten im Haberkasten deutlich, dass zeitlose Musik nicht von gestern sein muss. Sie kann auch heute noch einen Saal in Bewegung bringen – wenn eine Band auf der Bühne steht, die weiß, was sie tut, und die es mit Herzblut tut. Gerne wieder einmal! Gerd Kreibich

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