Waldkraiburg – Wann ist ein Tenor ein Tenor? Und wie lange ist ein junger Tenor jung? Diese beiden Fragen setzten die „Jungen Tenöre“ charmant provokant an den Anfang ihres Programms im Haus der Kultur. Und gaben mit ihrem ersten Lied gleich ein Exempel davon, dass zwischen Tenor und Tenor riesige Unterschiede bestehen: Mit „La Donna è mobile“ stellten sie ihre Stimmen einzeln vor: Der zierliche Carlos Sanchez singt mit relativ viel Vibrato, nuancenreich und filigran. Der Gesang von Ilja Martin, dem stimmgewaltigsten der drei, der auch unterhaltsam die Moderation des Abends übernahm, ist voluminös, mit einem großen Tonumfang. Sein Stimmumfang umfasst die Tenor- und Baritonlage.
Matthias Eger ist weniger der Heldentenor, sondern vielmehr derjenige, der sich mit seiner weichen Stimme in die Harmonie einpasst: Eine wichtige, aber oft unterschätzte Rolle bei Gesangs-Ensembles.
An Charme und Ausstrahlung fehlt es keinem der drei – und sie wurden auch für ihr Repertoire, das wohl jedem im Saal geläufig war, geschätzt: Für die typischen neapolitanischen Lieder wie „Funiculi Funicula“ oder „O Sole mio“ sowie für die gängigen Operettenmelodien („Meine Lippen, sie küssen so heiß“, „Schenkt man sich Rosen in Tirol“) und die „Hits“ der klassischen Musik aus den Opern „Nabucco“, „Tosca“, „Carmen“ und „La Traviata“. Bei dem Lied „Capri-Fischer“ ermunterten sie das Publikum, mitzusingen. Was die Waldkraiburger sich nicht zweimal sagen ließen und den Schlager lauthals wie textsicher intonierten.
Im Programm hatten aber auch eine Umdichtung des Boyzone-Songs „No matter what“ („Egal, was andere sagen“) Platz oder auch, besonders berührend, Udo Jürgens‘ „Immer wieder geht die Sonne auf“. Begleitet wurde das Ensemble routiniert und zurückgenommen von Simon Berg auf dem Flügel. Für einige Lieder erschien als Überraschungsgast die Ehefrau von Ilja Martin, die Sopranistin Jasmin von Brünken auf der Bühne, die sich hörbar gutgelaunt über ihren Einsatz als Sängerin freute. Ein selbstauferlegtes Multitasking: Denn ihr obliegt das Management des Trios, die Organisation der Konzerte bis hin zum örtlichen Kartenverkauf. Bei einigen Liedern schließlich stand dann, zusammen mit Töchterchen Aurora die ganze Familie auf der Bühne. Vielleicht machte auch das den Charme des Programms aus: Dass hier die Freundschaft unter den Männern, die Familie, das Menschliche einen großen Teil des Programms bestimmen. Dass der Kunst das Elitäre, Unberührbare genommen wird: Gesang zum Anfassen und Miterleben.
Ulrike Zöller