Haag – Kaum hatte die Sitzung begonnen, warf Hans Urban (CSU) den Antrag auf Vertagen ein. Er sei skeptisch bezüglich der Blöcke, die von den Planern vor dem Rathaus als Ansichtsmodelle aufgestellt worden waren. Dagegen wollte Bürgermeisterin Sissi Schätz die Materialauswahl durchführen. Sie bekam mit 10:9-Stimmen recht.
Der Wunsch nach einem Ortstermin solle berücksichtigt werden, so Zweiter Bürgermeister Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG). Die letzte Diskussion sei sehr emotional verlaufen. Jetzt brauche es eine sachliche Abhandlung. Er sehe Optimierungspotenzial. Da beantragte Baureferent Stefan Högenauer (CSU), keine Fakten wie eine Ausschreibung vorschnell zu schaffen. Das fand Berücksichtigung. Er setzte sich mit 17 gegen zwei Stimmen durch.
„Beton oder Granit?“ fragte Stefan Vohburger vom Landschaftsarchitekturbüro. Das betraf die Sitzstufen vor der Bühne und die Sitzmauern um den Turm. Die Treppen seien sowieso in Granit geplant. Die Beläge bestünden ebenfalls aus Granitpflaster.
Umstritten war die „hohe Mauer“, für die Urban eine Gestaltung als „echte Natursteinmauer“ vorschlug: „Das entspricht dem Charakter besser“, bemerkte er. Nach den Planern haben diese 1,80 Meter hohe Ausführung zuerst die Statiker zu prüfen.
Die „Terrassenstufen“ gehören zu dem „multifunktionalen Raum“. Man könne sich draufsetzen, sie aber auch bestuhlen. Berücksichtigung fanden die Anregungen der Behindertenbeauftragten. Baureferent Stefan Högenauer plädierte dafür, mehr Rasenfläche als geplant zu erhalten. „Viel Grünfläche“ wollte auch Seniorenreferentin Fini Deliano (SPD), die sich daneben für Beton als Baumaterial aussprach.
„Granit finde ich schöner“, fand dagegen SPD-Chef Peter Bauer. Für die Formgebung habe er kein Verständnis. Weiter ging es um „geflammte, gestockte“ oder „gestrahlte“ Oberflächen. Grundsätzlich unterstrich Markus Türk vom Architekturbüro die Forderung des Denkmalschutzes nach einer modernen Neugestaltung. Sie solle sich vom Bestand deutlich abheben. „Rustikales“ passe nicht, nur „klare, moderne Formen“. Deswegen habe die Behörde auch nichts gegen Beton.
„Die Denkmalpflege ist nicht die Genehmigungs-
behörde“ Udo Rieger
Dafür hätten auch die Haager Beispiele im Pfarrheimgelände, ergänzte Hans Urban: „Das ist grauslig.“ Dazu wollte PWG-Chef Josef Hederer grundsätzlich geklärt haben, ob der Gemeinderat Schwierigkeiten habe, wenn er sich für eine Lösung entscheide, die dem Denkmalamt nicht gefalle. Eindeutig stellte dazu Städtebaulicher Berater Udo Rieger fest: „Die Denkmalpflege ist nicht die Genehmigungsbehörde.“ So fand Planer Türk zu einem Kompromiss: eine rustikale Natursteinmauer könne im Hintergrund statisch durch Beton abgesichert werden: „Das wäre möglich.“
In den Abschlussbeschlüssen lehnten die Räte mit 15 gegen vier Stimmen Betonfertigteile ab und befürworteten mit 17:2-Stimmen den Naturstein Granit als Oberfläche. Mit 16:3-Stimmen entschieden sie sich schließlich für eine Natursteinmauer, „allseitig gebrochen, unregelmäßig und bestandsähnlich“.