125 Jahre VR

Fest auf dem Boden der Realwirtschaft

von Redaktion

125 Jahre ist die VR meine Raiffeisenbank alt. Sie feierte mit Gästen aus den Landkreisen Altötting, Mühldorf und Traunstein dieses Jubiläum mit einem großen Festabend in Altötting.

Altötting/Mühldorf – Wer auf 125 erfolgreiche Jahre zurückblicken kann, darf auch über sich selbst lachen. Und sich sogar als „Banker mit Gewissensbissen“ bezeichnen. Das tat Roland Coulon, von 1969 bis 1993 Vorstandsvorsitzender der VR Bank Altötting, als er über seine Berufung berichtete. Damals habe er von der Bayerischen Vereinsbank in Neuötting wechseln sollen und Gewissensbisse gehabt, weil er Kunden zur neuen Bank mitnehmen würde.

Ein Vorstand mit Blick auf die Kunden: Es war so etwas wie das Leitmotto des Festabendes mit 284 Gästen im Altöttinger Kultur und Kongressforum. Oder, wie es der derzeitige Vorstandsvorsitzende ausdrückte: „Wir stehen zu den Menschen und dem Mittelstand.“

Nicht nur, wenn es ums Geld geht

Als etwas andere Bank präsentierte sich die VR meine Raiffeisenbank, die nach zahlreichen Fusionen in den Landkreisen Altötting, Mühldorf und Traunstein tätig ist; die die zweitgrößte Volks- und Raiffeisenbank in Bayern ist; und deren Tourismussparte voraussichtlich 2020 die Bank beim Gewinn überflügeln wird.

Trotzdem, das machten mehrere Redner deutlich, ist sie ihren Wurzeln verbunden geblieben: Dem Bankgeschäft vor Ort, der Wirtschaft in der Region, der Gesellschaft. „Wenn ich etwas brauche, kann ich zu meiner VR Bank gehen, nicht nur, wenn es um Geld geht“, sagte Altmüller. Das bedeutet: Kredite fürs Haus oder die Firma, Geldrücklagen aufs Sparbuch oder in Aktien, die Unterstützung von Vereinen oder Kommunen im Rahmen des Sponsorings – dafür stehe seine Bank.

Minister Dr. Marcel Huber stellte dieses Geschäftsmodell unter das Prinzip der Solidarität, das die Gründung der Volks- und Raiffeisenbanken im 19. Jahrhundert in ganz Deutschland geprägt habe: „Sie wollten Dinge gemeinsam leisten, die man nicht allein leisten kann.“ Damals sei es die Versorgung vor allem der armen Landbevölkerung und der Bauern mit bezahlbaren Krediten gewesen. Diese Solidarität, der Blick auf den Menschen, sei bis heute das Prinzip des Wirtschaftens der Volks- und Raiffeisenbanken.

Ein furchteinflößender Schäferhund

Auf diesem Prinzip ruhe die Bank heute, sagte Huber. „Sie hatten die Füße immer auf dem Boden der Realwirtschaft.“ Das habe die Genossenschaftsbanken während der Finanzkrise stabilisiert und sei ein gutes Modell für die Zukunft.

Deshalb gelte es, Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu erhalten, sagte Altöttings Landrat Erwin Schneider. „Wir müssen uns dagegen wehren, dass wir regulatorisch kaputt oder klein gemacht werden.“ Er nannte die schärfer werdende Regulierung einen Versuch, die Regionalbanken abzuschaffen. „Damit macht man den ganzen Mittelstand kaputt.“

Diesen Aspekt betonte auch Dr. Jürgen Groß, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands: „Sie sind die Heimatbank, sie finanzieren den Mittelstand.“ Die Mithaftung für Großbanken nannte er „einen ausgemachten Blödsinn“ und warnte eindringlich: „Das gefährdet den Mittelstand, die regionale Wirtschaft und damit unseren Wohlstand.“

Der VR meine Raiffeisenbank attestierte Groß eine starke Geschäftsphilosophie, einen „guten Mix aus Beharrlichkeit und Innovationsfreude“. Das sei eine tief in der Bank verankerte Kultur, offen für Neues zu sein und innovative Wege zu gehen. Dazu gehöre auch das Touristikgeschäft, mit dem die Bank sich früh ein zweites Standbein geschaffen habe, wie es die Bundesbank heute von allen Banken fordere, sagte der Verbandspräsident.

Eine Talkrunde mit drei ehemaligen und dem aktuellen Vorstandschef verhinderte beim Festabend in Altötting, dass Geschichtsbetrachtung oder aktuelle Bankenpolitik die fröhliche Stimmung hätten trüben können. Mit Roland Coulon, Alois Hoffmann, Horst Donhauser und Wolfgang Altmüller saßen fast vier Jahrzehnte Bankchefs auf dem Podium und plauderten auf Fragen von BR-Journalist Dietmar Gaiser, ließen es ein ums andere Mal menscheln, berichteten von vermeindlichen Einbrüchen, Kinderbesuchen im Vorstandsbüro und über Kreditverhandlungen von Kunden mit furchteinflößenden Schäferhunden.

Mit einem Menü und zur Musik von Elvis Presley und Johnny Cash ging der Abend zu Ende. Dr. Klaus Kohlpaintner unterhielt die Gäste als Dr. Kingsize zusammen mit seiner Band „The Celebrations“ bis in diespäten Abendstunden. hon

VR Bank in Zahlen

Bilanzsumme: 3,4 Milliarden Euro

Kredite: 2,6 Milliarden Euro

Einlagen: 2,8 Milliarden Euro

Mitarbeiter: 553

Geschäftstellen: 43

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