Klangmagie mit viel Entdeckerfreude

von Redaktion

Collegia Musica Chiemgau überzeugt im Mühldorfer Stadtsaal mit starken Solisten

Mühldorf – „Klangmagie“ war dieser Konzertabend überschrieben – und der Titel war nicht zu hoch gegriffen. Die Collegia Musica Chiemgau unter der Leitung von Elke Burkert präsentierte sich im Stadtsaal mit einem Programm, das nicht nur auf bekannte Namen setzte, sondern auch Lust machte auf musikalische Entdeckungen. Gerade diese Mischung aus Vertrautem und selten Gehörtem gab dem Abend seinen besonderen Reiz.

Mit Glanz, Nachdruck
und Begeisterung

Schon der Auftakt mit Heinrich Marschners Ouvertüre zu „Der Templer und die Jüdin“ zeigte, wie viel dramatische Kraft in der Musik dieses heute zu Unrecht etwas vergessenen Komponisten steckt. Marschner gilt vor allem als wichtiger Wegbereiter Richard Wagners – und tatsächlich ließ diese Ouvertüre mit ihrer romantischen Klangfülle, ihrer Zuspitzung und ihren großen Gesten erahnen, wohin sich das Musiktheater im 19. Jahrhundert entwickeln sollte. Elke Burkert und ihr Orchester spielten das mit Glanz, Nachdruck und spürbarer Begeisterung.

Mit Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll folgte einer der großen Publikumsmagnete des Abends. Solist Christoph Declara brachte den kraftvollen Zugriff mit, den Griegs Musik braucht, zeigte aber zugleich in den lyrischen Passagen eine feine, vornehme Zurückhaltung. Sein Spiel war brillant, klar und technisch souverän, zugleich aber nie kühl.

Nach der Pause stand zunächst Gerhard Deutschmanns „Scherzo“ für großes Orchester auf dem Programm. Der 1933 geborene Komponist war selbst anwesend – für das Publikum eine besondere Begegnung. Deutschmann schreibt Musik, die zeitgenössisch ist, aber nicht abweisend wirkt: klar gebaut, wirkungsvoll, mit hörbarer Freude am großen Orchesterklang.

Ein weiterer Höhepunkt war Alexander Glasunows Violinkonzert a-Moll. Richard Milone machte daraus ein Ereignis. Der Geiger spielte mit technischer Perfektion, aber vor allem mit einem warmen, eleganten und ungemein lebendigen Ton. Glasunows Musik besitzt diese besondere Mischung aus russischer Melancholie, tänzerischer Leichtigkeit und großer melodischer Geste. Milone erfasste diesen Charakter wunderbar. Er spielte hoch konzentriert, aber nie angestrengt, und stand zugleich in einem sehr wachen Dialog mit dem Orchester.

Zum Schluss führte Don Gillis‘ Symphony No. 10 „The Big D“ in eine völlig andere Klangwelt. Gillis zeichnet darin ein musikalisches Porträt von Dallas – lebhaft, großstädtisch, rhythmisch, mit amerikanischer Direktheit und immer wieder jazzigen Farben. Besonders eindrucksvoll war der Satz „Requiem for a Hero“, der an die Ermordung John F. Kennedys erinnert und dem Werk für einen Moment eine ernste, nachdenkliche Tiefe gab. Auch hier zeigte sich, wie flexibel und aufmerksam die Collegia Musica Chiemgau auf sehr unterschiedliche Stile reagieren kann.

Bemerkenswert war dabei auch die Geschlossenheit des Orchesters. Die Collegia Musica Chiemgau wirkte nie wie ein bloßer Begleitapparat für die beiden Solisten, sondern als eigenständiger, farbenreicher Klangkörper. Die Streicher entwickelten einen warmen, tragfähigen Ton, die Bläser setzten charaktervolle Akzente, und auch die rhythmisch anspruchsvolleren Passagen gelangen präzise.

Ein Konzertprogramm
mit Spannungsbogen

So entstand ein Konzert, das nicht nur einzelne Glanzpunkte aneinanderreihte, sondern einen echten Spannungsbogen hatte. Marschners romantische Dramatik, Griegs große Klavierpoesie, Deutschmanns klare Orchesterarchitektur, Glasunows leuchtende Violinkantilenen und Gillis‘ amerikanische Energie standen nicht beliebig nebeneinander. Unter Burkerts Leitung fügten sie sich zu einem Abend, der zeigte, wie lebendig sinfonische Musik sein kann, wenn sie mit Mut, Können und Begeisterung präsentiert wird.

Declara und Milone wurden zu Recht gefeiert – zwei Musiker, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigten, wie unmittelbar Virtuosität wirken kann, wenn sie nicht Selbstzweck bleibt, sondern ganz in den Dienst der Musik gestellt wird. Elke Burkert führte das Orchester mit sicherer Hand durch ein anspruchsvolles, stilistisch weit gespanntes Programm. Sie formte große dramatische Bögen, ließ den Solisten Raum, hielt aber zugleich das Orchester stets präsent und klanglich geschlossen. Beeindruckend war, mit welcher Selbstverständlichkeit sie romantische Dramatik, nordische Innigkeit, zeitgenössische Orchesterkunst, russische Eleganz und amerikanische Klangfarben verband.

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