Enge Verbindung zu Tanz, Erzählung und Geselligkeit

von Redaktion

Matching Ties Quartet verzaubert Burghausen mit traditioneller Musik von den Britischen Inseln

Burghausen – Es gibt Abende, die man an der Musik festmacht, und es gibt Abende, die man an der Stimmung festmacht. Der Auftritt des Matching Ties Quartet am Wasserplatz war beides zugleich. Im Rahmen der Konzertreihe „Sommermusik am Wasserplatz“ spielte die Formation vor bis auf den letzten Platz gefüllten Wiesen und Sitzreihen.

Dass ein Ensemble mit 40-jähriger Bühnenerfahrung gratis zu erleben ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Die „Sommermusik am Wasserplatz“ versteht sich seit Jahren als niedrigschwelliges kulturelles Angebot für Burghausen: Musik soll hier nicht exklusiv sein, sondern allen offenstehen, die einfach vorbeikommen, sich hinsetzen und zuhören wollen. Das Matching Ties Quartet passte mit seinem unkomplizierten, mitreißenden Zugang zur Musik perfekt in dieses Konzept.

Was den Auftritt zusätzlich zu etwas Besonderem machte: Das Matching Ties Quartet feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Seit den 1980er-Jahren ist die Band auf europäischen Bühnen unterwegs, hat unzählige Auftritte, Festivals und Konzertreihen bespielt und dabei die traditionelle Folkmusik der Britischen Inseln einem breiten Publikum nahegebracht.

Für Burghausen ist das Matching Ties Quartet kein unbekannter Gast. Bereits seit den 1980er-Jahren gastiert die Band immer wieder in der Stadt. Diese langjährige Verbindung war beim Konzert am Wasserplatz deutlich zu spüren.

Für den perfekten Einstieg sorgte Bandmitglied Konrad Stock, der das Konzert auf dem „Big Mac“ eröffnete – dem großen schottischen Dudelsack, dessen voller, durchdringender Klang sofort für Gänsehaut sorgte. Kaum ein Instrument steht so unmittelbar für die schottische Musiktradition wie diese Great Highland Bagpipe, und ihr Auftakt setzte den Ton für den restlichen Abend. Der charakteristische Drone-Klang, der die Melodie wie ein Klangteppich trägt, trug die Melodie über den Wasserplatz. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Etikett, unter dem das Matching Ties Quartet auftritt? Irish, Scottish & English Folk bezeichnet die traditionelle Volksmusik der Britischen Inseln. Typisch für diese Musikrichtung ist ihre enge Verbindung zu Tanz, Erzählung und Geselligkeit: Jigs, Reels und Hornpipes etwa sind schnelle, rhythmisch prägnante Tanzstücke, die in Wirtshäusern, bei Festen oder Dorfversammlungen gespielt wurden, während Balladen eher ruhige, erzählende Lieder sind, die von Liebe, Auswanderung, Krieg oder dem harten Alltag der einfachen Leute berichten.

Klanglich lebt diese Musik von einem unverwechselbaren Instrumentarium: Neben dem bereits erwähnten Dudelsack gehören Fiddle (Geige), Tin Whistle oder Flöte, Gitarre, Bodhrán – eine irische Rahmentrommel – sowie gelegentlich Akkordeon oder Mandoline zum klassischen Klangbild. Charakteristisch sind zudem die Ornamentik, also kleine, virtuose Verzierungen in der Melodieführung, sowie die enge Verwandtschaft zwischen irischer, schottischer und englischer Tradition, die sich zwar in Tonleitern, Rhythmik und Instrumentierung leicht unterscheiden, aber doch aus derselben musikalischen Wurzel stammen.

Wer beim Konzert auf dem Wasserplatz stand, konnte beobachten, wie sehr diese Musik auch heute noch Menschen zusammenbringt. Die Wiesen waren dicht gefüllt, die Sitzplätze restlos besetzt, viele Besucher standen oder saßen zusätzlich an den Rändern des Platzes – die Kulisse der Salzach im Rücken, die Burg im Blick. Mit fortschreitendem Abend wich die anfängliche Konzertatmosphäre einer regelrechten Festivalstimmung: Bei den schnelleren Jigs und Reels wippten unzählige Füße im Takt, an manchen Stellen wurde mitgeklatscht, andernorts sangen einzelne Zuschauer hörbar mit, wenn eine bekannte Melodie anklang.

Für Burghausen war der Auftritt des Matching Ties Quartet weit mehr als nur ein weiterer Programmpunkt im Sommerkalender. Er war die Fortsetzung einer über vier Jahrzehnte gewachsenen Beziehung zwischen einer Band und einer Stadt.

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