Ein höchst anständiger Einstand

von Redaktion

Alexander Aigner bringt Mendelssohn und Dvorak in Pfarrkirche St. Nikolaus

Mühldorf – Mit „Musik zwischen Himmel und Meer“ überschrieb der demnächst zwölf Monate als Kirchenmusiker von Mühldorf-St. Nikolaus tätige Niederbayer Alexander Aigner, Jahrgang 1998, seinen ersten großen Auftritt als Leiter von Chor und Orchester der Pfarrkirche. Beide für dieses Konzert eigens zusammengerückte Vereinigungen gehorchten dem so charmant wie kompetent und konsequent höchst anständig agierenden jungen Mann im tiefschwarzen Anzug sozusagen aufs Wort.

Romantische
Naturbilder

Kein leichtes Programm hatten sie zu bewältigen: Felix Mendelssohn Bartholdys „Die Hebriden“ – mit ihren wogenden Schwellungen und zarten „himmlischen“ Lyrismen voller Lieblichkeit und dramatisch gelungenen Steigerungen fühlte man sich in die romantischen Natur-Bilder des hohen Nordens versetzt – waren Aufwärmer für beide Seiten: für die Akteure mit vierfach besetztem Blech und der initiativ spielenden Konzertmeisterin Elisabeth Überacker als Impulsgeberin wie für die in den unbarmherzig in den Rücken stechenden Kirchenbänken nicht gerade bequem sitzenden Zuhörenden.

Ihnen sprach der Hausherr, Dekan Klaus Vogl, zu Beginn des geradezu kurzweilig anmutenden, von erfrischendem Aplomb getragenen, nur knappe 70 Minuten dauernden, von einem erlösenden Gewitterregen gesegneten Konzerts aus der Seele – und das im Beisein von (wer hatte das je in Mühldorf erlebt?) allen drei amtierenden Bürgermeistern mit Begleitung – wenn er von der Kraft und Schönheit der Musik redete, die „die Gabe hat, über den Alltag hinaus zu führen und die Nähe Gottes erahnen lässt“. Ob es zu dem von Stadtpfarrer Vogl erwähnten Erschaudern vor Gottes Allmacht kam, als Antonin Dvoraks Messe in D-Dur op. 86 erklang, bleibt dahingestellt. Genug Hymnisches war aus den vollen Kehlen der engagierten Choristinnen und Choristen zu vernehmen, dank der an den entscheidenden Gelenkstellen bewusst vorsichtig und mit Bedacht die Zügel mal fester, mal lockerer in Händen haltenden Dirigierkunst des tüchtigen Alexander Aigner. Mit der Orchesterpart-Besetzung, noch einmal bläserseits qualitätsvoll verstärkt und mit viel Herzblut der Streicher und Holzbläser durchströmt, hatte Aigner ein absolut glückvolles Händchen. Das muss man erst, zumal als eigentlich eher an der Orgel Tätiger und von der Empore ins Kirchenschiff Arbeitender, schaffen! Dass Aigner ausgerechnet auf die Nennung des am besten hinsichtlich Einfühlung, Kompaktheit und Ausdrucksdichte gelungenen „Benedictus“ im Handzettel verzichtete, war wohl nicht Absicht, sondern ein Versehen beim Schreiben des „Programmablaufs“.

Beim Zueinander-Finden seines Solisten-Quartetts hatte der seinen Master an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt am Main im vorigen Jahr Absolvierte weniger Massel. Konstantin Riedl brachte seinen grundierenden Bassbariton mit Bedacht und Wärme ein. Tobias Gründl, der sich mit dem Sakralcharakter seines kleinen Tenorparts nicht so recht anfreunden mochte, passte in dieser Hinsicht gut zu seiner (in dem Ensemble „Fräulein Kitty und die Spitzbub’n“ vereinten) Sopran-Kollegin Katharina Wittmann. Am besten – nicht zuletzt hinsichtlich des Blickkontakts mit dem Dirigenten – fügte sich die Mühldorferin Christine Enghofer, in ihrer Heimatstadt seit 2002 Vorsitzende des Fördervereins der Musikfreunde, in ihre Alt-Rolle. Auch wenn man sie über längere Passagen nicht laut genug vernahm: Sie brachte die „Et incarnatus est“-Stellen voller Empathie und weiser Zurückhaltung aus ihrer geschulten Kehle. Wann und wie „weitere Solisten“, namentlich genannt auf dem Programmzettel (Julia Dendl, Klaus Pöppl und Valentin Schima), auftraten, war nicht auszumachen. Jedenfalls gab’s für alle ein buntes Blumensträußchen. Diese – und überhaupt dieses Kirchenkonzert, auf das man Monate lang warten musste – konnten dank der von Vogl bedankten Sponsoren überreicht werden.

Nördlichste Spielstätte
des „Musiksommers“

Für die zur nördlichsten Spielstätte des Festivals „Musiksommer zwischen Inn und Salzach“ eigens aus Traunstein angereiste Vorstandschaft hätte der Mühldorfer Beitrag eine gute Gelegenheit geboten, für diese noch immer hohes Ansehen genießende Kulturinstitution zu werben, allein schon mit dem Verteilen des ja noch laufenden Spielplans.

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