Welche politische Gesinnung hat der Baumgartner Erwin in Wirklichkeit? Ja, eigentlich müsste er über den Dingen stehen, weil er als Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit seine Gemeinde nach bestem Wissen und Gewissen führen sollte, ohne politische Färbung, gerade nicht mehr Sonnenkönig. Überparteilich. Das hat auch schon einige Male geklappt.
Damals, vor knapp sechs Jahren, als er im Kampf um Geld für die Umgehungsstraße das Interesse der „Roten“ in Berlin im Speziellen und der bayerischen „Schwarzen“ im Allgemeinen nach Neumarkt-St. Veit lenkte und ihnen vor wichtigen Wahlen die Möglichkeit gab, sich zu profilieren. Selbst der Staatskanzleichef der CSU, Dr. Marcel Huber, bescheinigte dem Neumarkter Stadtoberhaupt zum 60. gute Arbeit. Fast schon CSU-tauglich.
Baumgartner also klammheimlich ein Christsozialer? Mitnichten. Die Neumarkter CSU-Stadtratsfraktion selbst wähnte ihn jüngst in der Ecke der Freien Wähler (FW). Wie er denn zur Straßenausbaubeitragssatzung stehe, fragte sie ihn. Ob er genauso ablehnend denke wie sein FW-Chef, wollte ihn die CSU aus der Reserve locken. Baumgartner – auf Einladung von CSU-Huber gerade auf dem Weg nach Berlin – reagierte entrüstet. Er sei von der UWG aufgestellt worden und nicht von den Freien Wählern. „Das ist ganz was anderes!“, verteidigte Baumgartner seine neutrale Position.
Neutralität. Während das Klima im Stadtrat also immer noch nicht das beste ist, schneidet zumindest die Klimabilanz in Neumarkt-St. Veit gut ab. CO2-neutral. Jetzt, da – rein rechnerisch gesehen – die Rottstadt nahezu 100 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien schöpft, wie Baumgartner zuletzt stolz verkündete.
Das wiederum dürfte die Spekulationen nähren: Ist Baumgartner ein Grüner? Ach, fassen wir es doch allgemeiner – ein Bürgermeister für alle. Die Fleisch gewordene Koalition. Ein FWCSUSPDUWG-Grüner. Josef Enzinger