Gänsehautfeeling auf der Sandbahn

von Redaktion

2600 Zuschauer erleben packende Duelle in allen Klassen – Die Deutschen halten mit

Mühldorf – Drei Jahre Warten auf das Dröhnen im Mühldorfer Oval sind vorüber. Und da war es wieder, dieses Gänsehautfeeling, von dem nicht nur Josef Frohnwieser, Vorsitzender des MSC Mühldorf gesprochen hat. Außergewöhnlich spannende Duelle im zweiten von sechs Rennen der Langbahn-Weltmeisterschaft, aber auch in der Seitenwagenklasse konnten die 2600 Zuschauer am Sonntag sehen und erleben. Und wer schon am Morgen auf der Mühldorfer Rennbahn gewesen ist, erlebte in der nationalen Soloklasse möglicherweise einen neuen Stern am deutschen Langbahn-Himmel.

Es wurde durchgerüttelt, das Klassement der diesjährigen Weltmeisterschaft. Endlich einmal wieder ist mit dem zweiten Grand Prix 2022 ein WM-Lauf auf einer klassischen und 1000 Meter langen Sandbahn ausgetragen worden. Perlenschnur? Langweilige Start-Ziel-Siege? Vorhersehbare Sieger? Wer mit diesen Attitüden nach Mühldorf kam, musste sich eines Besseren belehren lassen. Es gab packende Zweikämpfe auf allen Positionen und jene, die anfangs wie die sicheren Sieger aussahen, mussten im Laufe des Renntags Federn lassen. So wie zum Beispiel Kenneth Kruse Hansen. Der Däne, Sieger des ersten Grand Prix in Polen, begann in den Vorläufen stark mit zwei Siegen und einem zweiten Platz. Es folgten zwei vierte Ränge – und am Ende Rang sechs.

Dass es ihm überhaupt noch für diese Position reichte, hat er seinem Sieg im B-Finale und einem System zu verdanken, das vorsieht, dass ins Finale die drei Punktbesten aus den Vorläufen plus die beiden Ersten aus dem Last-Chance-Heat kommen. Die Sechst- bis Zehnplatzierten bestreiten dann ein kleines Finale, dessen Zieleinlauf – ungeachtet der bis dato errungenen Punkte – über die entsprechenden Positionen und WM-Punkte entscheidet. Ebenso verhält es sich auch im Finale. Die beiden deutschen Vertreter schlugen sich auf ihrem Weg ins Finale beachtlich. Da ist zum einen Lukas Fienhage (22/ Lohne), der im durch Corona auf zwei Grand Prix reduzierten Jahr 2020 Einzel-Weltmeister und vor sechs Wochen im pfälzischen Herxheim zum zweiten Mal als Teil der deutschen Nationalmannschaft Teamweltmeister geworden ist. Mit 16 Vorlaufpunkten ist er direkt in den Endlauf eingezogen, seinem erklärten Minimalziel nach seinem etwas holprigen Langbahn-WM-Start in Polen als Elfter. Und da ist zum anderen Stephan Katt (42/ Neuwittenbek). Als dreifacher Grasbahn-Europameister erhielt für Mühldorf die Veranstalter-Wildcard – und zeigte mit seinen Leistungen auch, dass dies berechtigt war. Mit zwölf Vorlaufpunkten zog Katt ins Last-Chance-Heat, gewann dies und war damit Finalist.

Das Finale: megaspannend. Katt kam – im Gegensatz zu Fienhage – sehr gut aus dem Start und reihte sich erst einmal hinter Mathieu Trésarrieu ein. Dann zog Christ Harris an Katt vorbei, der nunmehr mit Weltmeister Romano Hummel fightete – und auf den letzten Zentimetern den Kürzeren zog. „Schade, dass ich da meinen dritten Platz noch verloren habe, aber das ist halt Sport. Ich habe hier gezeigt, dass ich in dieses Feld gehöre“, sagte der Norddeutsche nach dem Lauf. Für Katt bedeutete Rang vier auch durchaus Zuversicht für das kommende Challenge, die WM-Qualifikation für 2023, im französischen Marmande. Fienhage haderte mit seinem fünften Rang und seinen nicht allzu glücklichen Starts in Mühldorf: „Wäre das anders gewesen, hätte ich heute in Mühldorf gewinnen können.“ Schon in den Vorläufen hatte er sich nach vorne gearbeitet, sich immer wieder um eine Position verbessert: „Ich habe mir heute wirklich die Seele aus dem Leib gekämpft.“

Viel Spannung gab es auch in der Seitenwagenklasse, in der den Abonnementsieger Markus Venus/ Markus Heiß aus Pfarrkirchen nichts geschenkt wurde und sie Punkte an die Schwarzwälder Raphael San Millan/ Benedikt Zapf, aber auch an den Allgäuer Moritz Straub (mit Beifahrer Patrick Löffler) oder Marco Hundsrucker/ Nadine Löffler (Obergrafendorf) abtreten mussten. Im Endlauf machten Venus/ Heiß dann aber den Sack zu und ihren Sieg perfekt. Punktemaximum holte sich in der B-Solo-Klasse am Vormittag Daniel Spiller (Vilsheim), dessen Geschwindigkeiten jenen der WM-Kandidaten sehr nahekamen und der eine Klasse für sich darstellte. Der 24-Jährige, der nach vielen Jahren auf der kürzeren Speedwaybahn die Langbahn seit diesem Jahr auch für sich entdeckte, zeigte, welches Potenzial in ihm steckt. Er wird nach eigener Aussage auch künftig der Langbahn treu bleiben.

Durchaus zufrieden äußerte sich auch Vorsitzender Josef Frohnwieser: „Vor allem mit dem gezeigten Sport und den beiden Deutschen, die sich in Szene setzen konnten.“ Auch wenn angesichts heißer Temperaturen mehr Bahndienste und Bahnbewässerungen nötig waren – das Gänsehautfeeling überwog.

FIM-Langbahn-GP: 1. Mathieu Trésarrieu, F, 16 Vorlaufpunkte/ 21 WM-Punkte; 2. Chris Harris, GB, 10/ 19; 3. Romano Hummel, NL, 15/ 17; 4. Stephan Katt, D, 12/ 15; 5. Lukas Fienhage, D, 16/ 13; 6. Kenneth Kruse Hansen, DK, 13/ 11.

Kleines Finale (Platzierungen 6 bis 10): 1. Kenneth Kruse Hansen, 2. Theo Pijper, 3. Jacob Bukhave 4. Hynek Stichauer, 5. Martin Malek.

Finale: 1. Mathieu Trésarrieu, 2. Chris Harris, 3. Romano Hummel, 4. Stephan Katt, 5. Lukas Fienhage.

Internationale Lizenz Seitenwagen: 1. Markus Venus/ Markus Heiß, Pfarrkirchen, 17 Punkte; 2. Raphael San Millan/ Benedikt Zapf, Bergahupten, 15; 3. Manuel Meier/ Melanie Meier, Gengenbach, 11; 4. Marco Hundsrucker/ Nadine Löffler, Obergrafendorf, 11; 5. Markus Brandhofer/ Sandra Mollema, Gaißach, 5.

Nationale B-Solo-Klasse: 1. Daniel Spiller, Vilsheim, 15 Punkte; 2. Dennis Helfer, Weilheim, 12; 3. Mario Niedermeier, Langquaid, 9; 4. Magnus Czekely, Amerang, 4; 5. Ralf Herhaus, Offenburg, 3; 6. Sebastian Adorjan, Königsbrunn, 2; 7. Louis Tebbe, Dohren, 0; 8. Jamie Isherwood, Mühldorf, 0.

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