Neumarkt-St. Veit – Es hat schon viel Nostalgie, wenn ein Müllzug die Strecke von Neumarkt-St. Veit nach Marklkofen zurückgelegt, dort wo die ZAS eine Niederlassung besitzt. Im Schneckentempo geht es nach Marklkofen auf von Pflanzen überwuchertem Bahngleis, eine Stunde dauert die Fahrt. Als einziges Unternehmen nutzte zuletzt der ZAS die Schiene in Richtung Niederbayern, nachdem der Personenverkehr schon lange zuvor eingestellt worden war – der letzte Personenzug nach Frontenhausen-Marklkofen fuhr im September 1970.
Doch jetzt soll auch der Güterverkehr auf dieser Strecke zum Erliegen kommen. Per E-Mail hat das die Verwaltung des ZAS gestern mitbekommen. Für Rolf Möbus, beim ZAS zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, völlig überraschend. Vor allen Dingen der Zeitpunkt. Denn laut Mitteilung des Betreibers der Bahnstrecke, die RSE Rhein-Sieg Eisenbahn GmbH, soll bereits ab 9. Oktober kein Befahren der Strecke mehr möglich sein.
„Wir haben nun eine Woche Zeit, die Logistik auf die Straße umzustellen. Das ist aber machbar“, erklärt Möbus. Der ZAS verfüge über ausreichend Erfahrungswerte, den Müll über Lastwagen von der Niederlassung in Marklkofen nach Burgkirchen zu befördern. „Wenn Schienenersatzverkehr notwendig ist, müssen wir ja auch reagieren.“
29 bis 31 Container sind es Woche für Woche, die von Marklkofen zur Müllverbrennungsanlage nach Burgkirchen befördert werden. Container, die sich auch auf Lastwagen verladen ließen, sagt auch Robert Moser, kaufmännischer Werkleiter in Burgkirchen. Die Verlagerung sei also nicht das Problem. „Doch man muss jetzt sehen, wie es langfristig weitergeht.“
Moser zeigte sich gestern verwundert über die Nachricht der Streckenschließung. Zwar war es schon seit über einem Jahr bekannt, dass die RSE die Bahnstrecke von Neumarkt-St. Veit nach Marklkofen abgeben beziehungsweise stilllegen will. Doch beim letzten Gespräch mit der RSE vor knapp vier Wochen sei davon keine Rede gewesen, dass die Streckenschließung schon so akut sei. Moser verweist auch auf Vertragsmodalitäten. Darin sei klar geregelt, dass der Mülltransport auf der Schiene zu erfolgen habe. „Wie es nun langfristig weitergeht, darüber müssen die Gremien entscheiden.“
„Instandhaltungsrückstau“, nennt Wolf-Peter Rosenthal, Eisenbahnbetriebsleiter bei der RSE in Bonn als Grund für die plötzliche Schließung. Bei Prüfungen entlang der Bahnstrecke seien Mängel festgestellt worden, der weitere Betrieb sei nicht mehr zu verantworten. „Da mussten wir jetzt einen Punkt setzen“, sagt Rosenthal. Er bestätigt, dass die RSE die erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen nicht durchführen will. Vielmehr will sie die Strecke abgeben. Wenn sich kein Betreiber finden sollte, folge die Stilllegung. Rosenthal will aber noch nicht von einem Todesurteil für die Bahnstrecke sprechen. Entsprechende Bestrebungen, einen Betreiber zu finden, werden seit knapp einem Jahr verfolgt. Nach wie vor gebe es Kontakt zur BayernBahn Betriebsgesellschaft in Nördlingen, die sich schon zu Beginn des Jahres als möglicher Interessent ins Spiel gebracht hatte.
Zunächst aber heißt es: Von der Schiene auf die Straße. Nächste Woche verkehren die Güterzüge noch zwischen Marklkofen und Neumarkt-St. Veit. Die vorerst letzten Züge werden am kommenden Freitag, 6. Oktober die Strecke befahren. Wie und ob es weitergeht, steht in den Sternen.