Es ist Halbzeit Ihrer ersten Periode als Bürgermeisterin der Stadt Mühldorf. Welche Bilanz ziehen Sie nach drei Jahren?
Nach drei Jahren Amtszeit als Bürgermeisterin kann ich aus voller Überzeugung sagen: Es ist die schönste und interessanteste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann. Nach diesen drei Jahren weiß ich, wie das Getriebe des Motors Mühldorf läuft. Viele meiner ursprünglichen Projekte wie die Öffnung der Europastraße, der Steg über den Innkanal, die Sanierung der Ledererstraße, der Bau neuer Kindertageseinrichtungen, der Bau von Spielplätzen, die Unterstützung der Vereine sowie die E-Tankstellen für Elektroautos und E-Bikes sind umgesetzt.
Was muss aus Ihrer Sicht noch umgesetzt werden?
Die Sportstätten-Weiterentwicklung, weitere Parkplätze, ein neuer Flächennutzungsplan mit dem Verkehrskonzept, die weitere Siedlungsentwicklung, der Bau von Sozialwohnungen, Schulerweiterungen, die Realisierung der Fachhochschule, ein neues Stadtbuskonzept und weitere Kindertageseinrichtungen sind auf den Weg gebracht, aber noch nicht vollendet.
Welche Überraschungen gab es für Sie?
Am Anfang lernte ich erst einmal den Betrieb der Stadtverwaltung kennen. Einen Betrieb mit über 300 Angestellten zu führen, das war für mich neu. Denn bisher hatte ich kleinere Einrichtungen geleitet. Die Loyalität und die hohe Fachkompetenz der Stadtverwaltung halfen mir schnell bei der Einarbeitung. Die Zusammenarbeit macht mir große Freude, auch wenn mir die bürokratischen Wege manchmal umständlich erscheinen.
Was ist besonders schwierig?
Die Diskrepanz zwischen Wünschenswertem und Machbarem. Denn es ist schwer, nein zu sagen, wenn man den Bedarf erkennt, und trotzdem nichts machen kann. Vieles scheitert an der Finanzkraft. Warum einiges nicht umgesetzt werden kann, ist für den Bürger manchmal unverständlich, da der Gesamthaushalt doch ziemlich hoch ist. Aber viele Mittel, wie die Personalkosten bei der Kinderbetreuung, sind fest gebunden. Der Spielraum der Stadt ist noch da, aber er ist begrenzt.
Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Stadt?
Die Stadt Mühldorf wird noch eine Weile wachsen, allerdings ist dieses Wachstum begrenzt. Ich will kein Wachstum auf 30 000 Einwohner. Das passt nicht zu Mühldorf. Eine große Herausforderung ist derzeit, die notwendige Infrastruktur für die Kinderbetreuung und die Schulen, Verkehr und Parkplätze zu schaffen und damit mit dem bisherigen Wachstum Schritt zu halten. Wir erarbeiten derzeit einen neuen Flächennutzungsplan, der eine Gesamtschau auf die Faktoren Siedlungs- und Gewerbeentwicklung, Grünflächen sowie den Verkehr beinhaltet. Darin sind dann auch die Grenzen des Wachstums definiert. Mühldorf soll eine lebens- und liebenswerte Kleinstadt bleiben und sich gleichzeitig den Erfordernissen der Moderne stellen.
Wie wollen Sie das Parkproblem lösen?
Ich will mit einem neuen Parkkonzept und einem Parkhaus in der Innenstadt zusätzliche Möglichkeiten anbieten, die die Situation dauerhaft entkrampfen. Meine Hoffnung ist aber auch, dass noch mehr, für die es zumutbar ist, unseren Volksfestplatz als kostenlose Parkmöglichkeit entdecken. Der Weg dorthin ist nicht weiter als von der Innenstadt zum Bahnhof.
War die Steuererhöhung, trotz guter Konjunktur, trotz hoher Abgabe der Stadtwerke und der Jahresrechnung 2014 mit 4,3 Millionen Euro Plus, nötig?
Ja, denn wir haben einen sehr hohen Investitionsbedarf in fast allen Bereichen der Stadt. Straßen, Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie der Stadtbus und die Fuß- und Fahrradwege finanzieren sich teilweise ganz oder mit Unterstützung von Fördermitteln aus dem städtischen Haushalt. Das wird uns auch noch einige Jahre begleiten. Der Bau der Hochschule ist eine große finanzielle Herausforderung, die gemeistert werden muss. Dazu kommen die großen Wünsche wie ein neues Hallenbad, Finanzhilfen für die Sportvereine, Sporthallen und ein neues Fußballzentrum. Die Zuführung der Stadtwerke kann diese Lücke nicht schließen. Auch die Überschüsse der Jahresrechnung nicht.
Wie geht es mit der Fachhochschule am Standort Mühldorf weiter?
Im Interimsgebäude startet der Studienbetrieb bereits im Oktober dieses Jahres. Nach vier bis fünf Jahren soll das neue Gebäude bezogen werden. Wir wissen, dass der Standort Mühldorf bei Studierenden sehr stark nachgefragt ist.
Wie sieht der Sommerurlaub der Mühldorfer Bürgermeisterin aus?
Mit meinem Mann zusammen werden wir eine gute Woche in Norwegen wandern und mit dem Radl fahren. Ich bin keine, die sich mit einer Liege an den Strand legen kann.