Informationsabend an der Klinik Haag

Wenn der Boden schwankt

von Redaktion

„Schwindel – wenn der Boden schwankt oder die Welt sich dreht“ lautete der Titel eines Informationsabends an der Klinik Haag. Der renommierte Parkinsonexperte Professor Dr. Johannes Schwarz erläuterte Ursachen, Diagnosemöglichkeiten und gab auch Tipps für das eigene Erkennen.

Haag – „Schwindel ist im Alter noch häufiger als überhaupt“, betonte der Referent. Bei Patienten über 70 gelte er als häufigste Beschwerde. Dafür gäbe es mehrere Ursachen. Mit bedrohlichen Krankheiten seien sie nicht verbunden. Schwindel könne aber bei Schlaganfällen und Tumoren auftreten und eine ausführliche Diagnose notwendig machen. Als Risiko werfe der Schwindel vor allem „Minderung der Alltagskompetenz“ auf.

Im Schlepptau des Schwindels befinden sich nach Dr. Schwarz Sehstörung, Gangstörung mit Beeinträchtigung von Muskeln und Gelenken, Veränderungen der Wirbelsäule und Störungen des Gleichgewichtsorgans. Bei älteren Patienten käme häufig ein „unsicheres Gangbild“ hinzu. Detailliert listete der Experte Erfahrungswerte aus der Diagnose auf, darunter peripherer Lagerungsschwindel, phobischer Schwankschwindel und vestibuläre Migräne.

Beim Benommenheitsschwindel treten unter anderem Herzrhythmusstörungen auf, Panikattacken und Platzangst. Alkohol und Medikamente können dazu beitragen. Weiter erläuterte Professor Dr. Schwarz den episodischen Drehschwindel und den Dauerdrehschwindel. Im Fallbericht schilderte ein 67-jähriger Patient den plötzlich auftretenden, wiederkehrenden Schwindel: die Umgebung dreht sich, vor allem wenn er den Kopf bewegt. Eigentlich fühle er die ganze Zeit Schwindel. Die akute Phase dauere nicht einmal eine Minute.

Schwindeltage-

buch eines Patienten

Zur Untersuchung gelangen bei diesem Krankheitsbild die Kopfhaltung, die Augen- und Blickposition, Lagerungsmanöver, Stand- und Haltetests. Eingesetzt wird dabei auch die Frenzelbrille zur Prüfung des Gleichgewichtsorgans. Professor Dr. Johannes Schwarz stellte das Schwindeltagebuch eines Patienten vor, um die Dauer, die Auslöser und Begleitbeschwerden wie Übelkeit aus der Praxis zu erklären. Zur exakten Diagnostik zählen neben dem Schwindeltagebuch der HNO-Status, die Ohrmikroskopie, die Hörprüfung über Stimmgabel und Audiogramm und die Gleichgewichtsuntersuchung. Den Nachweis des „Lagerungsschwindels“ erleichtern „Dix-Hallpike-Manöver“. Generell empfahl der Experte als Therapie die spezifische Diagnose, das Absetzen „aller nicht unbedingt notwendigen Medikamente“, das Korrigieren der Sehschärfe, Gehhilfen, Gang- und Gleichgewichtstraining und das Minimieren der Risiken im häuslichen Umfeld.

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