Wechselhaftes Wetter war der ständige Begleiter beim Grand Prix von Tschechien an diesem Wochenende. In der Nacht zum Sonntag zog erneut eine Regenfront auf und der erste Niederschlag ließ auch nicht lange auf sich warten. Ein verregnetes Warm-Up am Morgen spielte allerdings Jonas Folger und seinem Team übel mit. Nach Abstimmungsschwierigkeiten während der Trainingstage wollte man vor dem Rennen noch eine andere Lösung testen. Zum Zeitpunkt des Starts war die Strecke aber noch nass, sodass alle Fahrer mit Regenreifen und -abstimmung ins Rennen gingen. Doch der 5,4 Kilometer lange Rundkurs auf dem Automotodrom Brno trocknete schnell ab.
Der Weltmeister und WM-Führende Marc Marquez und Jonas Folger waren die Ersten, die einen Motorradwechsel wagten. Folger wurde aber von seiner Boxencrew gleich wieder auf die Piste geschickt, da sich sein zweites Motorrad zu diesem Zeitpunkt noch beim Umrüsten befand. Eine Runde später konnte dann der Bayer seine Maschine tauschen und zeigte anschließend auf immer mehr abtrocknender Fahrbahn eine wahre Meisterleistung. Folger fuhr reihenweise schnellste Rennrunden und holte vom hinteren Ende des Feldes zügig auf. Seine Pace war zum Teil gleich schnell wie die des späteren Siegers Marquez.
Der zweite Saisonhalbzeit beginnt mit einem dichtgedrängten Zeitplan im August. Das nächste Rennen findet bereits am kommenden Wochenende in Spielberg in der Steiermark statt.
„Ich bin ehrlich gesagt mit einem mulmigen Gefühl in das Rennen gegangen. Ich hatte mit Grip-Problemen zu kämpfen und fühlte mich daher auf regennasser Piste überhaupt nicht gut. Mein Start war trotzdem gut, doch nach dem ersten Sektor habe ich bereits Positionen verloren. Ich konnte bei diesen Streckenverhältnissen die Pace der Spitzengruppe nicht fahren. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es beginnt abzutrocknen und noch dazu recht schnell. Daher entschied ich mich am Ende der zweiten Runde zum Motorradwechsel in die Box zu fahren. Zum gleichen Zeitpunkt sah ich, wie Marc (Marquez) in die Box fuhr. Das war mitunter eine Hilfe für meine Entscheidung und außerdem auch eine gute Referenz. Es war trotzdem ein bisschen riskant, so früh zu wechseln.
Aber hinter Marc hätte ich vielleicht eine starke Pace fahren können. Doch soweit sollte es nicht kommen, da mich mein Crew-Chief in der Boxengasse durchgewunken hat – das Bike war für den Wechsel noch nicht bereit. In der anschließenden Runde habe ich überlegt, wie lange ich draußen bleiben soll oder auf das Signal meiner Crew zu warten. Ich bin aber gleich wieder reingefahren. Der Wechsel hat perfekt geklappt, obwohl das Bike erst im letzten Augenblick fertig wurde. Mit dem zweiten Bike hatte ich eigentlich auf Anhieb ein super Gefühl, ich hatte damit das beste Feeling des gesamten Wochenendes überhaupt.
Doch danach war es so, als ob alle Probleme, die wir an den Trainingstagen hatten, mit einem Schlag verschwunden waren. Ich fühlte mich sehr wohl damit und konnte eine sehr, sehr starke Pace fahren. Schade, dass wir am Anfang so viel Zeit verloren haben und ich hatte auch nicht gedacht, dass es am Ende noch für die Top-Ten reichen wird. Daher bin ich mit dem Rennen mehr als zufrieden. Fehler können immer passieren, wir sind alle nur Menschen. Ich mache auch Fehler und heute hat einfach meine Crew gepatzt, da keine Slicks montiert waren. Für die nächsten Rennen müssen wir viel mehr auf Nummer sichergehen, in welche Richtung es gehen muss, vor allem wenn ein Flag-to-Flag-Rennen zu erwarten ist,“ erklärte Folger.