Ausländer-Zoff in der Bayernliga

von Redaktion

EHC Waldkraiburg verzichtet auf Gentleman’s Agreement – Gegner sagen Testspiele ab

Waldkraiburg – Der EHC Waldkraiburg sorgt in der Eishockey-Bayernliga für Diskussionen. Auslöser waren die Verpflichtungen von Dmitry Sergejev und Mikko Haaparanta. Damit stehen aktuell sechs Akteure ohne deutschen Pass im Kader der Löwen – drei mehr, als das inoffizielle Gentleman’s Agreement vorsieht. Der EHC Klostersee und der TEV Miesbach reagierten prompt und sagten ihre Testspiele gegen Waldkraiburg ab.

In der Bayernliga brodelt die Debatte um Importspieler seit Langem. Früher galt als gesetzt: Die Clubs beschränken sich von sich aus auf maximal zwei Importspieler pro Aufstellung. Im Vorjahr hatten sich 14 der 16 Clubs noch auf diese freiwillige Selbstbeschränkung geeinigt. Der ESV Burgau und der ERV Schweinfurt scherten jedoch aus und setzten mehr Kontingentspieler ein. Rechtlich ist das zulässig: Die Durchführungsbestimmungen begrenzen konform mit EU-Recht nur Nicht-EU-Bürger.

Nun zieht Waldkraiburg nach. Verboten ist dieses Vorgehen nicht, wie EHC-Pressesprecher Alexander Ahrends betont: „Ein ligaweites Gentleman’s Agreement gibt es de facto in diesem Jahr nicht. Einige Vereine haben sich darauf verständigt, wir gehören nicht dazu.“ Der Klub sieht sich durch personelle Engpässe zu diesem Schritt gezwungen. Wichtige Stützen wie Ex-Kapitän Thomas Rott und Eigengewächs Anthony Dillmann verließen den Verein im Sommer. „Diese Abgänge mit deutschen Spielern zu kompensieren, ist für einen Verein wie den EHC Waldkraiburg kaum stemmbar“, so Ahrends. Die Bayernliga sei längst keine reine Amateurliga mehr. „Das Wichtigste für uns ist zunächst, dass wir eine spielfähige und konkurrenzfähige Mannschaft stellen.“ Dabei räumt Ahrends auch eigene Versäumnisse ein: „Wir haben im Nachwuchsbereich in den letzten Jahren geschludert. Dadurch ist eine Lücke entstanden. Wir zollen nun unseren eigenen Fehlern Tribut.“

Für Miesbach und Klostersee Grund genug, ausgemachte Testspiele wieder abzusagen. „Da wir als TEV Miesbach diesen Weg nicht gutheißen möchten, haben wir uns gegen das Testspiel entschieden“, schreibt Miesbach auf Instagram. Klostersee schlägt in dieselbe Kerbe: „Grund ist eine unterschiedliche Auffassung der Kaderplanung und -entwicklung. Für uns steht die Förderung des Nachwuchses und eine sportlich faire Entwicklung im bayerischen Eishockey im Mittelpunkt“, macht der Verein auf Instagram deutlich. Dass die Testspiele abgesagt wurden, nimmt der Pressesprecher gelassen hin. Es stehe jedem Verein frei, seine Testspielgegner zu wählen. Dennoch fordert er Differenzierung: „Die gute Nachwuchsarbeit in Grafing ist bekannt. Ich weiß aber nicht, ob sie nicht genauso handeln würden, wenn sie in einer ähnlichen Situation wären.“ Zudem habe Klostersee schon vor der Spielzusage gewusst, dass sich Waldkraiburg nicht an das Abkommen halten werde.

Der Bayerische Eissport-Verband (BEV) versucht nun, den Richtungsstreit einzudämmen. Für die Saison 2026/27 schreiben die Bestimmungen vor: Maximal drei kontingentpflichtige Spieler dürfen pro Saison gemeldet und höchstens zwei pro Spiel eingesetzt werden. Als kontingentpflichtig gelten Spieler ohne deutsche oder EU-Staatsbürgerschaft. EU-Ausländer bleiben somit unbeschränkt. Beim EHC Waldkraiburg stößt die Neuregelung auf Zustimmung: „Wir begrüßen eine einheitliche Regelung“, sagt Ahrends. „Und wir werden die Ersten sein, die sich daran halten.“

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