Interview

Erziehung braucht mehr Humor

von Redaktion

Autor und Erziehungsberater Dr. Jan-Uwe Rogge kommt am Montag auf Einladung des Katholischen Kreisbildungswerks in den Mühldorfer Haberkasten. Dort beantwortet er die Frage: „Was Kinder und Jugendliche heute brauchen.“

Es gibt eine Vielzahl an Erziehungsratgebern. Warum ist der Bedarf da und warum fällt Eltern Kindererziehung heute so schwer?

Ich weiß nicht, ob sich so viele Bücher gut verkaufen, ich kenne ja nur meine Zahlen und die sind sehr gut. Aber der Bedarf ist nicht neu. Ratgeber gibt es, seit sich Eltern bewusst mit dem Thema Erziehung auseinandersetzen.

Was können Ihre Erziehungsratgeber leisten?

Ich versuche, Eltern zu zeigen, dass Erziehung Spaß machen kann und dass man nicht perfekt sein muss. Erziehung basiert auf Beziehungen, und die können nur gelingen, wenn Eltern sich selbst und ihre Kinder so annehmen, wie sie nun eben sind. Das steht für mich im Vordergrund. Alles andere ist nachgeordnet, etwa Themen wie Aufräumen oder Schlafen.

Der Vortrag heißt: „Was Kinder und Jugendliche heute brauchen“. Was brauchen sie denn?

Wichtig für Kinder ist, dass sie von ihren Bezugspersonen, also etwa Eltern, Großeltern und Pädagogen, so akzeptiert werden, wie sie sind. Es ist wichtig, nicht alles perfekt machen zu wollen. Das ist kein Plädoyer für Fahrlässigkeit. Aber Eltern sollten ihre Ziele nicht mit wahnsinniger Strenge und Dominanz versuchen zu erreichen, sondern mit mehr Gelassenheit agieren. Mit fällt auf, dass es immer weniger Humor in der Erziehung gibt. Es wird wenig gelacht. Die Leichtigkeit und Heiterkeit fehlt.

Woran liegt das?

Ich bin jetzt seit über 40 Jahren Erziehungsberater und die Tendenz beobachte ich schon länger. Die Leute meinen, dass alles machbar sein muss, alles soll so laufen, wie sie es sich vorstellen. Dahinter steht ein stark technokratisches Denken. Für jedes Problem muss es ein Rezept geben. Aber das gibt es eben nicht. Jedes Kind, jede Mutter und jeder Vater ist anders.

Was sagen Sie den Eltern, die mit Fragen etwa wegen der Smartphone-Nutzung ihrer Kinder zu Ihnen kommen?

Als ich angefangen habe, gab es noch keine Smartphones. Aber die Fragen waren damals die gleichen, nur ging es ums Fernsehen und um Videos. Bei solchen Fragen muss man immer bei sich selbst anfangen, nicht bei den Kindern. Wie gehe ich mit dem Smartphone um? Als Eltern leben wir den Kindern ja den Umgang mit diesen Medien vor. Man kann nicht Wasser predigen und selber Wein trinken.

Es gibt immer mehr technische Möglichkeiten, Kinder zu überwachen. Wie denken Sie darüber?

Ich finde das schrecklich. Das ist ja gerade so, als würde man sich die NSA ins Haus holen. Mit solchen Überwachungsmethoden signalisiert man, dass man die Persönlichkeit des Kindes nicht ernst nimmt. Es gibt dieses alte Kinderlied: „Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein, Stock und Hut stehn ihm gut, ist gar wohlgemut.“ Eltern sollten ihren Kindern lieber Stock und Hut mitgeben. Beides gibt den Kindern Halt, und man gibt ihm Verantwortung in die eigenen Hände, traut ihm etwas zu.

Wie beeinflusst der digitale Wandel die Familien?

Es ist ja immer die Frage, wie bewusst man sich dessen ist und wie man damit umgeht. Die unmittelbare Kommunikation, die nur ein persönliches Gespräch bietet, ist ausgesprochen wichtig. Das gilt nicht nur in der Erziehung. Dem persönlichen Miteinander sollte man auch ausreichend Raum und Zeit geben, etwa in Form von Ritualen wie ein gemeinsames Essen und gemeinsames Spielen. Das sind ganz zentrale Momente, die digitale Medien nicht ersetzen können.

Karten gibt es beim Kreisbildungswerk am Mühldorf und unter 08631/37670

.

Artikel 1 von 11