Flossing – Caputa steht an der Muttergottesfigur, die kurz vorher nach draußen zu den vielen Marienverehrern getragen wurde. Er blickt suchend um sich, hebt die mit einem Rosenkranz umwickelten Hände. Dann eine Böe, die das Blätterkleid der Ulmen an der St-Laurentius-Kirche erzittern lässt. Caputa, eingekesselt von Pressefotografen und Videofilmern, fällt auf die Knie – der Zeitpunkt der Erscheinung. Minutenlange Ruhe. Caputa erhebt sich, kniet wieder nieder, nach einer halben Stunde verlässt der Seher den Schauplatz, es gilt, das Geschehen zu verarbeiten. Erst später will er Marias Botschaft verkünden. Zurück lässt er berührte Personen, die darauf warten, was ihnen der Seher von Maria zu berichten weiß. Aachen, Köln, Berlin – aus der ganzen Bundesrepublik waren sie gekommen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Schon am frühen Nachmittag feierten die Gläubigen in Unterflossing Gottesdienst, zelebriert von Pater Sebastian Raß. Knapp 500 dürften es da bereits gewesen sein. „Alles friedliche Leute“, stellte Erich Neumann fest, Vorstand der Freunde und Förderer der St.-Laurentius-Kapelle in Unterflossing, die sich darum kümmern, dass die Menschenansammlung nicht in einem Chaos endet.
Dieses blieb aus. Denn es kamen weit weniger als die prognostizierten 1000 Marienverehrer. 600 Besucher werden es am Ende gewesen sein. „Es kann nie schlecht sein, wenn sich Menschen zum Gebet treffen“, so Neumann. Mit Marienliedern überbrücken die Menschen die Zeit bis zur Verkündung von Caputas Vision. Eine Allgäuerin spricht anschließend von einem Moment des „ganz tiefen Friedens“. „Die Bäume rauschten, kurz bevor sie kam.“ Eine Passauerin erzählt, sie habe intensiven Rosenduft wahrgenommen.
Windböe und Rosenduft?
Das Gleiche sagt Neumann: „Bei der ersten Erscheinung war dieser Duft intensiver und durchgängig. Heute ist er vereinzelt wahrzunehmen, dafür aber sogar noch zwei Stunden nach der Erscheinung.“ Eine Frau aus Vilsbiburg meint, den Duft als Chrisam identifiziert zu haben. Und sonst? „Es kann ja nicht schaden, wenn sich die Leute zum Beten versammeln.“
„Wir haben nichts gespürt“, sagt dagegen ein Paar aus Halsbach, „es wurde aber merklich kühler und es hat gewindet.“ Caputas Vision wollen sie nicht beurteilen, „aber wir können uns schon vorstellen, dass Menschen solche Wahrnehmungen haben können.“
Kronberger: Kein zweites Altötting
Dann erscheint plötzlich Caputa, um seine Botschaft mitzuteilen. Mehr schlecht als recht übersetzt die Dame an seiner Seite, spricht von der Mahnung Mariens zum Frieden und zur Liebe. Und Siegfried Kneissl, Abgesandter der Erzdiözese München und Freising, hört aufmerksam zu. Er war vom Ordinariat geschickt worden, um die mutmaßliche Erscheinung zu beurteilen. 20 Minuten lauscht er den Ausführungen der Übersetzerin, dann genügt es Kneissl: „Alles gesehen und gehört.“
Ein Urteil darüber will er sich noch nicht erlauben. Nur soviel sagt er: „Viele Floskeln!“ Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger, ist zufrieden, dass es – auch dank seiner Feuerwehr – keine Probleme gab. Er selbst hat nichts gespürt und spricht von einem Phänomen, „dass Leute aus halb Europa nach Flossing kommen für eine Marienandacht. Denn mehr ist es nicht“, so sein ernüchterndes Fazit.
Unterflossing, ein zweites Altötting? Kronberger lächelt kopfschüttelnd: „Das glaub‘ ich nicht. Wobei: Altötting hat auch klein angefangen. Was weiß ich, was in 500 Jahren ist.“
Sicher ist nur, dass Maria wieder kommt. Erst verkündete die Übersetzerin den 19. März 2018 als nächsten Erscheinungstermin, dann ist es der 17. März 2018 – glücklicherweise ein Samstag, wieder um 16.30 Uhr.