Die Löwen kommen

von Redaktion

Der SV Aschau/Inn empfängt zum 75-jährigen Vereinsbestehen den TSV 1860 München

Aschau/Inn – Am Mittwoch, 22. Juni um 19 Uhr ist es wieder soweit: Bereits zum fünften Mal treten der aktuelle Fußball-Drittligist TSV 1860 München und der Kreisliga-Aufsteiger SV Aschau/Inn gegeneinander an. Das ist für einen „Dorfverein“ wie dem SV Aschau eine absolute Seltenheit, bedeutet aber natürlich eine große Ehre für Verantwortliche und Spieler. Der Anlass für diese fünfte Partie ist das 75-jährige Bestehen des Sportvereins Aschau, wobei das Spiel der Löwen im Aschauer Sportzentrum das absolute Highlight dieses Jubiläumsjahres darstellt.

Die „Veilchen“, wie der SV Aschau allgemein genannt wird, wurde 1946 gegründet und spielte in all den Jahren eine nicht unbedeutende Rolle im Fußballkreis Inn/ Salzach. Besonders in den Jahren 1987 bis 1993 war der SV Aschau hinter dem TSV Ampfing die zweite Fußballkraft im Landkreis Mühldorf, als der TSV Buchbach noch in der damaligen B-Klasse spielte.

Höhepunkt für den SV Aschau war das Relegationsspiel zur Bezirksoberliga im August 1990 gegen die Reserve des TSV 1860 München in Erding, das mit 0:5 verloren wurde. Danach waren die Veilchen fast durchgehend in der A-Klasse, der heutigen Kreisliga vertreten, bis 2017 der Abstieg in die Kreisklasse erfolgte. Mit der diesjährigen Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Kreisliga wollen die Aschauer wieder an bessere und erfolgreichere Zeiten anknüpfen.

Die erste Begegnung mit dem TSV 1860 München fand 1983, anlässlich der Einweihung des Aschauer Sportzentrums, statt. Vor einer großartigen Kulisse von über 2000 Zuschauern verloren die Veilchen mit 2:13 Toren gegen so bekannte Spieler wie Erich Beer, Wiggerl Kögl und Andi Löbmann, um nur einige dieser klangvollen Namen zu nennen. Die zweite Begegnung hatte einen sehr traurigen Hintergrund. Im August 1998 brach der damalige Aschauer Torwart Christian Witt nach dem Training zusammen und verstarb im Alter von 29 Jahren noch am selben Tag.

Er hinterließ eine vierjährige Tochter und eine schwangere Ehefrau, denen der SV Aschau durch ein Benefizspiel wenigstens in finanzieller Hinsicht helfen wollte. Die guten Kontakte der Familie Linster zu den Löwen machten es schließlich möglich, dass ein Spiel unter Flutlicht am 24. März 1999 in Ampfing stattfand. Vor über 3000 Zuschauern wurde dieser Abend ein unvergessliches Erlebnis und gleichzeitig ein großartiger finanzieller Erfolg. Durch die großzügige Spendenbereitschaft der Zuschauer und der Löwen, die aus ihrer Mannschaftskasse mit 9000 DM dazu beitrugen, konnte den Hinterbliebenen mit einem bedeutenden Betrag geholfen werden. Besonders zu erwähnen war die absolut uneigennützige Art des Gastes aus München, der mit allen Stars unter Trainer Lorant ohne Gage antrat. Diese großzügige Geste und die Hilfsbereitschaft der Löwen erhöhte zwangsläufig die schon große Fangemeinde in und um Aschau. Der größte Fan war wohl der Aschauer Pfarrer Emil Fritz, der nach jedem Löwensieg die Fahne am Pfarrhaus hisste. Das Spiel endete 0:12 aus Aschauer Sicht, wobei sich Markus Schroth allein fünfmal in der Torschützenliste verewigte.

Die dritte Begegnung fand am 28. Mai 2009 im Aschauer Sportzentrum statt. Die Firma Linster, mittlerweile Hauptsponsor bei der Bandenwerbung im Grünwalder Stadion, machte es möglich, dass die Löwen ein Vorbereitungsspiel gegen die Veilchen austrugen. Die Brüder Thomas und Alexander Linster organisierten mit einigen örtlichen Sponsoren einen unvergesslichen Nachmittag. Vor knapp 2000 Zuschauern zeigten sich die Gäste unter Trainer Rainer Maurer in absolut gnädiger Torlaune und besiegten den Heimatverein mit 0:7 Toren.

Zwei Jahre später, als im Sportzentrum die Flutlichtanlage eingeweiht werden sollte, wurden erneut die Münchner Löwen als Gast verpflichtet. Vor fast 1600 Zuschauern wurde diese Begegnung für den SV Aschau fußballerisch eine Lehrstunde und für die Organisatoren leider ein Desaster, als gegen Ende der ersten Halbzeit das „neue“ Flutlicht ausfiel. Die Halbzeitpause dauerte dadurch circa eine dreiviertel Stunde, die der damalige Trainer Ewald Lienen anscheinend zu nutzen verstand, denn nach einem Halbzeitstand von 0:3 endete das Spiel letztendlich mit 0:17 Toren.

Die fünfte Begegnung findet nun am 22. Juni 2022 im Aschauer Sportzentrum statt. Anstoß ist um 18.60 Uhr, also 19 Uhr. Der Kartenvorverkauf ist in vollem Gange.

Mittlerweile sind die Kontakte neben dem Seniorenbereich auch auf die Ebene der Jugendlichen ausgeweitet worden. Seit zwei Jahren gastiert die „Löwen-Fußballschule“ jeweils Anfang September für drei Tage im Aschauer Sportzentrum. Der Andrang für eine Teilnahme ist im ganzen südostbayerischen Raum riesengroß und muss teilweise durch Losentscheid vergeben werden. Auch dieses Jahr ist wieder ein Fußballcamp mit der Fußballschule der Löwen geplant und bereits zugesagt worden. hpf

Die Veilchen waren geboren

Der Name der „Veilchen“ entstand in den Anfangsjahren des Vereins. Als nach dem Krieg Stoffe für Trikots noch Mangelware waren, wurden aus alten Pulversäcken die Leibchen für die Spieler geschneidert. Nach dem ersten Waschen verfärbten sich allerdings die Trikots von Grau in „Lila“, worauf die Mannschaft nur noch als Veilchen bezeichnet wurde.

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