Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-München

„Zuerst reden, dann planen“

von Redaktion

Höhere Kapazitäten, kürzere Reisezeiten und eine bessere Anbindung an das Chemiedreieck – diese Vorteile verspricht der Bahnausbau München-Mühldorf-Freilassing. Wie weit die Planungen auf dem Abschnitt Ampfing-Dorfen sind und welche Details bislang feststehen, darüber spricht Projektleiter Klaus-Peter Zellmer mit der Heimatzeitung.

Der zweigleisige Ausbau zwischen Ampfing und Tüßling ist abgeschlossen, die Planungen für den Abschnitt Ampfing-Markt Schwaben laufen. Wie ist der aktuelle Planungsstand?

Klaus-Peter Zellmer: Die DB Netz als Planer ist dabei, die Vorplanungen abzuschließen. Der nächste Schritt ist die Entwurfsplanung, diese Hürde haben wir gerade genommen. Die Baugrunduntersuchungen sind bereits abgeschlossen.

Welche Details werden bei der Vorplanung festgelegt?

In der Phase der Vorplanung prüfen wir, wie sich unsere Idee vom zweigleisigen Ausbau konkret umsetzen lässt. Auf dieser Basis entwickeln wir eine Vorzugsvariante im Hinblick auf wirtschaftliche, betriebliche und verkehrliche Faktoren und einigen uns schließlich mit unserem Auftraggeber, dem Bund, auf eine Variante. Die Vorzugsvarianten stehen damit fest, an denen sich lediglich Details ändern.

Mit dem zweigleisigen Ausbau werden auch die verbleibenden drei Bahnübergänge zwischen Ampfing und Schwindegg beseitigt. Was passiert dort?

Planungsauftrag des Bundes ist, alle Bahnübergänge zu beseitigen. Das bedeutet, dass die Schranken verschwinden. Über Brücken oder neue Verkehrswege können dann Autofahrer künftig die Bahnlinie kreuzen. Die Varianten für die drei Bahnübergänge sind abschließend aber noch nicht geklärt.

Welche Möglichkeit steht für den Bahnübergang bei Allersheim im Raum?

Aus Sicht vom Staatlichen Bauamt und der Bahn ist die wirtschaftlichste Variante der Ausbau der Kurve vor dem Holzwerk und dann der Anschluss an die MÜ30.

Die Planungen für den Bahnübergang Weidenbach sahen ein großes Brückenbauwerk vor. Werden diese Pläne weiterverfolgt?

Diese Überführung ist vom Tisch. Derzeit werden zwei Alternativen mit der Gemeinde und dem Landkreis diskutiert.

Wie weit sind die Planungen hinsichtlich des Lärmschutzes?

Ein Gutachter prüft zunächst die Lagepläne und legt fest, an welchen Stellen aktiver Lärmschutz benötigt wird. In den Plänen ist dies bereits berücksichtigt. In der Entwurfsplanung geht es nun darum, dass jedes Haus entlang der Bahnlinie betrachtet wird: Ist Lärmschutz nötig? Was ist zielführend – aktiver oder passiver Lärmschutz? Zu wünschen gibt es für die Anwohner nichts. Für Lärmschutz gibt es gesetzliche Randbedingungen, Grundlage ist die Verkehrsprognose.

Mit dem zweigleisigen Ausbau ist mit mehr Schienenverkehr zu rechnen. Bedeutet das zugleich mehr Lärm für Anwohner?

Es stimmt, dass die Kapazitäten auf der Strecke erhöht werden. Aber es fahren dann Elektroloks statt Dieselloks. Außerdem wird die Bahn alle ihre Güterwagen auf Flüsterbremsen umrüsten. Bis ins Jahr 2020 soll der Schienenlärm halbiert werden. Der zweigleisige Ausbau erlaubt es, die Verkehrsströme besser zu bündeln, so dass auch tagsüber mehr Güterzüge fahren können.

Was sieht der zeitliche Plan vor?

Für den Abschnitt Markt Schwaben-Ampfing gibt es sieben Feststellungsverfahren. Unser Ziel ist es, bis 2019 möglichst viele einzureichen – Schwindegg-Ampfing soll einer der ersten sein, die in das Planfeststellungsverfahren gehen. Was dann passiert, wie lange es dauert, ist davon abhängig, welche Einwände es gibt. Die Region hat es in der Hand, dies zügig voranzutreiben.

Was kann die Region machen?

Wir reden viel mit den Kommunen und suchen den Dialog mit den Bürgern. Wir wollen nichts diktieren. Daher ist es wichtig, dass Anwohner uns ihre Anregungen schicken, um eine optimale Lösung zu finden, die sinnvoll, vertretbar und wirtschaftlich ist. Zuerst reden, dann planen – das ist der bessere Weg.

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